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Stada verliert Vorstandschef

In der Führungsriege des deutschen Arzneimittelkonzerns Stada geht das Stühlerücken weiter. Der abrupte Chefwechsel kam ungeplant.

Der im MDax notierte Arzneimittelhersteller Stada verliert seinen langjährigen Vorstandschef Hartmut Retzlaff. Der Veteran zieht sich aus „Gründen einer schweren, voraussichtlich länger andauernden Krankheit“ zurück, heißt es dazu in einer Mitteilung des Aufsichtsrats vom 5. Juni 2016. Retzlaff war 23 Jahre lang Vorstandsvorsitzender des Konzerns.

Bisheriges Führungstrio: (v. l.) Matthias Wiedenfels, Hartmut Retzlaff, Helmut Kraft© Stada Arzneimittel AG

In seiner außerordentlichen Sitzung hat der Aufsichtsrat nun beschlossen, Retzlaffs bisherige Tätigkeit zunächst von den Vorstandsmitgliedern Helmut Kraft und Matthias Wiedenfels übernehmen zu lassen.

Wiedenfels ist seit 2013 Mitglied des Vorstands für Unternehmensentwicklung & Zentrale Dienste. Er verantwortet künftig auch Strategie, Kommunikation und Produktion. Darüber hinaus übernimmt er bis auf weiteres das Amt des Vorsitzenden des Vorstands.

Helmut Kraft, der dem Vorstand seit 2010 angehört und für den Bereich Finanzen verantwortlich ist, wird künftig zusätzlich die Ressorts Marketing & Vertrieb, Einkauf/Supply Chain Management sowie Forschung & Entwicklung übernehmen.


Für Stada ist dies der zweite grundlegende Umbruch auf der Führungsebene innerhalb weniger Wochen. So hatte das Unternehmen erst Ende Mai beschlossen, seinen Aufsichtsrat schon 2016, also zwei Jahre früher als geplant, neu zu besetzen. Vor diesem Hintergrund hat der im MDax notierte Pharmakonzern seine diesjährige Hauptversammlung auf den 26. August 2016 verschoben. Ursprünglich hätte sie am 9. Juni 2016 stattfinden sollen.

© Stada Arzneimittel AG

Faktisch ist die Verschiebung der Hauptversammlung und die angekündigte Neubesetzung des Aufsichtsrats eine Reaktion auf eine am 9. Mai veröffentlichte Stellungnahme der Active Ownership Capital GmbH (AOC).

Bei der AOC handelt es sich um eine Beteiligungsgesellschaft, die eigenen Angaben zufolge im deutschsprachigen Raum und Skandinavien „signifikante„Anteile an mittelständischen und börsennotierten Unternehmen“ erwirbt, um anschließend „langfristig und konstruktiv“ auf „operative, strategische und strukturelle“ Verbesserungen bei diesen Beteiligungen einzuwirken.

AOC hält derzeit rund 5 Prozent Aktienanteil an Stada, ebenso wie die Beteiligungsgesellschaften BNY Mellon und die Deutsche Asset Management Investment GmbH, eine Tochter der Fondsgesellschaft DWS.

Aufgrund der Forderungen von AOC ging Stada im Mai in die Offensive: „Der Aufsichtsrat bildet mit sofortiger Wirkung einen Nominierungsausschuss, um bereits zur Hauptversammlung 2016 mindestens drei neue Aufsichtsräte vorschlagen zu können“, so die Stellungnahme des Unternehmens vom 22. Mai 2016. Personell werde das bestehende Nominierungskomitee erweitert und der Ausschuss durch externe Experten unterstützt.

Das Ergebnis dieser Suche will Stada nun zusammen mit der Einladung für die verschobene Hauptversammlung vorstellen. Mit dem Ausscheiden des langjährigen Stada-Chefs Retzlaff wird sich der Nominierungsausschuss nun wohl zusätzlich mit einer noch bedeutenderen Personalie befassen müssen.

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AOC stellt neue Forderungen an Stada
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Der Machtkampf zwischen der Führung des Pharmakonzerns Stada und den aktivistischen Investoren von AOC geht weiter. Während Stada noch Stellung zu Presseberichten nimmt, legt AOC mit neuen Forderungen nach.