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United Internet trotz hoher Abschreibung auf Kurs

United Internet, einer der größten Internetprovider Europas, ist mit seinen Marken 1&1, Web.de und Co. Solide gewachsen. Doch eine Abschreibung auf die Startup-Schmiede Rocket Internet belastet die Bilanz.

„Mit den erreichten Zahlen bei Kundenverträgen, Umsatz und Ergebnis liegen wir gut auf Kurs“, sagte Ralph Dommermuth, CEO von United Internet, angesichts des Quartalsergebnisses seines Konzern am Dienstag, 17. Mai 2016. Die Anleger sahen das nach Verkündung der Zahlen ähnlich.

Und das, obwohl der im TecDax gelistete Internet-Provider soeben eine Abschreibung auf seine Beteiligung an der Startup-Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet vermeldet hatte. Im August 2014 hatte sich United Internet unter Federführung Dommermuths für damals 435 Millionen Euro 10,7 Prozent der Anteile am Startup-Inkubator gesichert – noch bevor Rocket Internet an der Börse gelistet war. Seit dem Rocket-Börsengang hat die Startup-Schmiede allerdings deutlich an Marktwert eingebüßt. So lag dieser zum Zeitpunkt der Beteiligung durch United Internet noch bei rund 4,3 Milliarden Euro. Inzwischen bewerten Aktionäre den Samwer-Konzern und seine Beteiligungen wie DeliveryHero, HelloFresh oder Home24 nur noch mit 3,3 Milliarden.

Die nötige Wertminderung hatte United Internet allerdings bereits im Nachtragsbericht des Jahresabschlusses 2015 angekündigt. Weshalb Aktionäre auf die nicht-barwirksame Wertminderung um 156,7 Millionen Euro auf die Beteiligung nicht mit Verkäufen reagierten. Im Gegenteil: United Internet gehörte am späten Morgen des 17. Mai mit rund 3,4 Prozent Kursplus zu den Tagessiegern im TecDax. Der Gesamtkonzern wird somit an der Börse mit derzeit rund 8,85 Milliarden Euro bewertet.

Ein Grund: Die Wertminderung hat dem Konzern zufolge keine Auswirkungen auf die Dividendenpolitik sowie die Prognosen 2016 von United Internet, da sich diese an den operativen Ergebniskennzahlen orientiere. Und die fielen besser aus als im vergangenen Jahr.

So steigerte der Konzern im Vergleich zum Vorjahr die Zahl kostenpflichtiger Kundenverträge, beispielsweise für Internetzugänge (1&1) oder E-Mail-Konten (Web.de, GMX), um 270.000 auf 16,24 Millionen. Der Konzernumsatz stieg entsprechend um 7 Prozent auf 968,6 Millionen Euro, nach 905,1 Millionen Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 16,8 Prozent auf 202,7 Mio. Euro zu, nach 173,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

„Vor diesem Hintergrund bestätigen wir unsere Prognosen für das Gesamtjahr 2016“, sagte Konzernchef Dommermuth laut Pressemeldung. Die Konzernführung erwarte unverändert, dass der Umsatz auf rund vier Milliarden Euro anwachse. Für das Ebitda werde weiterhin ein Anstieg auf rund 850 Millionen Euro prognostiziert. Die Zahl unserer kostenpflichtiger Kundenverträge solle Dommermuth zufolge um rund 800.000 zulegen.