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Rohstoffbaisse drückt Covestro-Umsatz

Die Covestro AG hat trotz gesunkener Umsätze das Konzernergebnis deutlich gesteigert. Vor allem die Rohstoffpreise haben das Ergebnis der ehemaligen Bayer MaterialScience AG beeinflusst.

Der Werkstoffhersteller Covestro hat in mehrfacher Hinsicht die zuletzt weltweit gesunkenen Rohstoffpreise zu spüren bekommen. So sank der Umsatz des MDax-Konzerns in den ersten drei Monaten 2016 um 5,9 Prozent auf rund 2,9 Milliarden Euro. Der Grund waren vor allem rückläufige Verkaufspreise, welche die gesunkenen Rohstoffpreise reflektieren. Dem stand gleichzeitig jedoch eine höherer Absatz gegenüber, den die ehemalige Bayer Material Science in allen Regionen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichnete.

Dies schlug sich letztlich auch in einem verbesserten Ergebnis nieder. Im ersten Quartal legte das Ebitda, also der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 29,3 Prozent auf 508 Millionen Euro zu. Wozu alle drei Segmente des Unternehmens beitrugen.

Einen deutlichen Anstieg der Absatzmengen im Kerngeschäft von 10,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal verzeichnete das Segment Polyurethanes. Hier entwickelt und produziert Covestro Vorprodukte unter anderem für hochwertige Schaumstoffe. Das Ebitda legte im Wesentlichen aufgrund der höheren Absatzmenge um 39,9 Prozent auf 214 Millionen Euro zu.

Im Segment Polycarbonates, aus diesen Kunststoffen werden beispielsweise DVDs hergestellt, nahmen die Absatzmengen im Kerngeschäft insbesondere angesichts höherer Nachfrage in der Automobil-, Bau- sowie Elektro- und Elektronikindustrie ebenfalls um 8,5 Prozent zu. Das Ebitda stieg um 52,6 Prozent auf 177 Millionen Euro.

Im Segment Coatings, Adhesives, Specialties sank zwar die abgesetzte Menge um 2,8 Prozent. Dennoch stieg das Ebitda um 6,1 Prozent auf 139 Millionen Euro. In diesem Fall wirkten sich die Rohstoffpreise dem Unternehmen zufolge positiv aus und überwogen den Effekt geringerer Verkaufspreise und Absatzmengen. Das Segment umfasst Rohstoffe für Lacke, Kleb- und Dichtstoffe sowie für Spezialprodukte wie qualitativ hochwertige Folien.

Unterm Strich steht im ersten Quartal ein Konzernergebnis von 182 Millionen Euro in den Büchern, eine Steigerung um 58,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Im ersten Quartal habe Covestro erfolgreich an die starke wirtschaftliche Entwicklung des Vorjahres angeknüpft, sagte der Covestro Vorstandschef Patrick Thomas laut Mitteilung. „Für das gesamte Jahr 2016 halten wir an unseren Erwartungen fest.“


Anleger sehen die Zahlen indes ein wenig kritischer. An der Börse wurden Covestro-Aktien am 25. April, nach Veröffentlichung der Quartalsergebnisse, zunächst mit gut 3 Prozent Abschlag bei knapp 34 Euro gehandelt. Damit wird das Unternehmen an der Börse derzeit mit knapp sieben Milliarden Euro bewertet, deutlich höher als Anfang Oktober 2015, als Covestro-Aktie einen ersten Schlusskurs von 26,50 erreichte.

© Covestro

Größter Anteilseigner ist im Übrigen immer noch die Bayer AG. Letztere dürfte angesichts der Kursentwicklung der vergangenen Monate an ihrem Plan festhalten, ihren Anteil an der ehemaligen eigenen Plastiksparte Schritt für Schritt abzubauen. So hat der Leverkusener Life-Science und Chemiekonzern erst am 21. April 2016 bekannt gegeben, zehn Millionen Covestro-Aktien an den Treuhandverein Bayer Pension Trust e. V. weitergereicht zu haben. Das entsprach nach Bayer-Angaben einem Anteil von 4,94 Prozent an dem gesamten Covestro-Aktienbestand. Bayer halte nun noch rund 64 Prozent an Covestro.

Damit haben die Leverkusener inklusive des Börsengangs von Covestro im vergangenen Jahr 2015 nun schon eine erhebliche Reduzierung ihres Covestro-Anteils erreicht. Alleine der Börsengang drückte den Bayer-Anteil an Covestro um gut 30 Prozent, und Bayer will weiter verkaufen: nach eigenen Angaben alle Anteile.

Damit ist Anlegern derzeit einzig der Zeitraum für die geplanten Anteilsverkäufe nur grob bekannt. „Ich kann ihnen jetzt nicht sagen, ob wir in 12, 18 oder 24 Monaten unseren Anteil auf Null zurückführen werden“, zitierte die Nachrichtenagentur Dow Jones den designierten neuen Bayer-Chef Werner Baumann im April 2016. Aber das „werde zügig“ geschehen.

Bayer habe kein strategisches Interesse mehr an Covestro, erklärte Baumann. Er wird den Bayer-Chefposten am 1. Mai 2016 von seinem Vorgänger Marijn Dekkers übernehmen.

Anleger, die sich aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung für die Covestro-Aktien interessieren, sollten diesen Aspekt im Hinterkopf behalten. Bleibt die Grundstimmung an der Börse stabil, gerät also beispielsweise für Deutschlands wichtigstes Aktienbarometer Dax die 10.000-Punkte-Region nicht völlig außer Reichweite, hat Bayer gute Verkaufspreischancen für seine Covestro-Titel. Und sofern Bayer bei seinem Ausstiegsplan für Covestro bleibt, kann Verkaufsdruck auf den Titeln lasten.

Das muss nicht heißen, dass allein durch die Bayer-Verkäufe die Covestro-Aktien auf Talfahrt geschickt werden; Bayer wird das aus Eigeninteresse zu verhindern versuchen. Zumal die Anteilsverkäufe wahrscheinlich eher im Paket an andere Großinvestoren gehen als über die Börse verkauft werden. Aber es kann zumindest ein limitierender Faktor für die Covestro-Aktienkursentwicklung sein, abseits der rein wirtschaftlichen Entwicklung bei Covestro.

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Viererbande strebt an die Börse
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Das Jahr 2015 bringt die meisten Börsengänge seit 15 Jahren: Covestro, Schaeffler, Hapag Lloyd und Scout24 sind im Herbst 2015 auf dem Sprung. Sie alle leiden unter dem Börsenbeben des VW-Skandals.