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Metro: Geteiltes Leid oder doppelte Freud?

Unternehmensaufspaltungen sind in Mode. Erst Eon, dann RWE – und jetzt der Handelskonzern Metro. Aber die Aufspaltung von Unternehmen kommt an der Börse keineswegs immer gut an, wie das Beispiel des Energieriesen Eon zeigt. Auch im Fall Metro drohen Risiken. Wie sollen die Aktionäre auf der Hauptversammlung am 6. Februar abstimmen?

Aus Sicht des Metro-Vorstands bringt die geplante Aufteilung des Konzerns für die Aktionäre nur Vorteile: Zwei starke, strategisch fokussierte Unternehmen sollen entstehen, die bei reduzierter Komplexität ihr jeweiliges Kerngeschäft ausbauen könnten. Auf dem Capital Markets Day der Metro im Dezember präsentierte der Konzern erstmals auch die vorgesehenen Firmennamen sowie Markenpositionierungen: Während die bisherige Metro AG als künftige Ceconomy AG weiterbestehen und das Geschäft mit Unterhaltungselektronik bündeln soll, will Metro das Großhandels- und Lebensmittelgeschäft als eigenständige, börsennotierte Gesellschaft abspalten und unter dem etablierten Namen Metro führen.

Die Trennung der Metro in zwei unabhängige Gesellschaften wird den Aktionären im Verhältnis 1:1 vorgeschlagen. Insofern erhält jeder Aktionär der bisherigen Metro AG zusätzlich zur Ceconomy-Aktie eine Aktie der neuen Metro AG. Über die Abspaltung soll die Hauptversammlung am 6. Februar in Düsseldorf abstimmen. Die drei Ankeraktionäre – die Familien Haniel, Schmidt-Ruthenbeck und Beisheim, denen rund 50 Prozent der Stimmrechte gehören – haben bereits ihre Zustimmung signalisiert. Mitte des Jahres soll die Aufspaltung vollzogen sein.

© Metro

Auf den ersten Blick sieht alles nach einem guten Geschäft für Aktionäre aus: Die neue Metro AG ist ein international führender Spezialist für den Groß- und Lebensmittelhandel. Sie besteht im Wesentlichen aus Metro Cash & Carry und Real, hinzu kommen noch Belieferungsspezialisten und weitere Gesellschaften. Der Umsatz der Sparte Cash & Carry legte im Geschäftsjahr 2015/16 flächenbereinigt um 0,6 Prozent zu, im Belieferungsgeschäft stieg der Umsatz sogar um 17,9 Prozent. Insgesamt trug das Großhandels- und Lebensmittelgeschäft von Metro rund zwei Drittel zum Konzernumsatz in Höhe von 58,4 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2015/16 bei. Ceconomy ist mit ihrer Tochter Media-Saturn wiederum die europäische Nummer eins im Consumer-Electronics-Markt – gemessen am Umsatz von 22 Milliarden Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr. Und es soll noch mehr werden. „Wir haben fast zwei Milliarden Kundenkontakte im Jahr. Ich bin überzeugt: Unsere besten Jahre kommen erst noch“ so Pieter Haas, designierter Vorstandsvorsitzender der künftigen Ceconomy.

Auch an der Börse entwickelte sich so etwas wie Vorfreude auf die Aufspaltung. Die Metro-Aktie hat Anlegern nach vielen eher mauen Jahren bereits im Börsenjahr 2016 wieder mehr Freude bereitet. Immerhin legte der Anteilschein um fast 20 Prozent zu, Anleger kassierten zudem insgesamt 327 Millionen Euro Dividende. Auch für das abgelaufene Geschäftsjahr soll die Dividende unverändert einen Euro je Stammaktie betragen. Ohne den sogenannten Konglomeratsabschlag, der allgemein großen Gemischtkonzernen mit erfolgreichen Marken zugeschrieben wird, trauen viele Analysten den Einzelnotierungen außerdem erhebliches Kurspotenzial zu.

Friede, Freude, Eierkuchen also? Schön wär's. Dass die Aufspaltung des Handelskonzerns den Aktionären künftig steigende Kurse und Dividenden beschert, ist höchst ungewiss. Quelle der Unsicherheit sind die ewigen Streitigkeiten zwischen dem Metro-Vorstand und dem Minderheitsgesellschafter und Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals. Der hält zwar nur eine Minderheitsbeteiligung von rund 22 Prozent an Media-Saturn, verfügt aber über umfassende Vetorechte. Seit Jahren blockieren Kellerhals und Metro-Chef Olaf Koch sich gegenseitig. Und damit soll jetzt Schluss sein?

© Metro

Bei der jetzt angepeilten Aufspaltung hat Kellerhals laut Metro-Chef Koch „keinerlei Störpotenzial“, die Entscheidung darüber sei einzig Sache der Anteilseigner von Metro. Was die Technik der Transaktion angeht, mag das stimmen. Was die künftige Entwicklung der beiden Aktien angeht allerdings nicht. Denn der Streit zwischen Koch und Kellerhals verschwindet nicht, er wird bestenfalls verlagert – und das zu beträchtlichen Kosten.

Die Aufspaltung ist ausgesprochen aufwändig, umständlich und teuer. Sie kostet mehr als 100 Millionen Euro, nicht zuletzt, weil auch der Fiskus bedient werden will. Und ob sie tatsächlich so flott durchgeht, wie Koch & Co sich das vorstellen, ist keineswegs sicher. Es wäre nicht der erste Fall, in dem Anfechtungsklagen Erfolg haben...

Und dass die beiden getrennten Unternehmenseinheiten sich so flott entwickeln, wie Koch prophezeit, bezweifelt nicht nur Kellerhals. Der Media-Saturn-Gründer forderte zuletzt, die Eigenkapitalbasis der Consumer-Eletronic-Sparte um mindestens 100 Millionen Euro zu stärken, um Investitionen zu finanzieren. Sein Argument: Die Gewinne von Media-Saturn müssten wieder in das Geschäft reinvestiert werden, anstatt der Metro zuzufließen. Bei der Metro-Gruppe sieht man dagegen für eine Finanzspritze keinen Anlass. Media-Saturn sei ein liquiditätsstarkes Unternehmen und nahezu schuldenfrei, so ein Metro-Sprecher.

Der Konflikt um die angemessene Kapitalausstattung ist nur ein Streitpunkt von vielen. Beispielsweise glauben manche Gesellschaftsrechtler, Kellerhals hätte gute Chancen, bei der neuen Elektronikhandels-Aktie Dividenenzahlungen zu blockieren oder wenigstens zu verschleppen. Die grundsätzliche Frage, die alle freien Metro-Aktionäre sich stellen müssen lautet deshalb schlicht: Können wir dieser Transaktion unter den bestehenden Rahmenbedingungen bei der Hauptversammlung am 6. Februar tatsächlich zustimmen? Oder muss die Metro jetzt alles tun, um eine friedliche Lösung mit Kellerhals zu erreichen?

Eine gute Prognose hätten die beiden Metro-Aktien sicherlich nur, wenn ein Friedensvertrag zustande käme. Ansonsten bliebe speziell die neue Ceconomy-Aktie ein ausgesprochen riskantes Investment.