Das Debatten-Portal für Investoren und Börsen-Unternehmen

News

Lanxess setzt auf Schwellenländer

Vorstandschef Matthias Zachert hat die Umstrukturierung des Chemiekonzerns eingeleitet, die in Deutschland Arbeitsplätze kostet. Und sie ist nicht beendet - trotz des Aufschwungs zu Jahresbeginn 2015.

Der Kölner Spezialchemiekonzern Lanxess kämpft auch gut ein Jahr nach dem Amtsantritt von Vorstandschef Matthias Zachert gegen hohe Kosten, eine Flaute im wichtigen Kautschuk-Geschäft und neue Konkurrenz aus den Schwellenländern. Dennoch ist die Entwicklung eindeutig: 2013 hatten kräftige Wertberichtigungen und die Krise im Kautschukgeschäft, das 4,5 von rund 8 Milliarden Euro Jahresumsatz beisteuert, für ein Minus von 159 Millionen Euro gesorgt.

© Lanxess

Für 2014 reichte es trotz des Verlusts von 68 Millionen Euro im Schlussquartal immerhin schon für einen Jahresüberschuss von 47 Millionen Euro, weil der Dezember dem Konzern eine kräftige Belebung des Geschäfts beschert hatte. Und jetzt die Wende:

In den ersten drei Monaten dieses Jahres 2015 blieb der Umsatz des Dax-Konzerns zwar mit 2,04 Milliarden Euro stabil. Doch der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibung stieg verglichen mit der entsprechenden Vorjahresperiode um 12 Prozent auf 230 Millionen Euro, wie Lanxess am 7. Mai 2015 mitteilte. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 22 Millionen Euro, nach 25 Millionen ein Jahr zuvor.

Mehr noch: Das Kölner Unternehmen hob seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2015 an. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sowie vor Sondereinflüssen soll in 2015 auf 820 Millionen bis 860 Millionen Euro klettern. Bisher hatte Konzernchef Matthias Zachert lediglich ein operatives Ergebnis in etwa auf dem Vorjahresniveau von 808 Millionen Euro in Aussicht gestellt. „Die Ergebnisse zum ersten Quartal waren solide “, kommentierte Citigroup-Analyst Andrew Benson.

„60 Prozent unseres Konzernportfolios sind sehr gut aufgestellt.“
Matthias Zachert, Lanxess-CEO

„60 Prozent unseres Konzernportfolios sind sehr gut aufgestellt“, hatte Zachert schon in einem Zeitungsinterview Ende 2014 gesagt. Der andere Teil – also überwiegend das Kautschuk-Geschäft – solle bis in drei Jahren „wieder nach vorne gebracht“ werden. Um Überkapazitäten und Preisdruck in der schwierigen Branche entgegen zu wirken, senkte der Konzern zunächst Kosten in der Verwaltung.

Auch in der Produktion wird mittlerweile kräftig gespart. Im Zuge der laufenden Neuausrichtung wurden rund 1000 Stellen abgebaut, etwa die Hälfte davon in Deutschland. Mitte März 2015 hatte Zachert dann auch ankündigt, dass Lanxess bis Ende des laufenden Jahres 2015 die Kautschuk-Produktion mit 120 Beschäftigten im nordrhein-westfälischen Marl schließt. Ein traditionsreiches Werk - dort war schon in 30er Jahren Buna, synthetischer Kautschuk, hergestellt worden.

Außerdem sucht die Konzernführung Partner für die Sparte. Es wird offenbar mit der russischen NKNK sowie Saudi Aramco gesprochen. Details werden wohl nicht vor dem zweiten Halbjahr 2015 erwartet. Bis Jahresende 2015 soll aber entschieden werden.


Zur Neuausrichtung gehört auch die Konzentration auf die rentableren Standorte, wie das seit 2012 aufgebaute Werk in Singapur mit 140.000 Tonnen Jahreskapazität. Lanxess bedient den schnell wachsenden Markt für „Grüne Reifen“, der mit 14 Prozent pro Jahr in Asien 4 Prozentpunkte schneller wächst als im Rest der Welt.

© Lanxess

Der in der Branche als Nd-PBR bezeichnete Kautschuk, der in der Lauffläche und den Seitenwänden von Reifen zum Einsatz kommt, reduziert den Rollwiderstand und drosselt den Reifenabrieb, was dabei hilft, die Kraftstoff-Effizienz zu steigern. Die Perspektiven in diesem Geschäft sollen sich im laufenden Jahr leicht bessern, mit etwas höherer Nachfrage, aber anhaltendem Preisdruck.

Zachert sieht die laufende Neuausrichtung „voll im Plan“, gibt aber zu, dass es noch viel zu tun gibt.

Auch den Umbau seines Vorstands hat der Konzernchef inzwischen abgehakt. Der seit 2011 amtierende Finanzvorstand Bernhard Düttmann musste Ende März gehen. Nachfolger wurde Controlling-Chef Michael Pontzen. Dass sich diese Entscheidung seit Zacherts Dienstantritt fast ein Jahr hinzog, hat dabei nicht nur manchen Aktionär überrascht.

Denn Zachert, der 2011 von Lanxess zu Merck gewechselt war, kritisierte nach seiner Rückkehr zu Lanxess im April 2014 schwere Fehler des Unternehmens: „Die Verschuldung ist doppelt so hoch wie vor drei Jahren. Zudem ist der gute Cashflow, für den Lanxess lange Jahre stand, verschwunden.“ Man müsse den Cashflow jetzt unter der Lupe suchen, befand Zachert.

Aus Sicht der Aktionäre dürfte ist die bei 50 Euro-Cent pro Aktie verharrende Dividende erwähnenswert. Eine Erhöhung trotz wieder besserer Zahlen ist bislang nicht absehbar. Immerhin: Seit dem Jahrestief in Januar 2015 hat die Lanxess-Aktie bis Anfang Mai 2015 rund 40 Prozent an Wert zugelegt.