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Vonovia startet neues Übernahme-Manöver

In der ersten Runde ist Vonovia-Finanzchef Stefan Kirsten mit der angestrebten Übernahme der Deutsche Wohnen gescheitert. Jetzt greift er in die Trickkiste – und muss vielleicht draufzahlen.

Es hat nicht direkt geklappt. Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia hat bisher nicht die erforderliche Anzahl von Aktien des Konkurrenten Deutsche Wohnen zum Kauf angeboten bekommen, um die Nummer 2 der Branche in der ursprünglich gesetzten Frist übernehmen zu können.

© Deutsche Wohnen

Dennoch gibt sich Vonovia-Finanzvorstand Stefan Kirsten nicht geschlagen. Der Immobilienkonzern aus Bochum hat die Übernahmefrist um zwei Wochen verlängert, zugleich aber auch die Annahmequote gesenkt, ab der sich Vonovia erst einmal mit dem Deal zufrieden geben wird.

Nunmehr reichen Kirsten 50 Prozent der Vonovia-Titel plus eine Aktie auf vollverwässerter Basis, um die Übernahme nicht abblasen zu müssen. Damit fordert er heftige Reaktionen des Deutsche-Wohnen-Managements heraus.

„Die Absenkung der Schwelle zeigt lediglich, dass die Vonovia erkannt hat, dass eine deutliche Mehrheit der Deutsche-Wohnen-Aktionäre das feindliche Angebot ablehnt“, teilte das MDax-Unternehmen mit.

Entgegen wiederholter Versicherungen habe Vonovia die Annahmequote für die Offerte gesenkt, sagte Lars Wittan, der Chief Investment Officer der Deutsche Wohnen, am 26. Januar 2015. „Dieses Angebot ist und bleibt wertzerstörend für die Aktionäre der Deutsche Wohnen.“


Tatsächlich hatte Vonovia-Finanzvorstand Stefan Kirsten zunächst als Voraussetzung für den Deal die Parole ausgegeben, dass die Bochumer 57 Prozent der Deutsche-Wohnen-Aktien erhalten müssten. Denn so hätte Kirsten die Mehrheit an der Nummer 2 der hiesigen Immobilienunternehmen selbst dann erhalten, wenn ihm die Besitzer zweier Wandelanleihen der Deutsche Wohnen in die Quere gekommen wären.

Dank einer so genannten Change-of-Control-Klausel könnten die Investoren fordern, ausbezahlt zu werden. Aber selbst dann hätte Vonovia die Mehrheit der Deutsche-Wohnen-Aktien sicher gehabt. So sieht es jetzt aber nicht aus. Kirsten gibt sich bis zum Ende der nun verlängerten Umtauschfrist bis zum 9. Februar 2016 mit 50 Prozent der Deutsche-Wohnen-Anteile plus einer Aktie zufrieden, ohne auf die Besitzer der Wandelanleihen einzugehen.

© Deutsche Börse

Hinter vorgehaltener Hand gehen die Vonovia-Manager ohnehin davon aus, dass diese Investoren nachziehen werden, sollte die Übernahme im zweiten Anlauf klappen.

Entsprechend dann auch die Einordnung des Manövers: „Die Lücke ist rein technisch, das hat nichts mit mangelndem Rückhalt zu tun“, sagte Vonovia-Finanzchef Kirsten in einer Telefonkonferenz. Vonovia habe mit dem Schritt „die Transaktionssicherheit und die Erfolgsaussichten erhöht“, sagte Kirsten.

Ganz ohne ist das Manöver dennoch nicht. Das Management der Deutsche Wohnen hat sich mit allen Kräften gegen die feindliche Übernahme durch Vonovia gewehrt, bis jetzt gibt es offenbar keine Einigung zwischen den Kontrahenten.

Sollte nun der neue Kirsten-Plan gelingen, müsste der Bochumer Branchenprimus vorerst weiterhin mit einem Management auf Konfrontationskurs bei der Deutsche Wohnen ringen – und nicht ab sofort dort durchregieren können.

Zudem könnte die Übernahme, so sie in der zweiten Runde gelingen wird, auch teurer für Vonovia werden. Schließlich könnten Kirstens Banken gezwungen sein, die möglicherweise fehlenden Anteile Stück für Stück an der Börse nachzukaufen. Oder Vonovia gelingt es nun doch noch, weitere Investoren von dem Vorhaben zu überzeugen. Auch mit dem Hinweis, dass nach Vonovia-Meinung jetzt dessen „Erfolgsaussichten erhöht“ sind.

Zumindest das Bundeskartellamt hat die angestrebte Übernahme der Deutsche Wohnen durch den Marktführer Vonovia schon genehmigt. Auch die Vonovia-Aktionäre haben bereits eine Kapitalerhöhung abgesegnet, mit der die 14-Milliarden-Akquisition zum Teil bezahlt werden soll.

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