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T-Mobile USA wächst womöglich für den Aufkauf

1,3 Millionen Kunden mehr in wenigen Monaten, Umsatzsprünge und maulende Konkurrenten: T-Mobile USA scheint auf dem Weg an die Spitze zu sein. Hier steht, was für Aktionäre dazwischenkommen wird.

T-Mobile, der kleinste der vier führenden Mobilnetzbetreiber in den USA hinter Verizon, AT&T und Sprint, mischt derzeit die Branche auf. Im ersten Quartal gewann das Unternehmen satte 1,3 Millionen Kunden dazu. Das waren mehr, als die gesamte Konkurrenz anlocken konnte. T-Mobile-USA-Chef John Legere klopft sich auf die Brust. Seine Rechnung geht im ersten Schritt auf.

Legere will Marktanteile und investiert in neue Kunden, um die Erlöse und Gewinne zu steigern. Denn Telekom ist ein Mengengeschäft. Doch Kritiker fragen sich, ob dieses Geschäftsmodell dauerhaft tragfähig ist. Schließlich müssen die neuen Kunden auch gehalten werden, erst dann dürfen sie als Erfolg verbucht werden.

Mehr noch: Wenn T-Mobile in diesem knallharten und schwer umkämpften US-Markt, der eine ziemliche Sättigung erreicht hat, noch wachsen will, braucht es viel mehr Größe. Auch hier zeichnet sich für T-Mobile, die zu 67 Prozent der Deutschen Telekom gehört, ein wichtiger Schritt ab.

Es wird erwartet, dass die Nummer drei am Markt, Sprint, das sich im Besitz von Japans Softbank befindet, in Kürze ein Übernahmeangebot für T-Mobile abgeben wird.

Insider sagen, Softbank-Chef Masayoshi Son dürfte im Juni oder Juli offiziell ein formales Angebot für T-Mobile USA präsentieren. Was dann passiert ist nicht ganz sicher. Denn die US-Regulierer sperren sich gegen eine Konsolidierung in der Mobil-Branche, weil sie eine Gefahr für den Wettbewerb sehen. Und auch im Geschäft der Telekom USA selbst gibt es ein Problem.


T-Mobile USA hat sich die rasanten Zuwächse bei den Kundenzahlen teuer erkauft. Beispielsweise verlangt das Unternehmen von seinen Kunden keine Serviceverträge mehr.

Zudem bietet es Tablet-Nutzern schon nach nur wenigen Monaten neue Geräte im Tauch gegen die eigentlich gar nicht alten an, und das auf teils eigene Kosten; in der Branche ist es in den USA bisher üblich, den eigenen Kunden nur etwa alle zwei Jahre subventionierte Neugeräte zu offerieren.

Doch die Telekom geht noch weiter: Seit Jahresbeginn bietet T-Mobile USA seinen Neukunden, die für den Wechsel bei der Konkurrenz aus laufenden Verträgen aussteigen, die Gebühr für die Kündigung zu erstatten

All das zusammen geht verglichen mit den Wettbewerbern ins Geld. Das Resultat: Viel Menge, wenig Marge. T-Mobile zählt jetzt 49,1 Millionen Kunden. Das sind 44 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Umsatz stieg im selben Zeitraum sogar um 47 Prozent.

Doch wegen der aggressiven Preispolitik wurde in den drei Monaten bis Ende Januar ein Verlust von 151 Millionen Dollar eingefahren. Die Gewinnmarge krachte von 29 auf 20 Prozent nach unten.

Ein Jahr zuvor hatte T-Mobile statt eines Verlustes noch einen Gewinn von 107 Millionen erwirtschaftet.

John Legere verteidigt seine Strategie dennoch gegen Kritik. Verluste einfahren jetzt, für mehr Marktanteile die später zusätzlichen Umsatz und Gewinn bringen - das ist seine Devise. Mit den Worten Legeres ausgedrückt: Vorübergehende Schleifspuren in der Gewinnbilanz für mehr Erträge in der Zukunft, „das ist es wert".

Analysten geben ihm Recht. Zum Beispiel der in der Branche angesehene Walter Piecyk beim Research-Unternehmen BTIG: „Im Telekomgewerbe wollen Sie so viel Umsatz wie möglich, für die fixen Kosten, die Sie haben, damit das Geschäft langfristig wachsen kann“, erklärt er.


Trotz des Aufholerfolgs von T-Mobile USA bleibt die Konkurrenz nach außen hin gelassen. Sie hoffen, dass T-Mobile die abgeworbenen Kunden nicht alle halten kann: „Sie können Loyalität nicht kaufen, die Leute werden irgendwann zu uns zurückkommen“, sagt beispielsweise Verizon-CEO Lowell McAdam.

Für den Analysten Piecyk ist dagegen etwas anderes entscheidend: „T-Mobile verzeichnet zum ersten Mal in zwei Jahren wieder Umsatzwachstum.

Doch einen weiteren Sprung kann T-Mobile erst mit einer Sprint-Fusion schaffen, sagt auch Piecyk. „Die Kombination aus beiden Unternehmen würde eine ausreichende Größe schaffen, um besser im Wettbewerb zu bestehen.“ Die Begründung: Mit der geballten Feuerkraft nach einer Fusion könnten noch aggressivere Preisangebote gemacht und ein schnelleres Netz angeboten werden.

„Die Konkurrenz geschieht nicht nur über den Preis“, erklärt Piecyk, „vieles geht über ein besseres Netzwerk." Doch hier steht T-Mobile – mit oder ohne Sprint – vor der nächsten Herausforderung.

Im kommenden Jahr steht eine große Auktion von Funkfrequenzen an, die vielleicht größte seit 2008, als 19 Milliarden Dollar für das erweiterte Spektrum hingeblättert wurden. T-Mobile und Sprint haben eine Lobby-Kampagne im Kongress und bei den Regulierern begonnen. Sie wollen nicht, dass die beiden Platzhirsche Verizon und AT&T ihre Frequenz-Dominanz zementieren.

T-Mobile hat allein in den ersten drei Monaten des Jahres 2,1 Millionen Dollar für Lobbyarbeit aufgewendet. Denn es stehen für die beiden Fusionskandidaten Einsparungen von bis zu zwei Milliarden Dollar auf dem Spiel, wenn die Branchenführer davon abgehalten werden, sämtliche neuen Frequenzen einzustreichen.

John Legere macht sich keine Illusionen über die Herausforderung, vor der er steht. In der US-Mobilbranche sieht er „ein Konsolidierungsspiel“ im Gange. Die Zahlen geben ihm Recht. Der US-Mobilmarkt ist annähernd gesättigt. Wer wachsen will, muss das überwiegend auf Kosten der Wettbewerber erreichen.

Das ist der Grund, warum als Reaktion auf die forsche Kundenpolitik bei T-Mobile eine Rabattschlacht erwartet wird. Doch was gut ist für die Kunden, bedroht langfristig die Margen.

An der Börse sieht man das offenbar ähnlich. Die Aktien der vier führenden Wireless-Betreiber fallen im laufenden Jahr allesamt hinter den S&P 500-Index zurück.

„Die Telekomanbieter sehen aus als seien sie nur im Geschäft, um die Dividende zu verdienen“, erklärt der Fondsmanager Michael Mullaney beim Fiduciary Trust in Boston, „sie sind keine Wachstums-Story mehr.“

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