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OSRAM - Mehr Licht als Schatten?

Vor der Hauptversammlung am 14. Februar steht der Münchner Lichtspezialist im Rampenlicht. Der Konzern will sich aufspalten, um profitabler zu werden. Nicht alle Aktionäre sehen das positiv. Kann der Schrumpfkurs Wachstumsimpulse frei setzen?

Die Osram-Aktie machte Aktionären zuletzt viel Freude: 41 Prozent Kursplus in den vergangenen zwölf Monaten – doppelt so viel wie der Dax. Kurstreiber waren gute Zahlen sowie Übernahmephantasien. Sämtliche Geschäftsbereiche verzeichneten 2016 ein deutliches Umsatzplus und bescherten dem Unternehmen ein Wachstum von 5,9 Prozent. Der Umsatz kletterte auf 3,8 Milliarden Euro, das Geschäftsergebnis verdreifachte sich auf gut 700 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss sprang von 166 auf 397 Millionen Euro.

Bevor Aktionäre in Jubel ausbrechen, sollten sie die Zahlen näher betrachten. Das Spitzenergebnis enthält nämlich einen schwergewichtigen Einmaleffekt, den Verkauf der Beteiligung am chinesischen Leuchtmittelhersteller FELCO (Foshan Electrical and Lighting Co. Ltd). Das Geschäft brachte den Münchnern stolze 300 Millionen Euro vor Steuern ein und sorgte so für einen ordentlichen Gewinnsprung.

Die Osram-Aktie profitierte aber noch von einem zweiten Kurstreiber. Mit verlockenden Übernahmeangeboten wetteiferten gleich zwei chinesische Interessenten im Herbst 2016 um die Gunst des Münchner Lichtkonzerns. Anleger hofften auf Traumrenditen und schlugen zu. Doch die Träume zerplatzen jäh. Das Bundeswirtschaftsministerium bremste, weil es einen Ausverkauf der deutschen Wirtschaft befürchtete. Schließlich gierten zeitglich viele Firmen aus dem Reich der Mitte um technologisches Tafelsilber aus Deutschland. So standen der Augsburger Roboterspezialist Kuka und der Aachener Chipanlagenbauer Aixtron im Visier der Chinesen. Als die Osram-Übernahme stockte, zogen sich die asiatischen Geldgeber schmollend zurück. In der Folge notierte die Aktie zwar schwächer, Anlegern blieb aber ein hübsches Kursplus.

Teilverkauf belebt Kursphantasie

Doch die Story ist längst nicht am Ende. Die Bundesregierung schürt jetzt neue Kursphantasien, indem sie eine Unbedenklichkeitsbescheinigung für ein chinesisches Konsortium um den Investor MLS ausstellte. Zwar soll nun nicht mehr Osram als Ganzes ins Reich der Mitte wandern, sondern nur noch die Lampensparte. Doch das defizitäre Geschäftsfeld, das inzwischen unter dem Namen Ledvance firmiert, soll attraktive 400 Millionen Euro in die Kassen der Münchner spülen. Osram-Chef Olaf Berlien ist froh, einen Abnehmer für die verlustreichen Energiesparlampen und Neonröhren gefunden zu haben, schließlich unterbieten chinesische Händler die europäischen Lampenhersteller inzwischen um bis zu 70 Prozent. Vorbehaltlich der noch ausstehenden Zustimmung durch US-Behörden soll der Deal bis September 2017 über die Bühne gehen. Mit dem Verkauf trennt sich Osram von seiner größten Unternehmenssparte. Immerhin trägt das Lampen-Geschäft 40 Prozent zum Konzernumsatz bei, die Umsätze lagen zuletzt bei zwei Milliarden Euro. Aktionäre sollten dem Verlust aber nicht nachweinen, ohne das Lampengeschäft ist Osram profitabler.

Wo liegen die Geschäftsfelder der Zukunft?

Konzernlenker Berlien sieht die Zukunft seines Unternehmens im Automobilgeschäft und der Halbleiterproduktion. Dafür will er in Malaysia bis zu einer Milliarde Euro in eine neue Chip-Fabrik investieren. Das Geld dafür soll unter anderem aus dem Lampenverkauf kommen. Darüber hinaus beschert der Deal weitere Einnahmen: Das chinesische Konsortium verpflichtete sich, LED-Chips im Wert von 300 Millionen Euro abzunehmen. „Das sichert der neuen Fabrik drei Jahre lang 20 Prozent Auslastung“, betont Berlien. Zugleich kassiert Osram für weitere zehn Jahre Lizenzgebühren aus dem Verkauf von LED-Lampen durch die Chinesen. Knapp 100 Millionen Euro werden so nach Expertenschätzungen in die Osram-Kasse fließen. Gemeinsam mit dem Verkaufserlös dürfte damit der in den Bilanzen stehende Wert von 500 Millionen Euro für die Lampensparte eingespielt werden – wenn auch teilweise zeitversetzt.

Während die Investition in Malaysia mit Risiken behaftet ist, läuft es am Standort Regensburg wie geschnitten Brot. Wegen der hohen Nachfrage nach spezialisierten Halbleiterprodukten drückt Technikvorstand Stefan Kampmann auf die Tube und fährt die Chip-Produktion hoch. Das Werk stellt Bauteile für die Autoindustrie, für Smartphones und für Virtual-Reality-Brillen her. Vor allem das Handy-Geschäft gilt als zukunftsträchtig, da immer mehr Smartphone-Hersteller auf Chips zur Iris-Erkennung setzen. Für das Geschäftsfeld Opto Semiconductors (OS) erwartet Osram denn auch im kommenden Jahr eine deutliche Umsatzsteigerung. Diese soll nach eigenen Schätzungen „im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich liegen“. Aufgrund anfänglicher Investitionskosten dürfte der Free Cash-Flow der OS-Sparte allerdings deutlich unter dem Vorjahr liegen.

Mit helleren Straßen und Städten zu mehr Umsatz

Im Bereich Spezialleuchten (Specialty Lighting, kurz SP genannt) geht der Konzern von einem moderaten Wachstum im kommenden Jahr aus. Zwar soll die SP-Sparte stärker wachsen als die globale Automobilproduktion, für die ein Wachstum von zwei Prozent vorausgesagt wird. Doch ob das gelingt erscheint fraglich. Schließlich soll die Weltwirtschaft höchstens um drei Prozent wachsen – in der Vergangenheit ein limitierender Faktor für Spezialleuchten. Besser sieht es im Bereich Lighting Solution (LSS) aus. Die Osram-Sparte, die moderne Lichtkonzepte in Städten und Gebäuden realisiert, soll weiter ausgebaut werden. Osram erwartet hier für das Geschäftsjahr 2017 eine fortgesetzte Wachstumsdynamik und deutlich höhere Umsätze. Ob dies auch zu mehr Gewinn führt, bleibt abzuwarten.

Insgesamt prognostiziert Osram für 2017 mit fünf bis sieben Prozent ein ähnliches Wachstum wie 2016. Der Konzern strebt eine bereinigte EBITDA-Marge von mindestens 16 Prozent an, im Vorjahr waren es 17,2 Prozent. Der Gewinn nach Steuern dürfte leicht zurückgehen. Das verwässerte Ergebnis je Aktie soll – unter Berücksichtigung des planmäßig fortgeführten Aktienrückkaufprogramms – zwischen 2,35 und 2,65 Euro liegen. Aktionären dürfte das wenig schmecken, das Ergebnis je Aktie lag 2016 mit 5,12 Euro doppelt so hoch. Auch der Free Cash Flow geht zurück und soll 2017 maximal ausgeglichen sein. Osram räumt ein, dass das Geschäftsjahr 2017 „eine Zäsur“ darstellt. Denn mit dem Verkauf der Lampensparte verschwinde ein wesentlicher Teil des Unternehmens. Die Fokussierung auf Umsatzwachstum und technologischen Fortschritt werde aber schon bald Früchte tragen. Damit Aktionäre bei der Stange bleiben hält Osram ein Bonbon parat: Die Dividende wird um zehn Prozent erhöht. Für das Geschäftsjahr 2016 soll ein Euro je Aktie ausgeschüttet werden, für 2017 ist die gleiche Dividende angestrebt.

Analysten uneins

Der Deutschen Bank gefällt die Strategie. Analyst Uwe Schupp hob jetzt das Kursziel von 60 auf 66 Euro je Aktie an und beließ die Einstufung auf „Buy“. „Osram leuchte heller denn je“, so sein aktuelles Credo. Ähnlich sehen es auch Commerzbank und UBS, die das Kursziel auf jeweils 60 Euro anhoben. Im Gegensatz dazu sieht die Hamburger Sparkasse die Zukunft weniger rosig. Aufgrund des leicht rückläufigen Wachstums und hoher Investitionskosten empfiehlt Analyst Peter Olofsen die Aktie zu „reduzieren“. Sein Kursziel liegt mit 47 Euro deutlich unter dem aktuellen Kurs. In das gleiche Horn bläst die britische Barclays Bank. Da die Aktie nach wie vor „teuer“ sei, plädiert Analyst Gerardus Vos für „reduzieren“ und gibt ein Kursziel von 40 Euro aus.