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Metro: Neuer Schlichter soll für Frieden sorgen

Die freien Aktionäre des Handelskonzerns sind Geiseln in einem Machtkampf zwischen dem Vorstand und Media-Saturn-Gründer Kellerhals. Sollten sie die Aktie jetzt besser verkaufen? Oder kehrt jetzt doch bald Ruhe in das Unternehmen ein?

Wenn der Unterhaltungswert eines Unternehmens Treiber für seinen Aktienkurs wäre, der Handelskonzern Metro wäre ohne Zweifel einer der erfolgreichsten Börsenunternehmen der vergangenen Jahre. Seit Jahren streiten sich Metro-Chef Olaf Koch und der deutsch-österreichische Milliardär Erich Kellerhals wie die Kesselflicker um die Macht bei der Elektronikhandelskette Media Saturn.

Dazu muss man wissen: Die Metro hält mehr als drei Viertel der Anteile an der Media Saturn Holding (MSH), Media-Saturn-Mitgründer Kellerhals kontrolliert etwas über 20 Prozent, verfügt aber aber über weitreichende Vetorechte. Die Folge: Die Aktionäre der Metro werden durch wechselseitige Angriffe, bisweilen sogar Beschimpfungen im Stil einer zweitklassigen Seifenoper unterhalten. Wer sich die Aktie irgendwann mal gekauft hat, weil er auf Kurssteigerungen gehofft hatte, guckt aber in die Röhre. Ende 2011 notierte die Aktie bei gut 28 Euro, Anfang November waren es weniger als 27 Euro. Nur zum Vergleich: Der Dax hat in den vergangenen fünf Jahren rund 70 Prozent zugelegt.

Es ist also offensichtlich, dass der Streit zulasten der Metro-Aktionäre geht. Deshalb ist eines klar: So, wie bisher, darf es nicht weitergehen. Das sehen sogar alle Protagonisten so. Erst versuchte Jürgen Fitschen, früher Co-Chef der Deutschen Bank, zwischen Koch und Kellerhals zu schlichten. Ohne Erfolg. Inzwischen treibt Koch die Aufspaltung der Metro in zwei eigenständige Aktiengesellschaften voran. Die eine Aktie steht für das Metro-Cash & Carry-Geschäft und die Supermarktkette Real, die zweite Aktie Unterhaltungselektronik, also Media Markt und Saturn. Allerdings hat der Aufspaltungsplan einen Schönheitsfehler: In der künftigen Media-Saturn-Aktie könnte der Streit munter weitergehen, Kellerhals hat bereits durchblicken lassen, dass er dort die Ausschüttung einer Dividende blockieren könnte. Und wer investiert schon in eine Aktie ohne Dividendenaussicht?

Metro-Aktionäre sollten in den kommenden Monaten hellwach bleiben. Im Dezember will der Düsseldorfer Konzern seinen Aufspaltungsplan im Detail veröffentlichen. Im Februar sollen die Aktionäre auf der Hauptversammlung die Aufspaltung dann absegnen. Aber sind sie auch gut beraten, dass zu tun?

Solange kein Frieden einkehrt zwischen Kellerhals und Koch, sollten die Aktionäre sich eine eigene Strategie überlegen: Jetzt bald die Aktie verkaufen, und wenn die Spaltung auf der Hauptversammlung durchgeht, kann sich jeder an der Aktie beteiligen, die er im Depot haben will: Eine Cash&Carry/Real-Aktie mit der Chance auf eine Art Friedensdividende oder eine Media-Saturn-Aktie, die vielleicht eher was für risikofreudigere Investoren ist, weil hier die Fortsetzung des Streits droht.

Die Alternative ist, dass doch noch Frieden zwischen Koch und Kellerhals einkehrt. Kellerhals hat kürzlich einen neuen Schlichter vorgeschlagen, Clemens Johannes Vedder. Alles, was man über den Mann so lesen kann, ist, dass er wohl nicht auf der Liste für den Friedensnobelpreis steht. Aber er kennt sich im Handel aus.

Wer darauf setzt, dass es Vedder gelingt, Frieden zwischen Koch und Kellerhals zu stiften, der sollte in der Metro-Aktie investiert bleiben. Denn dann winkt ein ansehnliches Kursplus.

Wer aber skeptisch ist, sollte besser bald verkaufen.