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Porsche-Prozess: Schuldig oder nicht schuldig?

Im Porsche-Prozess geht es für das angeklagte Ex-Führungsduo Wendelin Wiedeking und Holger Härter um die Frage, ob sie sich im Zuge der VW-Übernahme strafbar gemacht haben oder nicht. Was spricht für, was spricht gegen eine Verurteilung?

Wie häufig haben sich die Staatsanwälte jetzt verrechnet? Oder behauptet das die Verteidigung nur? Was mir wirklich in diesem Verfahren fehlt, ist Klarheit über die Zahlen. Da steht jetzt, wenn man dem Artikel folgt, Aussage gegen Aussage. Waren die liquiden Mittel wirklich innerhalb von wenigen Tagen beschaffbar, wie die Verteidiger argumentieren? Oder eben nicht, wie die Staatsanwälte vermutet? Was hätten fallende VW-Kurse für die Quartalsbilanz vom 31. Oktober 2008 bedeutet? Da müssten doch auch mal weitere Sachverständige zu gehört werden... Wie will denn das Gericht angesichts dieser Ungewissheiten am Freitag ein Urteil fällen? Jana WolfAntworten 0

Gerade wegen dieser Komplexität dürfte es wohl auf einen Freispruch hinauslaufen. In dubio pro reo. Allerdings ist es interessant, dass die Wiedeking-Verteidiger noch einmal explizit darauf hingewiesen haben, dass ihr Mandant von der Nachschusspflichten Porsches an die Maple Bank am 24. Oktober 2008 nichts wusste. Die wollten sich wohl doppelt absichern, falls das Gericht doch nicht in ihrem Sinne entscheidet. Tobias SeidelAntworten

Auf den nächsten Bericht vom Verfahren bin ich mal gespannt. Obwohl der spannendere Zeuge dann wohl erst am 9. 3. Auftritt. Die Mail, die vom ersten Staatsanwalt zitiert worden ist, spricht wirklich Bände: https://www.irx.eu/incoming/Porsche-Prozess-%E2%80%9EIn-der-Sache-ein-klassisches-Pump-and-Dump%E2%80%9D-3488.html?companyId=2428

Warum die Staatsanwaltschaft die Bombe erst so spät hat platzen lassen, weiß sie wohl nur selber. Jana WolfAntworten 0

Und der Berater von Merrill Lynch, dessen Hauptmandant Porsche damals war, kann sich an nichts erinnern. Das ist schade. Da sich ja ausgerechnet ein uminöser Hedgefonds-Manager sehr genau an alles zu erinnern scheint - und darüber sogar eine schriftliche Erklärung abgegeben hat, aus der die Staatsanwälte scheinbar ausführlich zitiert haben. So hängt es dann am Ende vielleicht auch davon ab, ob einer von seinen "Erinnerungen" profitiert oder nicht. Jana WolfAntworten

Weiß vielleicht jemand, wer die zwei Zeugen sein werden, die jetzt noch geladen werden sollen? Und sind die nächsten Termine inzwischen bekannt? Ute KempfAntworten 1

Vermutlich nochmals Stefan Müller von Merril Lynch. Vielleicht auch nochmal Christoph von Bülow von Freshfields. Es wird wohl darum gehen, wie das am 26. Oktober genau lief. Der von den "Shorties" herbeigezauberte Zeuge wird wohl keine Rolle spielen. Tobias SeidelAntworten

Hier sind die jüngsten Termine vom Gericht:
Die Termine zur Hauptverhandlung am Dienstag, 01.03. sowie Freitag, 04.03. wurden aufgehoben.
Die weiteren Fortsetzungstermine lauten wie folgt:
Donnerstag, 03.03., 10 Uhr (als Zeuge wurde auf 10 Uhr ein bereits vernommener Mitarbeiter einer Bank geladen) -> vermutlich Müller
Mittwoch, 09.03., 10 Uhr (als Zeuge wurde auf 10 Uhr ein bereits vernommener Rechtsanwalt geladen) -> vermutlich von Bülow
Montag, 14.03., 10 Uhr (ggf. Plädoyers)
Freitag, 18.03., 10 Uhr (ggf. Urteil) Tobias Seidel

Die Argumente der Staatsanwaltschaft scheinen auch das Gericht beeindruckt zu haben. Anders ist der Wiedereintritt in die Beweisaufnahme nicht zu erklären Michael KohlhaasAntworten 0

Wie hieß noch die Journalistin, die Parallelen zum Kirch-Verfahren zog und behauptete, die Stuttgarter Staatsanwälte hätten sich verrannt?
Guenther KurvathAntworten

Die Argumente der Staatsanwaltschaft klingen im Plädoyer deutlich besser als man es erwarten konnte. Nach der Berichterstattung über den Prozess hätte ich gedacht, dass der Freispruch sicher ist. Nach dem Plädoyer und den dort geschilderten Fakten halte ich jetzt eine Verurteilung für wahrscheinlich. Wobei dich geforderte Strafe dann schon eher gering ist. Bleibt sehr spannend Michael KohlhaasAntworten 0

Wie gewonnen, so zerronnen, würde ich sagen. Im Geschäftsjahr 2007 hat Porsche noch mehr Gewinn als Umsatz bilanziert. Im Jahr 2008 - das musste erst die Staatsanwaltschaft aufdecken - wäre es vielleicht genau andersherum gelaufen. Wenn stimmt, was in dem Artikel "Staatsanwalt fordert Haft für Härter und Wiedeking" steht, dann hat auch Volkswagen bald ein größeres finanzielles Problem. 800 Millionen Bußgeld für Porsche ist angesichts der vielen anderen Verfahren vielleicht nur der Anfang. Tobias SeidelAntworten 0

Hätte Porsche die Forderung der Staatsanwaltschaft nicht ad hoc melden müssen? 800 Mio ist doch ein Wort Michael KohlhaasAntworten

Die Tatsache, die im Raum steht, ist aber m.E. eindeutig. StA fordert 800 Mio. Man braucht es ja nicht weiter kommentieren, aber für mich als Anleger wäre so etwas schon wichtig zu wissen. Sehe schon den nächsten Prozess :-) Michael Kohlhaas

Noch ist das Urteil ja nicht gefällt. Und was wäre das für ein Zeichen ans Gericht, wenn Porsche oder Volkswagen die Forderung schon mal vorab ad hoc meldet? Abgesehen davon, wird nichts so heiß gegessen wie es es gekocht wurde. Und wenn die Verteidigung mit ihren Plädoyers dran war, dann sind sich wieder alle einig, dass es einen Freispruch geben muss. Im Vergleich zu den anderen Kosten, die Volkswagen wegen Dieselgate tragen muss, sind das ja auch "Peanuts". Ute Kempf

Short Volkswagen? Peter VoigtAntworten

Das wäre die absolute Sensation! Das kann die Wende zugunsten der Aktionäre sein, die damals viel Geld verloren haben. Komisch aber: Bei dem ganzen Prozess bisher ist dieser Zeuge nicht aufgetaucht, jetzt aber kommt der? Wie das? Günter MeermannAntworten 0

Interessant vielleicht in diesem Zusammenhang: In der Spiegel-Meldung steht, dass dieser aufgetauchte Zeuge wohl angegeben habe, zuvor mit dem damaligen Porsche-Chef Wiedeking direkt gesprochen zu haben. Und nicht mit dem Finanzchef jener Zeit, mit Holger Härter. Karsten StummAntworten

Ich habe ja schon vor Monaten daran gezweifelt, dass Wendelin Wiedeking in der damaligen Finanzkrisen-Situation einfach im Urlaub ist. Aber kann ja trotzdem sein. Jana Wolf

Laut Spiegel ist es ein Investmentbanker aus London. Vielleicht wurde der erst jetzt gefunden? Kai BednarskiAntworten

Haha! Jetzt erst gefunden... War er denn vorher verloren gegangen? Hier arbeiten alle Parteien hart an der Grenze dessen, was legal ist - wenn sie nicht schon hier und dort einen Schritt weitergehen. Mit den Beteiligten meine ich Porsche & Co. auf der einen Seite, Hedgefonds & Co. auf der anderen. Schließlich geht es indirekt ja im Wesentlichen darum, dass die Zivilkläger zum Beispiel vor dem Landgericht Hannover auf Milliardenerstattungen hoffen. Ob Wiedeking oder Härter verknackt werden interessiert die nur, wenn es ihrer Sache hilft. Tolles Verfahren! Manfred Claassen

Vielleicht kommt doch noch die Wende? Plötzlich ist laut "Spiegel" ein neuer Zeuge aufgetaucht. Der habe von Merrill Lynch erfahren, dass Porsche diese bewusste Pressemitteilung, nach der die Volkswagen-Aktie durch die Decke ging, exakt deshalb platziert hatte, weil der VW-Kurs zuvor gefallen war. Kai BednarskiAntworten 1

Wenn das so zum Tragen kommt im Prozess, dann ist den Staatsanwälten aber wirklich ein Ass ins Blatt gespielt worden. Bisher hatten die ja offenbar nicht immer glücklich agiert.
https://www.irx.eu/incoming/Porsche-Prozess-Kommt-der-Freispruch-f%C3%BCr-Ex-Porsche-Chef-Wiedeking-3346.html Nils KlammannAntworten

Werden dann jetzt die Plädoyers der Anwälte verschoben? Also quasi erneute Beweisaufnahme? Oder war die noch gar nicht beendet? Sven Pietsch

Interessante Einschätzung der FAZ heute dazu: Was bleibt, ist ein mehr als nur schaler Beigeschmack. Hier ist mit Rückendeckung der Familien gezockt worden.... die durch das VW-Gesetz und damit durch die Sperrminorität des Landes Niedersachsen geschützte Eigentümerkonstruktion büßt dort jedes Vertrauen ein."
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/menschen-wirtschaft/kommentar-kein-vertrauen-in-die-porsches-und-piechs-14061231.html Jochen SendlingerAntworten 0

Neues von der Maple-Bank: "Die Frankfurter Maple Bank ist am Montag geschlossen geblieben. Die Finanzaufsicht Bafin hatte dies am Wochenende mit sofortiger Wirkung angeordnet, weil dem Ableger der kanadischen Maple Financial Group wegen einer millionenschweren Steuerrückstellung die Überschuldung droht.

Die Bank bestätigte, dass die Rückstellung im Zusammenhang mit den laufenden Ermittlungen der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft zu möglicherweise illegalen «Cum-Ex»-Aktiengeschäften aus den Jahren 2006 bis 2010 steht." Handelszeitung (http://www.handelszeitung.ch/unternehmen/maple-bank-stolpert-ueber-dubiose-geschaefte-986141)

Selbst der Zeitpunkt passt. Neben den Deals mit Porsche, haben Sie noch Zeit für Cum-Ex-Geschäfte gehabt. Tobias SeidelAntworten 1

Das kommt gerade zum rechten Zeitpunkt. Und vor allem der Zeitraum, indem die Bank "vergessen" hat, Steuern zu bezahlen: 2006 bis 2010. Köstlich! Manfred ClaassenAntworten

Interessant finde ich, dass der irgendwann von einem der Zeugen erwähnte Begriff der „Vorratsentscheidung“, den zu dem Zeitpunkt niemand auf dem Schirm zu haben schien, in den Wochen darauf von jedem Zeugen wie aus der Pistole geschossen kam. An das meiste andere konnten Sie sich nicht erinnern – nur daran, dass es eben eine Vorratsentscheidung war... Günter MeermannAntworten 0

Vielleicht macht es ja Frau Friedrichs vom Spiegel. Sie müsste es eigentlich wissen, weil sie mittags gerne mal einen Kaffee mit den Verteidigern trinkt. Immerhin dürfte es einer ihrer letzten großen Prozesse sein, bevor sie im Sommer vom Spiegel in Rente geschickt wird. Sven PietschAntworten 0

In einem Artikel wird erwähnt, dass die Verteidiger offenbar davon ausgehen, dass die Staatsanwälte mehr oder weniger die Marionetten der Hedgefonds wären, die bei dem Kurssprung im Oktober 2008 hunderte Millionen Euro verloren haben. Wäre spannend, wenn da mal jemand was zu recherchieren und schreiben würde. Sabine GretnerAntworten 0

Dann würde mich aber auch mal interessieren, ob die Zeugen, die Ausgesagt haben, ihre Zeugenbeistände selbst bezahlt haben. Die einzigen, die ohne Zeugenbeistand ausgekommen mussten, schienen die Polizisten zu sein, die Porsche Marktmanipulation unterstellt haben. Marcel StockmannAntworten

Der Richter hat ja selbst gesagt. Und hier (https://www.irx.eu/incoming/Im-Porsche-Prozess-%E2%80%9Ekochen%E2%80%9C-die-Emotionen-3304.html?companyId=2428) wird es auch nochmal zitiert:
...Den Richter überzeugte das nicht. Seien es jetzt „sinkende oder steigende“ Kurse, waren die Zeugen jetzt „ergiebig oder unergiebig“, darüber herrsche kaum Klarheit. Auch auf die Aktenlage verwies er noch einmal. So habe das Oberlandesgericht Stuttgart im Hinblick auf die Stützung der Anklage „bestenfalls mit einer 50:50-Wahrscheinlichkeit beurteilt“. Janin ScheeleAntworten 0

Da ist eine Verurteilung kaum wahrscheinlich. Zumal sich ja die Staatsanwaltschaft offenbar so hat einschüchtern lassen, dass zahlreiche Zeugen, vor allen betroffene Anleger, abgeladen worden sind. Günter MeermannAntworten

Die Staatsanwaltschaft macht aus meiner Sicht einen schlechten Eindruck. Mal hü, mal hott. Teilweise hat man das Gefühl, die verstehen Zusammenhänge just in dem Moment erst richtig, wenn der Richter nochmal nachfragt. Für die Verteidigung war es ein Segen, dass sie in diesem Prozess keinem erfahreneren Ersten Staatsanwalt gegenübersitzen. Sabine GuenesAntworten 0

Wendelin Wiedeking scheint in diesem Verfahren nicht mehr so sehr im Mittelpunkt zu stehen. Anders Holger Härter: Dass ihm viele Mittel recht waren, um Porsche Vorteile zu verschaffen, ist ja spätestens seit seiner ersten Verurteilung bekannt:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/porsche-ex-finanzchef-holger-haerter-muss-geldstrafe-zahlen-a-985691.html Marcel StockmannAntworten 0

Wo war er eigentlich im Urlaub? Jana WolfAntworten 0

Angeblich in Österreich. Er hat ein Ferienhaus an einem See. Ron WoolcastleAntworten

Es ist schon interessant, dass sich die Anschuldigungen praktisch ausschließlich an Herrn Härter und sein einstiges Team richten. Während Herr Wiedeking genau zu dem Zeitpunkt, als weltweit die Wirtschaft zusammenbrach in den Urlaub fuhr. Günter MeermannAntworten 0

Ja, er wird wohl der einzige Vorstandschef eines in Dax, MDax und Co. notierten Unternehmen gewesen sein, der in dieser Zeit nicht auf der Brücke war. Kai BednarskiAntworten

Weltweit dürfte er der einzige CEO gewesen sein, der die Brücke verließ, als die Märkte in den freien Fall übergingen (der 24.10 war ein schwarzer Freitag), die Absatzahlen einbrachen, Kurzarbeit geplant wurde und die Rufe an die Politik laut wurden. Entweder ist Wiedeking der Francesco Schettino der Automobilwirtschaft oder die Urlaubsgeschichte hat noch eine Dimension, die sich uns derzeit nicht erschließt. Mal schauen, ob noch mehr Zeugen auftauchen... Ron Woolcastle

Wenn die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft verlesen wird, denken alle: Ja, eindeutig schuldig. Dann werden fünf Minuten später die Einlassungen der Angeklagten verlesen - im Falle Holger Härters und Wendelin Wiedekings haben beide das, wie es der Presse zu vernehmen ist, selbst getan - und alle denken: Ja, eindeutig unschuldig. Es wird wohl noch ein paar Monate dauern, bis eine halbwegs objektive Zusammenstellung der Fakten vorliegt. Bis dahin bleiben uns die Brocken, die uns die Journalisten hinwerfen. Tobias SeidelAntworten 2

Wenn ich mich erinnere, hat Porsche immer gesagt, wir wollen VW nicht übernehmen. Aber irgendwie ist es doch passiert? Das fängt man doch nicht an, ohne es zu wollen. Gibt es Bewährung bei sowas? Dann kriegen sie Bewährung. Kai BednarskiAntworten 2

Bei Wiki steht, dass diese Anwälte auch schon mal verloren haben.... Janin ScheeleAntworten