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Rheinmetall stoppt Börsenplan für Automotive

Die Aktionäre der Rheinmetall AG haben bisher gespannt darauf gewartet, ob und wann die Automotive-Sparte des Konzerns an die Börse kommt. Jetzt hat das Unternehmen den Plan aufgegeben.

Wie sieht unser Konzern künftig aus? Diese Frage hat die Anteilseigner der Rheinmetall AG seit Monaten beschäftigt. Ende August 2016 sind sie darüber im Klaren: Es bleibt fast alles so, wie es derzeit ist.

© Rheinmetall AG

Der Düsseldorfer Rüstungs- und Autozulieferkonzern hat nach Medienangaben den einst erwogenen Börsengang seiner Autosparte aufgegeben. Dieser Firmenteil, der bisher unter dem Namen KSPG (Kolbenschmidt Pierburg) firmierte, wird deshalb stärker mit dem Gesamtkonzern verzahnt und in Rheinmetall Automotive umbenannt, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters am 30. August 2016. Rheinmetall selbst werde sich in Rheinmetall Group umbenennen.

An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die Anteilseigner des Konzerns haben nun Sicherheit, hieß es unter Beobachtern. Tatsächlich legte die Notierung am Vormittag des 30. August 2016, dem Tag des Bekanntwerdens der Umfirmierung, mit 0,8 Prozent erkennbar als der MDax zu, in dem die Titel der Rheinmetall AG gelistet sind.

Der Vergleich mit der Entwicklung des deutschen Börsenbarometers für die hiesigen mittelgroßen Aktiengesellschaften in 2016, dem MDax, dürfte bei den Rheinmetall-Aktionären allerdings gemischte Gefühle auslösen.

War der Aktienkurs ihres Unternehmens der Indexentwicklung noch zwischen Februar und Mai 2016 weit voraus, ist davon Ende August 2016 praktisch nichts übrig geblieben. Nach einem Zwischentief im Juni und anschließender Erholung stehen Rheinmetall-Aktie und MDax nunmehr gemeinsam mit etwa 6 Prozent im Plus verglichen mit dem Jahresauftakt 2016.

Deutlicher fällt das Plus für all jene Rheinmetall-Aktionäre aus, die ihre Titel im August 2016 wenigstens seit zwölf Monaten besitzen; sie können auf einen Wertzuwachs in Höhe von 17,5 Prozent zurückblicken. In der Dreijahresperiode fällt ihr Kursgewinn mit 72,17 Prozent noch weit höher aus – und viel deutlicher, als der MDax in dieser Zeit vorangekommen ist. Der Index legte um 48,93 Prozent zu.

Rheinmetall-Chef Armin Papperger, seit 2013 im Amt, will den Konzern nun durch die engere Verzahnung effizienter machen. „Wir wollen bis 2018 die Synergien heben, die wir heben können“, sagte Papperger nach Angaben von Reuters am 29.8.2016. Ziel sei es, dem operativen Gewinn (Ebit) auf die Sprünge zu helfen, berichtet die Nachrichtenagentur: „5 Prozent müssen es schon werden.“

© Rheinmetall AG

Nach Angaben Pappergers werde Rheinmetall zudem auch beim Umsatz wachsen: „Im Defence-Bereich werden wir in diesem und wohl auch im kommenden Jahr zweistellig zulegen. Bei Automotive immerhin noch stärker als der Markt“, sagte Papperger nach Angaben der Rheinischen Post vom 30. August 2016.

Und noch eine Umbenennung: Langfristig werde Rheinmetall Defence in Rheinmetall Sicherheit umfirmiert. Denn das Düsseldorfer Unternehmen wolle vermehrt auch für den nicht-militärischen Sicherheitssektor produzieren, etwa für die Polizei.

Nach dem Terroranschlag auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ in Paris habe Rheinmetall etwa einen Sonderwagen für die Polizei entwickelt, der auch dem Beschuss von Sturmgewehren standhalte, sagte Rheinmetall-Chef Papperger nach Angaben der Rheinischen Post.

Vorerst kann sich der Manager der Unterstützung der meisten Aktionäre wohl sicher sein. Die Kursentwicklung der Rheinmetall-Aktie dürfte den Anteilseignern trotz des Juni-2016-Tiefs bei 48 Euro gefallen. Zudem sorgten zuletzt Großaufträge für Schlagzeilen: Litauen bestellte unter anderem bei Rheinmetall 88 Radschützenpanzer des Typs GTK Boxer zum Preis von rund 390 Millionen Euro.

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