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Ach, Achleitner ...

Deutsche Bank: Die Kritik am Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner wächst. Eine Aktionärsgruppe hat gar die Abberufung Achleitners beantragt. Wie sollen die Aktionäre auf der Hauptversammlung die Spitzenpersonalie entscheiden?

Ist Paul Achleitner noch der richtige Mann an der Spitze des Aufsichtsrats der Deutschen Bank? Keine Frage bewegt Aktionäre, Märkte und Medien mehr, wenn es um die Deutsche Bank geht.

Zumindest die Antwort der Börse scheint ziemlich eindeutig: Als Achleitner Ende März 2012 den Posten des Oberaufsehers bei dem Geldhaus übernahm, notierte die Aktie bei fast 31 Euro. Etwas mehr als sechs Jahre und etliche Kapitalerhöhungen über mehr als 20 Milliarden Euro später ist der Aktienkurs auf rund 11,50 Euro geschrumpft.

Banking ist nach der Finanzkrise halt schwieriger geworden, mögen Achleitner-Verteidiger argumentieren. Mag ja sein, aber auffällig ist auch, dass sich fast alle Wettbewerber deutlich besser in der neuen Finanzwelt zurechtfinden. Das US-Bankhaus JP Morgen etwa erwirtschaftet in einem Jahr fast so viel Gewinn, wie die Deutsche Bank insgesamt noch wert ist. Selbst der italienische Patient Unicredit performt inzwischen besser als die Teutonen: Sein Aktienkurs ist in den vergangenen zwei Jahren von knapp 13 Euro auf fast 18 Euro geklettert.

Für die Wirtschaftsmedien scheint Achleitner ebenfalls eher Teil des Problems als der Lösung zu sein. „Das wichtigste Geldhaus des Landes kommt unter ihm weder personell noch strategisch zur Ruhe, der ungebremste Niedergang trägt vor allem eine Handschrift: die Achleitners.“, urteilt der „Spiegel“. Während die „WELT“ noch zurückhaltend fragt: „Ist Paul Achleitner noch der Richtige für den Job?“, befindet tagesschau.de eindeutig: „Das eigentliche Problem heißt Achleitner.“ Die für gewöhnlich zurückhaltende „FAZ“ sieht in dem amtierenden Chefkontrolleur den entscheidenden Grund für die Misere: „...dass die Bank auch zehn Jahre nach Ausbruch der großen Finanzkrise kein funktionierendes Geschäftsmodell gefunden hat, muss auch Achleitner auf sein Konto nehmen.“ Und die der Financial Community eher freundliche gesonnene „Börsenzeitung“ empfiehlt Achleitner den Rücktritt: Es sei „Zeit zu gehen“.

Sollen also die Aktionäre für eine Abwahl Achleitners aus dem Gremium votieren, wie die Aktionärin Riebeck-Brauerei es in ihrem Antrag fordert? Manches, vielleicht ja auch vieles mag dafür sprechen. Aber Paul Achleitner wäre nicht Paul Achleitner, wenn er den Aktionären diese Entscheidung nicht schwer machen würde. In etlichen Gesprächen mit Investoren und vor allem mit Stimmrechtsberatern, nach deren Empfehlungen sich viele Fonds richten, hat er im Vorfeld der Hauptversammlung Engagement in eigener Sache gezeigt.

Beim Stimmrechtsberater Glass Lewis haben Achleitners Argumente nur zum Teil überzeugt. Glass Lewis empfiehlt den Aktionären, den Aufsichtsrat – und damit auch Paul Achleitner – nicht zu entlasten. „Wir glauben, dass die meisten Aktionäre das Scheitern des Unternehmens, eine kohärente und effektive Strategie zu entwickeln, zumindest teilweise dem Aufsichtsrat anlasten, heißt es in der Analyse von Glass Lewis, aus der das „Handelsblatt“ zitiert. Ivox, eine deutsche Tochtergesellschaft von Glass Lewis wird noch deutlicher. Achleitner habe möglicherweise nicht im besten Interesse der Investoren gehandelt, als die Bank im April überraschend ihren CEO John Cryan gegen Christian Sewing ausgetauscht hat, begründet Ivox die Empfehlung, dem Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Zu einer Empfehlung, Achleitner abzuwählen, wie es die Riebeck-Brauerei fordert, mag sich aber weder Gleiss Lewis noch Ivox durchringen. Die Begründung wird in der zusätzlichen Forderung deutlich, dass es im besten Interesse der Aktionäre sei, mit der Suche nach einem Nachfolger für den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden zu beginnen.

Noch besser verfing Achleitners Überredungskunst offenbar beim amerikanischen Stimmrechtsberater ISS. Der überrascht mit der Empfehlung, Achleitner, alle übrigen Aufsichtsräte und auch den Vorstand zu entlasten. Wenn Aktionäre glaubten, dass Paul Achleitner nicht länger der richtige Aufsichtsratsvorsitzende für die Deutsche Bank sei, so zitiert das „Handelsblatt“ aus der ISS-Bewertung, „müsse auch eine konkrete und klare alternative Person für die Aufgabe präsentiert werden.“ Achleitner jetzt abzuwählen, zu entfernen, könne die Bank in eine prekäre Lage führen. Das könne ein potenziell gefährliches Führungsvakuum auslösen. Und das wiederum könne verheerendere Auswirkung für die Bank haben, als dem bisherigen Aufsichtsratschef Achleitner noch eine letzte Chance zu geben.“

Mit anderen Worten: Paul Achleitner ist als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank alternativlos? Die durch die Stimmrechtsberater eingeleitete Wende hat Achleitner letztlich wohl dem Antrag der Riebeck-Brauerei zu verdanken. Der Antrag, hinter dem jedenfalls auf den ersten Blick der streitbare Aktionär Karl Walter Freitag zu stecken scheint, spielte Achleitner letztlich in die Karten. Wer wollte von den seriösen Fonds schon offen für einen doch obskur wirkenden Antrag eines kontroversen Kleinaktionärs stimmen. So gesehen bewirkt der Antrag aus Achleitners Sicht eine willkommene Zwangssolidarisierung a la „Ihr wollt doch nicht etwa für den Antrag von so jemanden stimmen“. Vor allem gab er ihm die Möglichkeit, sich selbst als alternativlos zu positionieren, zumindest bis auf weiteres.

Die nötigen Vorarbeiten für den weiteren Machterhalt hat Achleitner selbst geleistet. Bei der HV sollen die Aktionäre das angelsächsische Gewicht im Kontrollgremium auf sein Betreiben kräftig erhöhen, sechs von zehn Aufsichtsräte auf der Anteilseigner-Seite haben dann einen US-Pass. Für reichlich Kopfschütteln sorgt dabei vor allem die Nominierung von John Thain, der bei der US-Bank Merrill Lynch für Misswirtschaft, Verschwendung und Selbstbedienungsmentalität steht, der aber als enger Buddy Achleitners gilt.

„Fehlt auf der Tagesordnung nur noch der Vorschlag, 'Deutsche' aus der Firmierung zu streichen und den Sitz nach New York zu verlegen“, kommentiert „Börsenzeitung“-Chefredakteur Claus Döring Achleitners Aktion zynisch. Aber durchaus treffend.

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