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Passagiergeschäft rettet Lufthansa das Quartal

Die Lufthansa ist operativ besser in das Jahr gestartet als noch 2015. Wobei vor allem das Passage-Geschäft florierte. Es bleiben jedoch Risiken, die das Jahresziel gefährden.

Deutschlands größte Fluggesellschaft gibt sich zufrieden mit dem ersten Quartal 2016. „Wir sind solide in das neue Geschäftsjahr gestartet“, sagte Simone Menne, Vorstand Finanzen der Deutschen Lufthansa AG, bei der Präsentation der Zahlen am Dienstag, 3. Mai 2016.

Zwar sanken die Erlöse der Airline im Vorjahresvergleich um 0,8 Prozent auf rund 6,9 Milliarden Euro, und auch das Konzernergebnis lag mit minus 8 Millionen deutlich unter den im ersten Quartal 2015 verbuchten 425 Millionen Euro.

Allerdings war dieses Ergebnis damals nur durch einen Einmaleffekt zustande gekommen, nämlich die erfolgswirksame Verbuchung einer Wandelanleihe der JetBlue. Lufthansa hatte sich in diesem Zusammenhang von der 2007 erworbenen Beteiligung an der kleinen US-Fluggesellschaft getrennt.

© Lufthansa

Beim um einmalige, nicht betriebsbedingte Aufwendungen bereinigten Adjusted Ebit reduzierte die Lufthansa indes Verluste im traditionell schwachen ersten Quartal um 114 Millionen auf 53 Millionen Euro.

Diese Ergebnisverbesserung im Vergleich zum Vorjahr begründet die Fluggesellschaft unter anderem mit weiteren Entlastungen bei den Treibstoffkosten, die sich für das Quartal auf 237 Millionen Euro summierten. Darüber hinaus seien auch die um Treibstoff- und Währungseffekte bereinigten Stückkosten um 4 Prozent gefallen.

Die Ergebnisverbesserungen im Vergleich zum Vorjahr wurden allerdings im Wesentlichen vom Passagiergeschäft der Lufthansa (Lufthansa Passage) und von der Tochter Austrian Airlines getragen: Lufthansa Passage verbesserte das Adjusted Ebit um 244 Millionen Euro, Austrian Airlines um 23 Millionen Euro.

Bei allen anderen operativen Konzerngesellschaften gingen die Ergebnisse zurück. Die Konzerntochter Swiss blieb um 28 Millionen Euro unter dem Vorjahresergebnis, auch bedingt durch den starken Franken. Die deutsche Billigflugtochter Eurowings, deren Zahlen erstmals separat ausgewiesen wurden, erreichte ein Ergebnis um 33 Millionen Euro, und blieb ebenfalls unter dem des Vorjahres, was die Lufthansa mit Anlaufkosten für die Langstreckenflüge und die Kosten für den Aufbau der neuen Gesellschaft begründet.

Einen starken Ergebnisrückgang von 71 Millionen Euro verzeichnete die Frachtairline Lufthansa Cargo. Hohe Überkapazitäten im Markt, vor allem im Transatlantikverkehr, und eine schwache Nachfrage führten zu Umsatzeinbußen von 21,8 Prozent.

Die Ergebnisse der Geschäftsfelder Technik und Catering lagen im ersten Quartal ebenfalls um insgesamt 20 Millionen Euro unter Vorjahr.


Die Prognose der Lufthansa Group für das Gesamtjahr bleibt unverändert. Der Konzern erwartet ein Adjusted Ebit, das leicht über dem Vorjahreswert von 1,8 Milliarden Euro liegt. Dennoch ist die Konzernführung nicht allzu euphorisch.

© istock / Meinzahn

„Die Wettbewerbsintensität und damit der Preisdruck werden hoch bleiben“, sagte Finanzchefin Menne bei der Präsentation der Quartalszahlen. Deshalb sei es wichtig, „dass wir weiter konsequent an unseren Kostenpositionen arbeiten.“

Ergebnisbelastungen aus möglichen Streiks - sie hatten das Vorjahresquartal um knapp 100 Millionen Euro belastet - sind in der Jahresprognose im Übrigen nicht enthalten. Dabei hat die Lufthansa weiter insbesondere mit der Pilotenvereinigung Cockpit zu kämpfen, die schon im vergangenen Jahr 2015 einige Streiks ausgerufen hatte.

„Jeder einzelne der 15 Streiktage war einer zu viel“, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr dann auch auf der Hauptversammlung der Lufthansa am 28. April 2016. Die Streikkosten hätten im Gesamtjahr 2015 stolze 230 Millionen Euro betragen.

Zudem gibt es weiter keine Lösung für das Problem der Pensionslasten des Unternehmens: Weil angelegtes Kapital in Europas Nullzinsphase immer niedrige Erträge abwirft, muss die Lufthansa im Gegenzug mehr Geld für die Pensionsansprüche ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurücklegen, will sie die zugesicherte Auszahlsumme auch erreichen. Deshalb versucht der Konzern die Zinsrisiken teils auf seine Angestellten abzuwälzen, die sich dagegen entsprechend sträuben – auch mit Streiks.

Zuletzt hatten im April 2016 Warnstreiks für Flugausfälle bei der Lufthansa gesorgt. Weil dieses Mal die Gewerkschaft Verdi zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen hatte, musste die größte hiesige Fluglinie rund 900 Flüge streichen.

Mit dem Warnstreik wollte die Gewerkschaft allerdings den Druck im inzwischen gelösten Tarifstreit im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen erhöhen, nicht gegen drohende Pensionsverschlechterungen kämpfen.

Das Kostenpotential von Arbeitskämpfen ist bei der deutschen Fluglinie also weiter hoch, ebenso muss die Gesellschaft voraussichtlich mit weiter steigenden Lohnkosten zurechtkommen. „Wir müssen bei Lufthansa um das besser sein, um das wir teurer sind“, hatte Konzernchef Spohr schon auf der Hauptversammlung des Konzerns gesagt.


Das wird allerdings nicht ganz einfach werden. Die Kostenlast des Unternehmens sieht aktuell vor allem aufgrund der vergleichsweise niedrigen Preise für den Flugzeugtreibstoff Kerosin besser aus, als sie vielleicht ist. So erwartet Unternehmenschef Spohr bei etwa gleich bleibenden Preisen und Wechselkursen für die Jahre 2017 und 2018 nach eigenen Angaben jeweils niedrigere Treibstoffkosten im mittleren dreistelligen Millionenbereich.

© istock / southerlycourse

Doch was passiert, wenn der Kerosinpreis wieder steigt, etwa weil der zugrundeliegende Ölpreis wieder auf den Schnitt vergangener Jahre klettern wird?

Fällt dieser Effekt weg oder wird zumindest gebremst, werden sich die höheren Kostenbelastungen in anderen Bereichen wie etwa den Lohnkosten oder den Pensionslasten des Unternehmens wieder stärker bemerkbar machen und auf den Gewinn drücken.

Kein Wunder dann auch das Ziel von Konzernchef Spohr: Im Jahr 2016 sollen die Kosten der Airline erstmals seit Jahren auch ohne den aktuellen Kerosinkostenvorteil pro Sitzplatz und Kilometerleistung sinken.

Damit käme er einer Mahnung der Aktionärsvertreter auf der Hauptversammlung der Lufthansa nach. „Strukturell haben Sie so viel noch nicht getan“, kritisierte etwa Markus Neumann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK).