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Vonovia-Anleger vor neuem Übernahmeversuch

Im Frühjahr 2016 sahen Vonovia-Aktionäre ihren Konzern mit der Übernahme der Deutschen Wohnen scheitern, im Herbst 2016 kommt auf sie der nächste Zukaufversuch zu. Vonovia will Österreichs Conwert übernehmen.

Die Anteilseigner des größten hiesigen Immobilienkonzerns werden zu Übernahmeprofis. Erneut versucht ihr Management im Jahr 2016, einen Konkurrenten zu kaufen. Dieses Mal ist Österreichs Conwert in den Fokus der Vonovia-Manager um Konzernchef Rolf Buch geraten.

Am 5. September 2016 hat Vonovia den Aktionären der österreichischen Conwert Immobilien Invest SE ein Angebot zum Erwerb sämtlicher Conwert-Aktien unterbreitet, berichtete Vonovia selbst; Conwert hat in Deutschland Immobilienbestände beispielsweise in Dresden und Leipzig, insgesamt sind es hierzulande 24.500 Wohnimmobilien. Das ist deutlich weniger als die 340.000 Wohnimmobilien, die Vonovia in Deutschland besitzt.

© Anja Upmeier / Stadt Dresden

„Die geplante Übernahme von Conwert bietet für Vonovia eine sehr gute Gelegenheit, das eigene Portfolio in sich dynamisch entwickelnden Regionen und Metropolen zu erweitern. Wir bieten deshalb den Conwert-Aktionären ein attraktives Angebot“, sagte Vonovia-Chef Buch.

Ob die Conwert-Anteilseigner das genauso sehen werden, bleibt abzuwarten. Denn allzu üppig könnte das Kaufangebot auf sie vielleicht gar nicht wirken, will Vonovia doch möglichst wenig Bargeld fließen lassen. Conwert-Aktionäre sollen vielmehr 74 Vonovia-Aktien je 149 Conwert-Anteilsscheine erhalten. Alternativ plant Vonovia allerdings den Conwert-Aktionären eine in Österreich verpflichtende Barzahlung in Höhe von 16,16 Euro je Aktie anzubieten.

Nach Angaben von Vonovia bedeutet das umgerechnet auf den letzten Vonovia-Schlusskurs einen Gegenwert von 17,58 € je Conwert-Aktie, das wären 23,8 Prozent Aufschlag auf den volumengewichteten durchschnittlichen Conwert-Börsenkurs der vergangenen sechs Monate bis zum 5. September 2016. Der geplante Zukauf würde somit rund 2,9 Milliarden Euro kosten.


Das Vonovia-Management hat mit dieser Offerte offenbar seine Übernahmeniederlage aus dem Februar 2016 abgeschüttelt. Damals scheiterte die Truppe um Rolf Buch mit dem Versuch, die Deutsche Wohnen notfalls feindlich zu übernehmen. Grund für den jetzigen Optimismus könnte die deutlich bessere Ausgangslage sein.

Zum einen hat der Verwaltungsrat der österreichischen Conwert das Kaufangebot des Bochumer Unternehmens mit Sitz in Düsseldorf offenbar bereits akzeptiert.

© Stadt Leipzig

„Das Angebot von Vonovia unterstreicht die erfolgreiche Entwicklung von Conwert im vergangenen Jahr. Vorbehaltlich der abschließenden übernahmerechtlichen Prüfung planen wir, unseren Aktionären die Annahme des Angebots zu empfehlen“, sagte Alexander Proschofsky, Vorsitzender des Verwaltungsrats von Conwert in Wien.

Zum anderen hat sich Vonovia bereits mehr als die Hälfte der nötigen Conwert-Aktien gesichert. Die Übernahme soll wirksam werden, wenn Vonovia 50 Prozent der Conwert-Titel auch tatsächlich zum Kauf angeboten werden – 26 Prozent hat Vonovia schon jetzt sicher. Die Titel stammen aus dem Besitz der Adler Real Estate AG, die Vonovia die eigenen Conwert–Papiere im Tausch für Vonovia-Aktien andienen will, hat Vonovia berichtet.

Vonovia ließ seinen Aktionären mitteilen, dass der Konzern durch diesen Zusammenschluss in Leipzig, Berlin, Potsdam und Dresden zulegen werde, und überdies „das rein bundesdeutsche Portfolio um die sehr attraktive deutschsprachige Metropole Wien ergänze“.


Die Vonovia-Aktionäre sehen den neuerlichen Übernahmeversuch ihres Managements im Jahr 2016 vorerst recht gelassen. Der Kurs der Vonovia-Aktie gibt am Morgen der Bekanntgabe des Übernahmeangebots für die österreichische Conwert zwar erkennbar nach, und das auch gegen den zeitgleichen Aufwärtstrend des Börsenbaromters Dax, in dem die Vonovia-Titel gelistet sind. Das Minus signalisiert aber keine Panik.

Bis 10.45 Uhr am 5. September 2016 sinkt die Notierung um 0,85 Prozent auf 35,10 Euro. Damit bleibt auf Einjahressicht noch immer ein Kursplus für Vonovia-Aktionäre von 22,17 Prozent übrig. Und auf Dreijahressicht sind es sogar 99,57 Prozent.

Vonovia ist seit 2013 börsennotiert, seit September 2015 im Dax gelistet. Zudem werden die Titel der Vonovia SE in den internationalen Indizes Stoxx Europe 600, MSCI Germany, GPR 250 sowie Epra/Nareit Europe geführt.

Nach der Übernahme will Vonovia den Conwert-Verwaltungsrat neu besetzen. Sämtliche Verwaltungsratsmitglieder von Conwert hätten erklärt, ihr Amt bei erfolgreicher Übernahme zur Verfügung zu stellen.

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