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Nordex-Prognoseerhöhung beeindruckt Anleger nicht

Der Windenergiekonzern Nordex hat erstmals Zahlen vorgelegt, in denen die übernommene Acciona Windpower konsolidiert wird. Die Ergebnisse beeindrucken die Analysten, nicht jedoch die Anleger.

Eigentlich ist es ein guter Tag für Nordex-Aktionäre: Der Umsatz des Windanlagenherstellers ist im ersten Halbjahr 2016 um 34,9 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro gestiegen. Grund ist vor allem der Zukauf des Windgeschäfts von Acciona, eines spanischen Baukonzerns.

© Nordex

Unter dem Strich verdiente Nordex so 51 Millionen Euro in den ersten sechs Monaten des Jahres 2016. Das entspricht einem Zuwachs von 38,2 Prozent verglichen mit der entsprechenden Vorjahresperiode. Der Nordex-Vorstand erhöht dann auch die Prognosen.

Dennoch fällt der Aktienkurs des TecDax-Unternehmens am Donnerstag, 28. Juli 2016, nach Verkündung der Zahlen bis zum Mittag überraschend um rund 3,5 Prozent. Offenbar hatten viele Anleger bereits im Vorfeld mit den guten Halbjahreszahlen der Nordex SE gerechnet.

Diese spiegeln erstmals die Übernahme der spanischen Acciona Windpower (AWP) wider, die seit dem 1. April 2016 im Konzern konsolidiert wird.

Im zweiten Quartal lag der Anteil von AWP am Auftragseingang der Gruppe bereits bei 53,6 Prozent. Dieser Anteil werde der Nordex-Geschäftsführung zufolge in der zweiten Jahreshälfte sogar noch steigen. Insgesamt hat das Rostocker Unternehmen ein Neugeschäft von mehr als 1,3 Milliarden Euro verzeichnet.

Der Auftragseingang im Heimatmarkt Deutschland stieg um 30 Prozent auf 525 Millionen Euro. In Nord- und Südamerika, der nun zweitbedeutendsten Region des Konzerns, lag das Neugeschäft bei 288 Millionen Euro.

„Ich bin zuversichtlich, dass wir unser Neugeschäft und den Umsatz im zweiten Halbjahr 2016 weiter ausbauen werden“, ließ sich Lars Bondo Krogsgaard in der Pressemitteilung des Unternehmens zitieren. „Dabei ist ein erheblich höherer Anteil aus neuen Märkten und aus den USA erkennbar“, so der Konzernchef.

Vor diesem Hintergrund erwartet Krogsgaard im zweiten Halbjahr auch eine leichte Abschwächung der Projektqualität. Sie ist bedingt durch höhere Umsätze in Brasilien und Indien, wo Nordex Ende 2016 das erste Projekt abwickelt. In Kürze wird das indische Werk ans Netz gehen. Daneben verfügt der Konzern jetzt über Werke in Deutschland, Spanien, Brasilien und den USA.

© Nordex

Die Konzernleitung geht weiterhin davon aus, dass der Umsatz der Nordex SE im Geschäftsjahr 2016 auf insgesamt 3,35 bis 3,45 Milliarden Euro klettern wird. Dies entspricht dem kombinierten Umsatz, den Nordex und Acciona Windpower 2015 erwirtschaftet hatten.

Vor allem der Anstieg des Ebitda (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) um 55 Prozent auf 136,6 Millionen Euro im ersten Halbjahr hat die Konzernführung zudem bewogen, die Gewinnprognose zu erhöhen. Für das Gesamtjahr 2016 rechnet der Nordex-Vorstand um Lars Bondo Krogsgaard nun mit einer nach oben angepassten Ebitda-Marge zwischen 8,3 und 8,7 Prozent. Bisher lag der Zielwert bei mehr als 7,5 Prozent.

Was die Nordex-Führung bislang nur am Rande erwähnt: Die Kosten der Zusammenführung beider Gesellschaften wird zu „erhöhten Einmalaufwendungen“ führen. Diese werden in der Pressemitteilung allerdings nicht näher beziffert.