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RWE rutscht in die Miesen

Der Ruhrgebietskonzern RWE hat seine Investoren auf 2016 eingestimmt: Keine Dividende, weiter fallende Gewinne, neue Einschnitte. Die Rettung sollen nun die Atomgespräche mit der Bundesregierung bringen.

Deutschlands zweitgrößter Stromkonzern RWE steckt in der Krise. Das betriebliche Ergebnis lag nach RWE-Angaben vom 8. März 2016 im Jahr 2015 mit 3,8 Milliarden Euro um 4 Prozent niedriger als im Vorjahr. Mehr noch: Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von 170 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 1,7 Milliarden Euro 2014.

© RWE

Unabhängig von den bereits beschlossenen Einsparungen in Höhe von zwei Milliarden Euro will RWE deshalb jetzt seine Kosten um weitere 500 Millionen Euro bis zum Jahr 2018 drücken.

Einzig klar verbessert hat sich die Schuldensituation: Konzernchef Peter Terium hat die Schuldenuhr des Unternehmens im Jahr 2015 um fast ein Fünftel auf 25,1 Milliarden Euro zurückgedreht. Allerdings war auch das kein Erfolg des normalen RWE-Geschäfts: Terium gelang die Entlastung nur, weil er dafür Konzernperlen verscherbelt hat. So ging etwa die ehemalige RWE-Tochter Dea für 5,3 Milliarden Euro an einen russischen Investor.

Der Deal gelang überdies nur, weil die Bundesregierung trotz Sanktionen gegen Russland infolge des Krimkriegs kein Veto dagegen eingelegt hatte.

Unter dem Strich waren die Aktionäre des RWE-Konzerns allerdings wohl weniger geschockt über das Ergebnis, das ihnen Konzernchef Terium am 8. März 2016 präsentierte, als Beobachter es vielleicht für möglich gehalten hätten. Denn der RWE-Aktienkurs stieg bis 10 Uhr am 8. März 2016 um 0,8 Prozent auf 11,38 Euro – und das in einem schwachen Marktumfeld. Der Dax, in dem die RWE-Anteilsscheine gelistet sind, sank zeitgleich um deutliche 1,3 Prozent.

© RWE

RWE-Aktionäre hatten sich also offenbar auf noch weit schwächere Geschäftszahlen ihres Konzerns eingerichtet. Und dafür gibt es auch gute Gründe.

Zum 1. April 2016 wird das Unternehmen aufgespalten, und zwar aus purer Not. Nach RWE-Angaben wird Peter Terium dann als RWE-Chef eine Zeit lang parallel auch die neue Tochtergesellschaft leiten, bis die voraussichtlich Ende des Jahres 2016 an die Börse gebracht wird. Dann rückt Terium auf den Chefposten dieser neuen Gesellschaft, die aktuell den Projektnamen RWE International SE trägt. Sein Nachfolger an der Spitze der alten RWE AG wird Rolf Martin Schmitz.

Pikant dabei: Schmitz wird damit indirekt Teriums Chef, denn die alte RWE AG wird die Mehrheit an Teriums International-Abspaltung behalten. Und Schmitz war einst einer der Gegenkandidaten für Peter Terium bei der Besetzung des Chefpostens der RWE.


Die RWE-Investoren hoffen durch die Abspaltung auf einen Befreiungsschlag, soll der Börsengang der neuen Tochter doch Kapital für dringend benötigte Investitionen in die Kassen spülen – beispielsweise für Kraftwerke aus erneuerbarer Energie. Denn solch hohe Ausgaben kann sich RWE längst nicht mehr ohne Weiteres leisten.

Zu niedrig sind mittlerweile die Erträge in der klassischen Energieerzeugung, als das der Essener Konzern mit seinem gewaltigen konventionellen Kraftwerkspark daraus noch komplett neue Erzeugungsstrukturen aufbauen könnte. So sank das betriebliche Ergebnis in der konventionellen Stromerzeugung im Jahr 2015 gleich um 45 Prozent auf 543 Millionen Euro.

„Hauptgrund dafür war, dass RWE den Strom der deutschen und niederländischen Kraftwerke zu niedrigeren Großhandelspreisen abgesetzt hat als 2014“, sagte Terium bei der Präsentation der Bilanzzahlen.

© fotolia / ted007

Über die Erholung des RWE-Aktienkurses wird indirekt dann auch die deutsche Politik entscheiden und nur zum Teil das RWE-Management mit seinen Rettungsversuchen. So will die Bundesregierung den verordneten Ausstieg aus der Atomkraft teils mit den Rückstellungen der hiesigen Energiekonzerne stemmen, die dafür auch einst gebildet worden sind.

Allerdings stecken die beispielsweise einbetoniert in Form konventioneller Kraftwerke, die derzeit mit jedem Tag weniger wert zu werden scheinen. Schließlich bringt die Stromproduktion mit diesen Werken ja immer niedrigeren Ertrag.

Entsprechend groß ist aus Sicht der RWE-Investoren die Sorge, dass ihr Konzern darüber hinaus womöglich noch Milliarden an Bargeld nach Berlin schicken muss, um das Kapitel der atomaren Energieerzeugung in Deutschland zu beenden. Geld, das RWE kaum noch wird aufbringen können.

© fotolia / Stephan Walochnik

Terium weiß das. Er spricht seinen Aktionären deshalb Mut zu. „Ich bin zuversichtlich, dass hier eine für alle Seiten akzeptable Lösung gefunden werden kann“, schrieb der RWE-Chef Peter Terium am 8. März 2016 im veröffentlichten Geschäftsbericht des Konzerns. „Erfreulicherweise kamen vonseiten der Politik zuletzt einige ermutigende Signale.“

Diese Signale sahen zuletzt offenbar so aus: Die entsprechende Kommission unter Leitung der Politiker Jürgen Trittin (Grüne), Ole von Beust (CDU) und Matthias Platzeck (SPD) will alle hiesigen Atomkonzerne zusammen 18 Milliarden Euro in einen Staatsfonds zahlen lassen. Dafür würde der Bund beispielsweise die Ewigkeitslasten aus den Lagerungskosten für die Atomhinterlassenschaften tragen.

Terium betonte nun, dass die Bundesregierung der Kommission dabei auf den Weg gegeben habe, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Unternehmen zu berücksichtigen.

Von der konnten sich zuletzt nicht nur die freien RWE-Aktionäre ein klares Bild machen, etwa beim Blick auf den Aktienkurs ihres Unternehmens: der drittelte sich allein zwischen Frühjahr 2014 und März 2016. Sondern auch die kommunalen Anteilseigner des Ruhrgebietkonzerns, Städte beispielsweise wie Essen oder Dortmund. Die gehen, wie manch andere RWE-Investoren, vorerst komplett leer aus ihrem Investment.

Der RWE-Aufsichtsrat hat am 3. März 2016 beschlossen, den Stammaktionären des Konzerns die Dividende zu streichen. Das Geschäft gebe nicht mehr her.

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