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Sparen mit Dividenden statt Zinsen

Der Dax hat Mitte Juni 2015 korrigiert, entsprechend steigen rechnerisch die Dividendenrenditen. Aber nur Firmen mit solidem Cashflow, begrenzten Schulden und guten Perspektiven bestechen. BASF ist eine davon.

Das ist die neue Ära der Geldanlage: Dividenden haben die Rolle der Sparzinsen übernommen. Während die nämlich von der Europäischen Zentralbank quasi abgeschafft worden sind und Sparern deshalb praktisch keinen Wertzuwachs ihres Angelegten mehr liefern, klettern im Gegenzug die Erträge aus Aktienanlagen. Anleger wissen, dass im Jahr 2015 allein von den Dax-30-Unternehmen hierzulande 29,5 Milliarden Euro ausgeschüttet werden.

© Bankenverband

Quer durch den Dax, also im Schnitt aller Konzerne, deren Anteilsscheine in Deutschlands bedeutendstem Aktienindex gelistet sind, ergibt sich damit eine Dividendenrendite von 2,5 Prozent. Das ist drei bis vier Mal so viel wie das, was Staatsanleihen mit hohem Gütesiegel aktuell bieten, also zur Jahresmitte 2015.

Zu diesem Zeitpunkt fallen die Dividendenrenditen besonders ansehnlich aus, weil die Aktienkurse zuletzt gesunken sind, die Konzerne ihre Ausschüttungen an Aktionäre aber hoch gehalten haben. So hat etwa der Dax nach seinem Zwischenhoch mit fast 12.400 Zählern Anfang April 2015 binnen zwei Monaten 14 Prozent verloren, die Dividende gesenkt aber hat in diesem Zeitraum kein namhafter hiesiger Konzern.

Aufgrund dessen gab es am 15. Juni 2015 allein elf Unternehmen im Dax, die mit einer Dividendenrendite von mindestens 3 Prozent lockten, und drei der elf dividenden-trächtigen Dax-Werte boten sogar eine Rendite von 5 Prozent. Das sind die Münchener Rück, die Allianz und RWE.

Selig, wer da nicht in Versuchung gerät.


Natürlich, hohe Dividendenrenditen können auch ein Gefahrensignal für Anleger sein. Zum Beispiel, wenn das dividenden-starke Unternehmen zwar viel Geld an seine Anteilseigner ausschüttet, aber wenig investiert oder dessen Aktienkurs vor allem stark sinkt. Dafür sind etwa die Titel von RWE ein Beispiel.

Anleger des Essener Energieversorgers haben in den zwölf Monaten bis Mitte Juni 2015 einen Kursrutsch von mehr als 30 Prozent hinnehmen müssen – ein Spiegelbild der Krise, in die ihr Unternehmen in Folge des staatlich verordneten, abrupten Atomausstiegs und der Energiewende in Deutschland manövriert ist. Und auch die weiteren Aussichten der RWE bleiben zumindest vorerst durchwachsen.

© fotolia / Stephan Walochnik

Dass die aktuell hohe Dividendenrendite der RWE-Titel deshalb nicht durch die Bank für alle Dividenden affinenen Anleger als Kaufsignal zu werten ist, liegt auf der Hand.

Ähnlich die Entwicklung des zweiten großen Energieversorgers im Dax, der Düsseldorfer Eon. Auch die Anleger dieses Unternehmens mussten aus vergleichbaren Gründen bis Mitte 2015 hohe Kursverluste hinnehmen, von Ende April bis Mitte Juni verloren die Titel noch einmal knapp 15 Prozent an Wert. Der Konzern gewährte aber auch in der Zeit der Kursverluste weiterhin hohe Dividendenzahlungen. Das trieb die Dividendenrendite von Eon auf 3,5 Prozent im Juni 2015.

Ebenso warnen Beobachter derzeit Investoren, zu sorglos bei einem anderen Dividendenstar aus dem Dax zuzuschlagen, bei der Allianz. Europas größter Erstversicherer steht zwar anders als RWE oder Eon derzeit gut da. Doch ausgerechnet das niedrige Zinsumfeld, das Dividenden-Aktien jetzt so begehrt für deutsche Sparer macht, setzt auch der Allianz zu:

In der aktuellen Nullzins-Zeit scheinen die Chancen für den Geldinvestor Allianz schließlich begrenzt zu sein, den eigenen Gewinn auf absehbare Zeit noch deutlich steigern zu können – jedenfalls sofern es den Münchenern künftig nicht im ausreichend großen Stil gelingen wird, für ihre eigenen Investments eine geeignete, aber renditeträchtigere Alternative zu den mickrigen Zinspapieren zu finden.


Gleichwohl: Wer jetzt verlässliche Dividendenzahler mit einer Historie steigender Ausschüttungen und guten Wachstumsperspektiven auswählt, kann damit gut fahren. Der Cashflow muss ausreichend, die Verbindlichkeiten nicht hoch und die Bilanz stark sein - das ist der Maßstab, an dem sich Anleger nach Expertenmeinung bei ihrer Investmententscheidung orientieren sollten. Daran gemessen, könnten die Titel der BASF in den Fokus der Dividenden-Investoren rücken.

© istock / milllim

Das Unternehmen hat in diesem Jahrzehnt jedes Jahr die Dividende erhöht. Wer deshalb in den vergangenen Jahren die Ausschüttungen der BASF stets in neue BASF-Titel gesteckt hatte, konnte bis in das aktuelle Jahr 2015 umgerechnet eine jährliche Rendite von insgesamt 16,9 Prozent einstreichen.

Zwar mehrten sich im zweiten Quartal 2015 die Warnungen vor einer bevorstehenden Kurskorrektur des Ludwigshafener Unternehmens. Doch trotz der Analystenwarnungen lief das Geschäft des größten Chemieunternehmens der Welt über den Erwartungen: Im ersten Quartal 2015 ging der Gewinn nur leicht zurück, obwohl im Öl- und Gasgeschäft die Gewinne schrumpften und zusätzlich auch noch Rückstellungen für ein aktienbasiertes Vergütungsprogramm der Führungskräfte stark erhöht wurden.

Bei der BASF-Tochter Wintershall setzten der niedrigere Ölpreis sowie abgeschaltete Förderanlagen in Libyen den Gewinn unter Druck. Trotzdem wurde für 2014 das zweitbeste Ergebnis der Firmengeschichte berichtet. Wichtigster Grund: Niedrige Produktionskosten und Konzentration auf vielversprechende Explorationsprojekte. „Damit sind wir in der Lage, auch bei niedrigen Ölpreisen signifikante Beiträge zum Ergebnis der BASF-Gruppe zu leisten“, freute sich bei der Vorlage der Bilanzzahlen für 2014 Firmenchef Rainer Seele.

Zinsanlagen waren also gestern. Heute haben Dividendenjäger das Sagen, und die werden derzeit im Dax auch abseits der BASF bestens bedient.

© Siemens

Siemens beispielsweise hat für 2014 mit 2,7 Milliarden Euro die zweithöchste Ausschüttung nach der Allianz gemeldet; die Dividendenrendite der Siemens-Titel liegt Mitte Juni 2015 bei 3,5 Prozent. BMW kommt zeitgleich auf eine Dividendenrendite von 3 Prozent, hat zuletzt stetig die Ausschüttungen an seine Aktionäre angehoben und bietet Investoren wegen des guten Autoverkaufs in den Schwellenmärkten durchaus Wachstums- und Gewinnphantasie.

Auch Volkswagen hob in den vergangenen fünf Jahren die Dividende jedes Mal an, zuletzt sogar in einem Satz um 20 Prozent. Die aktuelle Dividendenrendite des größten Europäischen Autobauers: 2,1 Prozent.

Eine Sonderentwicklung können Investoren beobachten, die sich die Dividendenrendite der Titel von Fresenius Medical Care ausrechnen. Die liegt Mitte Juni 2015 zwar bei einem schlappen Prozent. Doch dieses Ergebnis wird durch eine lange Phase steigender Aktienkurse hervorgerufen. Fresenius Medial Care selbst hebt seit 18 Jahren seine Dividende unentwegt an.

Solch erstaunliche Serien ziehen Interesse auf sich. Die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) hat Deutschlands Dividendenlage im April 2015 näher unter die Lupe genommen und den „Dividendenregen für deutsche Aktionäre“ in der Untersuchung analysiert.

Demnach schütten alle hiesigen Aktiengesellschaften aus Dax, MDax, TecDax und SDax im Jahr 2015 zusammen knapp 42 Milliarden Euro an die Aktionäre aus. Das entspricht einem Plus von 13 Prozent gegenüber 2014. Die kollektive Ausschüttung fällt damit sogar höher aus, als im bisherigen Rekordjahr 2008 - das war vor der Finanzkrise.

Insgesamt zahlen neun von zehn Firmen im Dax, MDax, TecDax und SDax eine Dividende. Auch damit wird der alte Dividendenrekord gebrochen und um fünf Prozentpunkte verbessert. So sieht die neue Ära der Geldanlage aus.

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Das Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) hat im Sommer 2015 Hürden genommen, Deutschlands Industrie könnte von TTIP besonders profitieren. Jetzt wollen Chefs von BASF, Bayer bis Merck den Abschluss.

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