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Metro: Viele ungeklärte Details

Auf der Hauptversammlung am 6. Februar sollen Aktionäre über die geplante Aufspaltung des Handelskonzerns abstimmen. Doch der Streit mit Minderheitsgesellschafter und Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals schwelt weiter. Gleichzeitig sind viele Folgen und Risiken der Aufspaltung nicht geklärt. Was bedeutet das für Aktionäre?

Fast 250 Seiten zählt der im Vorfeld zur Hauptversammlung veröffentlichte Spaltungsbericht. Umfangreich erklären die Vorstände des Metro AG und der Metro Wholesale & Food Specialist AG (MWFS AG) darin, was sie mit der Aufspaltung bezwecken und wie diese konkret aussehen soll: Die bisherige Metro AG soll als künftige Ceconomy AG weiterbestehen und das Geschäft mit Unterhaltungselektronik bündeln. Das Großhandels- und Lebensmittelgeschäft will Metro als eigenständige, börsennotierte Gesellschaft abspalten und unter dem etablierten Namen Metro AG führen.

Doch trotz der Informationsflut in dem Spaltungsbericht bleiben für Aktionäre viele Fragen offen. Noch immer ist etwa der Streit mit Minderheitsgesellschafter und Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals nicht beigelegt. Auch die zuletzt angestrebte Mediation hat kein Ergebnis gebracht. Kellerhals hält zwar nur eine Minderheitsbeteiligung von rund 22 Prozent an Media-Saturn, verfügt aber über umfassende Vetorechte. Seit Jahren machen Kellerhals und Metro-Chef Olaf Koch sich gegenseitig das Leben schwer. Nicht wenige Beobachter halten die geplante Aufspaltung daher für einen verzweifelten Schritt, Kellerhals endlich in die Schranken zu weisen. Bei der Abspaltung hat Kellerhals keinerlei Mitspracherecht, da allein die Anteilseigner der Metro abstimmen dürfen. Und nach der Abspaltung wäre Koch seinen Kontrahenten bei der „neuen“ Metro AG los. Nicht wenige Analysten trauen der Aktie deshalb einen Befreiungsschlag zu, wenn der „Kellerhals-Abschlag“ der Vergangenheit angehört.

© Metro

Dass Kellerhals jedoch bei der neuen Ceconomy AG Ruhe die Streitaxt begraben wird, halten selbst Optimisten wiederum für unwahrscheinlich. Möglicherweise könne der Media-Saturn-Gründer bei der neuen Elektronikhandels-Aktie sogar Dividendenzahlungen blockieren, glauben nicht wenige Gesellschaftsrechtler. Der Grund: Kellerhals forderte bereits vor Monaten, die Eigenkapitalbasis der Consumer-Eletronic-Sparte um mindestens 100 Millionen Euro zu stärken, um Investitionen zu finanzieren. Die Gewinne von Media-Saturn müssten wieder in das Geschäft reinvestiert werden, anstatt an die Metro zu gehen, so sein Argument. Beim Metro-Vorstand stieß er damit bislang auf taube Ohren. Media-Saturn sei liquiditätsstark und nahezu schuldenfrei, so ein Metro-Sprecher. Für eine Liquiditätsspritze gebe es daher keinen Anlass.

Nicht nur der Konflikt mit Kellerhals, auch viele Details zur geplanten Aufspaltung sind ungeklärt. So fragen sich nicht wenige Aktionäre, ob man angesichts des hohen Aufwands und vielfältiger, nicht absehbarer Risiken überhaupt von einem Mehrwert durch die Trennung sprechen könne. Metro selbst veranschlagt die Kosten für die Aufspaltung auf rund 100 Millionen Euro, was jedoch vergleichsweise gering erscheint. Mögliche Anfechtungsklagen sind in diesem Betrag sicherlich nicht eingerechnet. Mutmaßliche Steuerrisiken auch eher nicht.

Mehrere Beobachter beschäftigt beispielsweise die Frage, ob durch die Aufspaltung immense Verlustvorträge in Höhe von schätzungsweise mehr als 500 Millionen Euro verloren gehen könnten: „Hat Metro dazu eine verbindliche Auskunft von der Finanzverwaltung eingeholt? Und wenn nicht, wieso nicht?“ Auch die Frage, ob durch die Aufspaltung sofort oder in einigen Jahren Grunderwerbsteuer fällig werde, ist in den Augen einiger Aktionäre völlig ungeklärt. Spätestens bei der Hauptversammlung wird der Metro-Vorstand Farbe bekennen und sich zu den Risiken äußern müssen. Dann erscheint die von Metro bislang ausschließlich positiv dargestellte Aufspaltung vielleicht in einem anderen Licht.