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Thyssenkrupp lotet Zusammenarbeit mit Tata aus

Deutschlands größter Stahlkonzern hält nach Partnern für sein Stahlgeschäft Ausschau. Jetzt hat Thyssenkrupp Gespräche mit dem indischen Konzern Tata bestätigt. Und sofort Widerstand bei Mitarbeitervertretern ausgelöst.

Die Stahlbranche weltweit ächzt unter Überkapazitäten, Preiskriegen und entsprechend niedrigen Margen. Jetzt hat der indische Stahlriese Tata bestätigt, zur Lösung der Probleme auch die Zusammenarbeit mit Konkurrenten zu suchen – darunter auch mit Deutschlands führendem Stahlkonzern.

© ThyssenKrupp AG

„Tata hat nun Gespräche mit strategischen Spielern der Stahlindustrie aufgenommen, inklusive Thyssenkrupp“, teilte der indische Konzern dann auch am 10. Juli 2016 mit. Noch allerdings befänden sich die Gespräche in einer sehr frühen Phase.

Auch Thyssenkrupp hat mitgeteilt, mit Tata gemeinsame Projekte auszuloten. „Wir haben immer gesagt, dass in einer solchen Situation jeder mit jedem spricht. Unter anderem sprechen wir auch mit Tata Steel“, sagte eine Thyssenkrupp-Sprecherin nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters am 10. Juli 2016.

Sollte es tatsächlich zu einer Fusion der europäischen Stahlgeschäfte der beiden Firmen kommen, würde die Nummer zwei der europäischen Stahlbranche hinter Marktführer ArcelorMittal entstehen. Und zwar unabhängig davon, ob zu dieser neuen, möglichen europäischen Branchengröße aus Tata und Thyssenkrupp künftig auch die britischen Tata-Werke zählen werden, beispielsweise das Tata-Werk in Port Talbot in Wales.

Nach Angaben der Nachrichtenagenturen ist das seit dem Austrittsvotum der Briten aus der Europäischen Union unsicherer geworden. „Die Entscheidung für einen Brexit wird unsere Stahlindustrie erschüttern“, hatte Gareth Stace vom britischen Branchenverband UK Steel bereits vor dem Referendum prognostiziert.

Auf Gegenliebe stößt die mögliche Fusion zwischen Tata und Thyssenkrupp allerdings nicht bei den Thyssenkrupp-Mitarbeitervertretern. „Ich sehe keinen plausiblen Grund für eine Fusion mit Tata Steel“, sagte Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath am 11. Juli 2016 der Nachrichtenagentur Reuters.

Thyssenkrupp Steel Europe gehöre zu den besten Stahlkonzernen in Europa. „Ich sehe nicht ein, warum hier Anlagen und Standorte geschlossen werden sollten. Das würde zu Widerstand führen.“

© ThyssenKrupp AG

Einig sind sich Thyssenkrupp und der Konzernbetriebsrat damit immerhin in der Bewertung des eigenen Unternehmens. „Nur wenige Stahlkocher in Europa sind aktuell profitabel. Unser Stahlgeschäft gehört zu diesen wenigen Unternehmen“, sagte die Thyssenkrupp-Sprecherin nach Medienangaben am 10. Juli 2016.

Thyssenkrupp-Aktionäre scheinen den Verhandlungen grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber zu stehen: Am ersten Handelstag nach Bekanntgabe der Gespräche mit Tata stieg der Thyssenkrupp-Aktienkurz jedenfalls deutlich. Bis zum Mittag dieses Handelstags am 11. Juli 2016 legte der Preis für die Anteilsscheine um 6,1 Prozent auf 19,21 Euro zu.

Zeitgleich gewann der deutsche Aktienleitindex Dax, in dem auch die Papiere von Thyssenkrupp gelistet werden, 1,4 Prozent hinzu – und damit erkennbar weniger viel, als die Thyssenkrupp-Aktien.

Weniger angenehm ist für Thyssenkrupp-Aktionäre allerdings der Blick auf den Kursverlauf ihres Investments in den vergangenen zwölf Monaten: Auf Einjahressicht steht die Notierung 18,6 Prozent niedriger, dafür in der Dreijahresperiode um 25,39 Prozent höher.

Seinerzeit war Thyssenkrupp nicht zuletzt aufgrund großer wirtschaftlicher Probleme mit Stahlwerken in Amerika in eine tiefe Unternehmenskrise gerutscht. Der Aktienkurs des Unternehmens entwickelte sich damals entsprechend schlecht.

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