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ThyssenKrupp: Strapazierte Aktionäre

Der Aktienkurs fährt Achterbahn, Dauerstress zwischen Großaktionär Cevian und dem Vorstand – Thyssen-Krupp braucht dringend einen Neuanfang.

Wenn mal ein Preis für das Unternehmen verliehen wird, das seine Aktionäre am besten in Wechselbäder der Gefühle stürzt – Thyssen-Krupp darf sich große Hoffnungen auf die Trophäe machen. In den vergangenen zwölf Monaten jedenfalls erlebten die Eigentümer Volatilität pur: Im vergangenen Jahres kletterte die Aktie von gut 21 Euro im Frühjahr auf fast 27 Euro im Spätsommer. Dann stürzte sie auf knapp 22 Euro im November ab, kletterte anschließend auf gut 26 Euro Ende Januar 2018 und rauschte dann wieder runter auf knapp 21 Euro im März.

Seit Anfang April steigt die Aktie von ThyssenKrupp mal wieder. Aber wie lange steigt sie noch, wie hoch? Und vor allem: Wann fällt sie dann wieder?

Heinrich Hiesinger, der Vorstandschef des Ruhrkonzerns gehört ohne Zweifel zu den Topmanagern, die die Geduld ihre Aktionäre nachhaltig und zunehmend strapazieren. Bei der Hauptversammlung im Januar präsentierte er das neue Outfit des Unternehmens: Das Logo strahlt jetzt in jungen, frischen Farben. Thyssen-Bogen und Krupp-Ringe sind vereint, das “T” schreibt man klein. Das Logo wirkt locker, filigran und kompakt. Ähnlich wogl die Selbsteinschätzung des Managaments: neu und modern will ThyssenKrupp wirken.

“ThyssenKrupp braucht einen Befreiungsschlag”

Bei den meisten Aktionären verfing die Kampagne offenbar. Nur bei einem nicht: den schwedischen Finanzinvestor Cevian Capital. Der zweitgrößten Aktionär, mit 15,08 Prozent am Unternehmen beteiligt, macht seit seinem Einstieg vor xy Jahren Dampf und Hiesinger Druck, bisher allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Die Renditen seien zu bescheiden, die Margenziele erst Recht, moniert Cevian. Der Konzern insgesamt sei viel zu komplex, lautet die Kritik verdichtet. “ThyssenKrupp braucht einen Befreiungsschkag”, forderte Cevian-Chef Lars Förberg öffentlich.

Die Tyrannei des Status Quo

Konzernchef Hiesinger kontert mit Rhetorik aus dem Wörterbuch der deutschen Bundeskanzlerin: Seine Strategie des integrierten Industriekonzerns sei alternativlos. Er zeigt sich von der Kritik seines zweitgrößten Investors überrascht. “Das bereinigte EBIT liegt nicht nur über unserer Prognose, sondern wir haben auch den Rückgang aus dem Vorjahr aufgeholt.”erklärte er. Die Ziele habe Thyssenkrupp, neuerdings ja thyssenkrupp, mit einer Ausnahme im Geschäftsjahr 2015/16 doch immer erreicht und sogar übertroffen.

Das mag ja sein. Aber immer noch leidet der Konzern an einer Tyrannei des Status-Quo-ante: Das Unternehmen ist ein Koloss. Die neu verordnete Flexibilität endet bei der Besetzung des vierköpfigen AG-Vorstands, bei den Business Areas beginnt das Chaos. Diese Einheiten bestehen aus Components Technology, Elevator Technology, Industrial Solutions, Material Services und Steel. Früher war da noch Steel Americas - bevor es an Ternium verkauft wurde. Die Business Areas haben ihre eigenen Vorstände. Sie sind erneut unterteilt in sogenannte Business Units und Operating Units, die wiederum mit verschiedenen Spezialisierungen operieren.

Doch die interne Kommunikation scheint ausgesprochen schwer zu fallen, oder präziser: Wie bei einer Behörde.

Alternativlos ist Hiesingers Strategie allerdings mit Sicherheit nicht. Und wichtiger noch: Nicht nur Cevian, der Kapitalmarkt insgesamt bezweifelt ganz offensichtlich, dass Hiesingers Konzept einer inzwischen schon jahrelangen Restrukturierung und Neuausrichtung des Konzerns in absehbarer Zeit zu einer nachhaltigen Wertsteigerung führt. Sonst hätte die Börse anders reagiert.

Macht der Mai alles neu?

Zudem wird die Geduld der Aktionäre immer wieder von neuen Negativmeldungen strapaziert. So fällt die Entscheidung über die Fusion der Stahlsparte nicht wie ursprünglichg geplant Anfang Mai, sondern erst im Juni.

Was also muss bei ThyssenKrupp passieren? Ein “Weiter so” von Hiesinger scheint kaum sinnvoll. Eine Radikalkur, wie Cevian es offenbar will, nicht umsetzbar. Corporate-Governance-Experte Christian Strenger diagnostiziert: „Thyssen-Krupp ist ein besonderes Unternehmen“ und „Cevian ist gut beraten, mal zu überlegen, ob das Thema schnelle Veränderung nicht auch anders angegangen werden kann.“

Wohl war. Eine gute Gelegenheit für einen echten Neustart bietet sich Anfang Mai. Dann will der Vorstand die Ergebnisse seiner Strategie-Überprüfung präsentieren. Die Aktionäre dürfen gespannt sein.

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