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Gerry-Weber-Gewinn knickt ein

Das Modehaus Gerry Weber hat den Rotstift angesetzt. Stellen wurden gestrichen, erste Filialen geschlossen. Bis Ende des Jahres 2016 sollen weitere folgen. Zugleich sinkt der operative Gewinn.

Gerry Weber ist auf Schrumpfkurs. Das Modeunternehmen aus Halle an der Saale hat Ende Mai 2016 einen Sozialplan mit seinen Angestellten vereinbart. Der sieht Abfindungen im Gegenzug für Stellenstreichungen vor, hat das Unternehmen am 14. Juni 2016 berichtet.

„Der Sozialplan für den Retail und die administrativen Zentralfunktionen in Halle/Westfalen ist unterzeichnet“, bestätigte Ralf Weber, Vorstandsvorsitzender der Gerry Weber International AG. Insgesamt plant der Konzern 103 Filialen zu schließen, 21 seien bereits dicht gemacht worden. Rund 700 der etwa 7000 Stellen will Gerry Weber streichen.

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„Nach mehr als 40 Jahren des Wachstums ist die Phase der Neuausrichtung insbesondere für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit großen Belastungen verbunden“, sagte Ralf Weber.

Auch die Aktionäre der Gesellschaft spüren den Schrumpfkurs. Das operative Ergebnis sank im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2015/16 deutlich von 36,2 Millionen Euro in der entsprechenden Vorjahresperiode auf nunmehr 8,4 Millionen – ein Minus um mehr als 75 Prozent. Auch der Umsatz ging in der ersten Geschäftsjahreshälfte verglichen mit dem vergangenen Geschäftsjahr zurück, nämlich von 240 Millionen auf 230 Millionen Euro.

Zudem musste Gerry Weber seine Abschreibungen deutlich hochsetzen: Im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum stiegen sie von 16,3 Millionen auf 21,5 Millionen Euro. Darin spiegeln sich nach Unternehmensangaben auch Kosten für Filialschließungen.

Bereits im Januar und Februar 2016 hatte Gerry Weber vor den beabsichtigten Einschnitten und befürchteten Ertragsrückgängen gewarnt. Jetzt bestätigte der Konzern, dass einmalige Aufwendungen und Abschreibungen in Höhe von 36 Millionen Euro das Vorsteuerergebnis der Gesellschaft wohl auf zehn Millionen bis 20 Millionen Euro im laufenden Geschäftsjahr 2015/2016 drücken werden.

Entsprechend stecken auch die Aktionäre der Gerry Weber AG zurück. Ihnen bleibt derzeit eine Dividende von nur noch 0,40 Euro pro Aktie – in den zwei Jahren zuvor waren es noch je 0,75 Euro. Und Besserung ist zunächst nicht in Sicht, auch nicht bei der Entwicklung des Gerry-Weber-Aktienkurses.

Allein seit dem 22. Februar 2016 sank der Wert der Gerry-Weber-Anteilsscheine von damals 14,65 Euro auf 10,53 Euro am Vormittag des heutigen 15. Juni 2016. In der Einjahresbetrachtung lief zudem noch ein deutlich höheres Minus auf: Binnen zwölf Monaten sank der Aktienkurs des Unternehmens um rund 47,8 Prozent. Und in der Dreijahresperiode verloren Gerry-Weber-Aktionäre gar 67,58 Prozent ihres Anteilswerts.

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Das Modehaus Gerry Weber hat den Rotstift angesetzt. Stellen wurden gestrichen, erste Filialen geschlossen. Bis Ende des Jahres 2016 sollen weitere folgen. Zugleich sinkt der operative Gewinn.