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Osram präsentiert Zahlen mit vielen Unbekannten

Die Anleger trennen sich von den Aktien des Münchener Lichtkonzerns Osram. Denn der Verkauf des klassischen Kerngeschäfts belastet die Bilanz. Auch der Ausblick ist vor allem von Sondereinflüssen geprägt.

Der Leuchtmittelkonzern Osram hält in diesen Tagen ein Feuerwerk an Nachrichten für seine Aktionäre bereit. Letztere reagieren mit massiven Verkäufen. So gab die Aktie des Münchener Leuchtmittelherstellers am 27. Juni bis zum Nachmittag um mehr als 6 Prozent auf gut 47 Euro nach, was einer Börsenbewertung von rund 5,25 Milliarden Euro entspricht.

Dem vorausgegangen waren die schwachen Quartalsbilanzzahlen aufgrund des Verkaufs der traditionellen Lichtsparte (Ledvance), die noch immer rund 40 Prozent der Erlöse des Konzerns ausmacht.

© Osram Licht AG

Dem Verkauf des klassischen Kerngeschäfts rund um Energiesparlampen und Neonröhren hatte der Osram-Aufsichtsrat am Dienstag, 26. Juni, zugestimmt. Käufer ist ein chinesisches Konsortium, hinter dem der strategische Investor IDG Capital Partners (IDG), das chinesische Lichtunternehmen MLS und der Finanzinvestor Yiwu State-Owned Assets Operation Center (Yiwu) stehen.

Der Kaufpreis liegt bei mehr als 400 Millionen Euro. Darüber hinaus ist vorgesehen, dass MLS Osram in den kommenden zehn Jahren knapp 100 Millionen Euro Lizenzgebühren für die Weiternutzung der Produktnamen „Osram“ und „Sylvania“ zahlt und für 300 Millionen Euro LED-Chips von Osram einkauft. Der Abschluss der Transaktion wird im Laufe des Geschäftsjahres 2017 erwartet.

„Die Transaktion ist ein Meilenstein in der Aufstellung von Osram hin zum globalen High-Tech-Player in der Lichtindustrie“, ließ sich Konzernchef Olaf Berlien im Zuge des Deals zitieren. Die Transaktion ist allerdings auch eine Belastung für den Konzern.

Dies wurde deutlich, als Osram am Mittwoch, 27. Juni, die Geschäftszahlen des dritten Quartals vorlegte. Denn diese waren maßgeblich durch den tags zuvor bekannt gegeben Deal geprägt. Die durch den Verkauf entstandenen Sonderaufwendungen ließen den Konzerngewinn nach Steuern auf nur noch 28 Millionen Euro im dritten Quartal zusammenschrumpfen, nach 64 Millionen Euro im Vorjahr.

Auf nominaler Basis verzeichnete Osram zwar ein Wachstum von knapp 7 Prozent auf 1,442 Milliarden Euro. Und auch das um Sondereffekte bereinigte Ebita erhöhte sich um 13 Prozent auf 145 Millionen Euro, woraus sich eine Marge von 10,1 Prozent ergibt. Doch auch diese Zahlen werden von den Aktionären angesichts der Kursverluste an der Börse offenbar mit Vorsicht betrachtet.

Zwar betont Osram im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2016 die weiterhin gute Nachfrage in seinen drei strategischen Kerngeschäftsfeldern Specialty Lighting (Auto- und Industriebeleuchtung), Lighting Solutions & Systems (LED-Leuchten und -Systeme) sowie Opto Semiconductors (LED-Chips, Infrarottechnik).

Doch haben diese im jüngsten Quartal maßgeblich von Vorzieheffekten profitiert, die „etwa die Hälfte dieses Wachstums“ ausmachten. Der Grund: Viele Kunden hatten ihre Bestellungen um ein Quartal vorgezogen, weil die Osram-Werke wegen der Abspaltung der Lichtsparte und der IT-Systeme im Juli sieben Tage lang stillstanden.


Auch der Ausblick der Konzernführung auf das Gesamtjahr 2016 enthält aus Anlegersicht Tücken. Zwar erwartet der Vorstand um Olaf Berlien und seinen Technik-Vorstand Stefan Kampmann „einen Umsatz, der über dem Niveau des Vorjahres liegt“. Dennoch wird das Geschäft weiterhin von Sondereffekten geprägt bleiben.

So wird vor allem der Verkauf der 13,5-prozentigen Beteiligung am chinesischen Unternehmen Foshan Electrical and Lighting Co., Ltd. (Felco) positiv auf das Ergebnis wirken. Bei der Bekanntgabe des Deals im September 2015 war von einem Gewinnbetrag in 2016 von rund 300 Millionen Euro vor Steuern die Rede.

© Osram

Der Free Cash Flow indes werde 2016 „von stark steigenden Investitionen sowie Sondereffekten wie der Sonderdotierung des Pensionsvermögens beeinflusst“, so die Geschäftsführung. Die Kennzahl dürfte daher im niedrigen bis mittleren negativen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich liegen.

Den Anlegern solche Zahlen zu erklären, wird ab September auch Aufgabe des neuen Finanzvorstands Ingo Bank sein. Bank, das gab das Unternehmen in der vergangenen Woche bekannt, folgt auf Klaus Patzak, der Osram im Streit mit Vorstandschef Berlien Ende Juni verlassen hatte.

Die Strategie Berliens, Osram auf die Produktion von LED-Chips auszurichten und dafür Milliarden zu investieren, sah Patzak äußerst kritisch.

Einen ersten Kunden für die bald errichtete LED-Chip-Fabrik in Malaysia hat Berlien indes schon gefunden. Denn die LED-Chips im Wert von 300 Millionen Euro, die der Ledvance-Käufer MLS den Münchenern in den kommenden Jahren abkaufen muss, werden aus der neuen Fabrik stammen. Diese sei damit zu 20 Prozent ausgelastet. Woher die anderen 80 Prozent Auslastung kommen sollen, darüber wird der Vorstandschef die Aktionäre hoffentlich in den kommenden Monaten informieren.

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