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Midea will mit Kuka Haushaltsroboter bauen

Das Übernahmeangebot des chinesischen Konzerns Midea für das Augsburger Robotikunternehmen Kuka hat einen Kurssprung der Kuka-Aktie ausgelöst. Dabei sind die Chinesen gar nicht an einer Übernahme interessiert.

Der chinesische Haushaltsgerätehersteller Midea will bei dem deutschen Roboter- und Anlagenbauer Kuka kräftig mitmischen. Laut Mitteilung vom 18. Mai 2016 bieten die Chinesen den Kuka-Anteilseignern 115 Euro je Kuka-Aktie. Am Vortag hatten die Kuka-Anteilsscheine noch 84,41 Euro gekostet. Dem freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot liegt damit eine Bewertung Kukas durch Midea von knapp 4,5 Milliarden Euro zugrunde.

© Kuka

Midea hält bereits seit Längerem 10,2 Prozent der Kuka-Aktien. Größter Anteilseigner ist jedoch weiterhin der deutsche Konzern Voith mit 25,1 Prozent. 10 Prozent hält zudem die Swoctem GmbH des Unternehmers Friedhelm Loh. Durch das eigene Angebot möchte sich Midea nun mindestens 30 Prozent der Kuka-Anteile sichern; an diese Mindestannahmequote ist die Offerte geknüpft.

Eine Beherrschung streben die Chinesen eigenen Angaben zufolge allerdings nicht an. Midea würde daher nicht nur einen Verbleib des bisherigen Managements, sondern auch der beiden großen deutschen Kuka-Aktionäre begrüßen, so der Konzern.

„Wir glauben, eine breite Aktionärsstruktur ergibt die richtige Balance, um die Unabhängigkeit Kukas zu bewahren und zugleich beide Unternehmen in die Lage zu versetzen, künftiges Wachstum durch Zusammenarbeit voranzutreiben“, so Midea-Chef Paul Fang in einem Statement.

Wie er sich die künftige Zusammenarbeit mit den Deutschen vorstellt, dazu hat sich der Midea-CEO ebenfalls geäußert. So sehe er seinen Konzern, der mit rund 100.000 Mitarbeitern im vergangenen Geschäftsjahr rund 18,7 Milliarden Euro vor allem in China umgesetzt hat, im Hinblick auf die Lieferkettenoptimierung als wichtigen Partner für Kuka.

Zumal Kuka China zuletzt immer stärker in den strategischen Fokus gerückt hat, was sich auch am kräftigen Mitarbeiteraufbau im Reich der Mitte niedergeschlagen hat. Von den rund 12.400 Mitarbeitern weltweit arbeiten inzwischen rund 1800 in Asien.

Auch im Hinblick auf die Produktion und die Finanzierung künftiger gemeinsamer Produkte bezeichnet Midea die Deutschen als „seinen Wunschpartner“. Wobei Fang vor allem auf Synergien zwischen Robotik und smarter Haushaltstechnik setzt. Eine Sparte, in die Midea seit 2015 kräftig investiert.

Weiteres Potenzial sehen die Chinesen in der Logistiksparte Kukas. Die Deutschen hatten Ende 2014 den Schweizer Logistikspezialisten Swisslog übernommen, der auf integrierte Automatisierung von Lagern, Verteilzentren und Krankenhäusern spezialisiert ist. So versucht Kuka die Abhängigkeit von der Automobilindustrie zu reduzieren, die noch immer rund 35 Prozent der Konzernerlöse von knapp drei Milliarden Euro jährlich ausmachen.

An der Börse kamen die Pläne der Chinesen am Mittwoch gut an. Die Aktie legt einen Kurssprung von rund 30 Prozent auf rund 110 Euro hin. Midea biete Aktionären „einen ausgesprochen attraktiven Ausstieg an“, sagte Finanzanalyst Holger Schmidt von der Equinet Bank dazu.


Die Investition in Kuka bestätigt im Übrigen eine Untersuchung der Technischen Universität München, wonach chinesische Investoren hierzulande vor allem ein Auge auf den deutschen Mittelstand geworfen haben. Kleinere Technologieführer hätten es ihnen besonders angetan. Unternehmen also, die oft als „Hidden Champions“ bezeichnet werden.

© Kuka

Das Beratungshaus EY hat dann auch ermittelt, dass China etwa im Jahr 2014 immerhin 38 Prozent seiner Investitionen in Europa auf Deutschland konzentriert habe. Ein regionaler Schwerpunkt der Zukäufe liegt nach Informationen von „Invest in NRW“ tatsächlich in Nordrhein-Westfalen, immer noch Deutschlands größtes Industriebundesland.

Ansiedlungen von Unternehmenszentralen gäbe es insbesondere in Düsseldorf. Weitere regionale Schwerpunkte liegen nach der EY-Analyse in Bremen, Berlin und Stuttgart.

„Die hohe Investitionsbereitschaft der Chinesen in Europa dürfte in den kommenden Jahren anhalten“, sagt Yi Sun, Partnerin bei EY Deutschland und Leiterin der China Business Services Deutschland, Österreich und Schweiz. „Chinesische Unternehmen wollen mit hochwertigen Produkten auf dem Weltmarkt ganz oben mitspielen. Dafür brauchen sie auch das Know-how aus Europa.“

Sie sieht in dem guten Ruf des Standortes Deutschland in China den Grund für die hohen chinesischen Investitionen: „Zahlreiche chinesische Investoren haben sich bereits erfolgreich in Deutschland angesiedelt und verbreiten ihre positiven Erfahrungen in ihrem Heimatland. Verglichen mit anderen europäischen Staaten finden sie in Deutschland einen hohen Innovationsgrad und ein stabileres Wirtschaftswachstum“, sagt Sun.

Zu den bekannteren Investitionen in solche Industrieunternehmen oder deren komplette Übernahmen gehören folgende Käufe chinesischer Investoren in Deutschland:

  • Sany Group: Der chinesische Baumaschinenkonzern Sany kaufte im Jahr 2012 erstmlas groß in Deutschland zu. Sany erwarb gleich einen Technologieführer in einer Spezialbranche, dem Bau von Betonpumpen. Der deutsche Putzmeister-Konzern war den Chinesen 500 Millionen Euro wert, Putzmeister galt auch als Weltmarktführer in dieser Branche.
  • XCMG: Im Juli 2012 kaufte der seinerzeit drittgrößte Maschinenbauer Chinas die Mehrheit des hiesigen Betonpumpenproduzenten Schwing. XCMG, selbst im Jahr 1989 gegründet, erwarb seinerzeit 52 Prozent der Anteile des nordrhein-westfälischen Konzerns.
  • North Lingyn Industrial: Auch reine Staatskonzerne bedienen sich gerne in Deutschland. Chinas staatlicher Industriekonzern North Lingyn Industrial etwa übernahm ebenfalls im Jahr 2012 das deutsche Unternehmen Kiekert. Die Gesellschaft ist spezialisiert auf Türschlösser, vielfach als Zulieferer für die Autoindustrie, aber auch in Bussen und Bahnen beispielsweise kommen Kiekert-Schließsysteme zum Einsatz.
  • Hanwha Q CELLS: Im Oktober 2012 kaufte sich das chinesische Unternehmen Hanwa beim insolventen deutschen Solarunternehmen Q-Cells ein. Gemeinsam avancierten die Chinesen zum weltweit größten Hersteller von Dünnschichtmodulen. Hanwha Q CELLS ging im Februar 2015 aus der Fusion von Hanwha Q CELLS mit Hanwha SolarOne hervor, ist an der New Yorker Börse im Aktienindex Nasdaq gelistet – und hat seinen Hauptsitz in Südkorea und Deutschland.