Planungshoheit der Gesellschaft

Die tatsächlichen Grundlagen einer Unternehmensbewertung müssen richtig und nicht nur plausibel sein; das gilt sowohl für Daten der Vergangenheit als auch für Vertragsgrundlagen, die in die Zukunft ausstrahlen. Anders verhält es sich nach der vom OLG Stuttgart entwickelten Rechtsprechung mit den in die Zukunft gerichteten Prognosen über die künftige Entwicklung der Unternehmen und ihrer Erträge:

„Sie sind in erster Linie ein Ergebnis der jeweiligen unternehmerischen Entscheidung der für die Geschäftsführung verantwortlichen Personen. Diese Entscheidungen haben auf zutreffenden Informationen und daran orientierten, realistischen Annahmen aufzubauen; sie dürfen zudem nicht in sich widersprüchlich sein. Kann die Geschäftsführung auf dieser Grundlage vernünftigerweise annehmen, ihre Planung sei realistisch, darf diese Planung nicht durch andere - ebenfalls nur vertretbare - Annahmen des Gerichts ersetzt werden.“ (OLG Stuttgart vom 8. März 2006, Az. 20 W 5/05, juris Tz. 65).

Auf dieser Grundlage findet eine kritische Prüfung der Planungsrechnung (Zählerebene) kaum noch statt. Wann kann eine Geschäftsführung vernünftigerweise nicht mehr annehmen, dass ihre Planung realistisch ist? Diskutieren Sie mit!

These: Die Leitung der Aktiengesellschaft obliegt dem Vorstand. Dazu gehört auch die Unternehmensplanung nebst Planungsrechnung. Daher darf die Planung des Vorstands grundsätzlich nie hinterfragt werden.

Antithese: Zwar ist die Planung des Vorstands grundsätzlich hinzunehmen, jedoch unterliegt die Prognose über den auf dieser Basis anzunehmenden wirtschaftlichen Erfolg der vollen gerichtlichen Kontrolle.

 

Die Redaktion

Diskutieren Sie mit!