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Gespalten in eine bessere Zukunft

Siemens und Osram haben es vorgemacht, jetzt spaltet sich der IT-Riese und PC-Pionier Hewlett-Packard überraschend auf. Der Höhepunkt des Abspalt-Trends dürfte noch nicht erreicht sein.

Hewlett-Packard spaltet sich auf, Ebay will seinen Bezahldienst PayPal in die Unabhängigkeit entlassen, General Electric, Time Warner und die Publishing-Gruppe Gannett haben den Trend zuvor angeheizt.

In Deutschland hat zuletzt der Abschied des Elektronikherstellers Philips von seiner Lichtsparte Schlagzeilen gemacht, genauso der zunehmende Fokus von Siemens auf das Energiegeschäft, in dessen Verlauf die Trennung von Osram durchgezogen wurde.

Philips will die Konsumenten- und Gesundheitstechnik zu einem Geschäftsfeld mit 15 Milliarden Euro Umsatz bündeln. Für die Lichttechnik wird eine alternative Eigentümerstruktur gesucht und ein direkter Zugang zum Kapitalmarkt geprüft.

Vor allem zwei Treiber schieben den Boom bei „Firmenscheidungen“ an, wie Experten die Splits nennen: Die Suche nach Mehrwert für die Aktionäre in einer langsamer wachsenden Wirtschaft sowie der Druck aktivistischer Hedgefonds, die Mehrwert in stärker fokussierten und schlagkräftigeren Firmen suchen. Die Erfahrung zeigt: Investoren fahren mit diesem Trend, dem sogar ein ETF von Guggenheim gewidmet ist, überwiegend ganz gut.

Hewlett-Packard-Vorstandschefin Meg Whitman wird das neue „Enterprise"-Unternehmen führen. Es soll sich auf Hardware und Dienstleistungen für Firmen konzentrieren. Der für PCs und Drucker zuständige Vizepräsident Dion Weisler wird Chef des zweiten Unternehmens, das auf diesen Produkten basiert. Es wird künftig HP Inc. heißen.

Beide neuen Unternehmen sind mit etwas mehr als 55 Milliarden Dollar Umsatz etwa gleich groß. Damit vollzieht Whitman nach zweieinhalb Jahren auf dem Chefsessel eine scharfe Kehrtwende. Sie hatte sofort nach Amtsantritt Pläne von Vorgänger Léo Apotheker für einen Verkauf der PC-Sparte beerdigt. Jetzt, so die Erklärung am Montag, sei HP mit Blick auf die Bilanz und das Führungsteam besser für diesen Schritt aufgestellt.

„HP gelangt durch diesen Schritt in eine bessere Position.“
Peter Wahlstrom, Analyst, Morningstar

Die Aktionäre würden im kommenden Jahr durch eine steuerfreie Transaktion an beiden Unternehmen beteiligt, heißt es bei HP. Details werden demnach erst noch ausgearbeitet. „Die Aktionäre können sich in beiden neuen Firmen engagieren, ohne befürchten zu müssen, dass sie eine Sparte mit der anderen subventionieren“, sagt der frühere HP-Chairman und Gründer von Relational Investors, Ralph Whitworth.

„HP gelangt durch diesen Schritt in eine bessere Position“, kommentiert der Morningstar-Analyst Peter Wahlstrom, „aber das Unternehmen bleibt in einem heiß umkämpften Markt.“ Die HP-Aktien legten am Montag in New York nach Bekanntwerden der Nachricht um mehr als 5 Prozent zu. Der Preis für die Anteilscheine hat sich 2013 fast verdoppelt.


HP reiht sich mit dem angekündigten Schritt in eine lange Reihe von „Spinoffs“ ein. „Wenn der Aktienmarkt eine Waschmaschine wäre, dann wären wir jetzt irgendwo mitten im Hauptwaschgang“, sagt der amerikanische Tech-Kolumnist Paul La Monica. Der größte Spinoff im laufenden Jahr war die Abspaltung der Kreditkarten-Sparte Synchrony Financial von General Electric durch ein Börsendebüt.

© TimeWarner

Mehr noch. Time Warner trennte sich vor ein paar Monaten von seiner Publishing-Gruppe Time Inc. Der USA Today-Herausgeber Gannett will seine Zeitungen vom TV-Geschäft abtrennen. Auch zahlreiche Konsumgüter-Hersteller gehen diesen Weg. Und die Handelskette Sears trennte sich im April von der Bekleidungssparte Lands Ende, die derzeit mit wachsenden Umsätzen und Gewinnen in der ansonsten schwierigen Retail-Landschaft Schlagzeilen macht und die Aktionäre erfreut.

Zahlreiche Spinoffs sind in Vorbereitung. Darunter beim Kleenex-Hersteller Kimberly-Clark, beim Autovermieter Hertz und bei der Buchkette Barnes & Noble. Hertz kündigte im Früjahr die Abspaltung seines Geschäfts mit dem Leasing von Ausrüstungen an.

Analysten und Fondsmanager in New York erwarten derartige Ankündigungen auch von einigen Telekomfirmen. Darunter könnten neben kleineren Wettbewerbern wie Windstream und CenturyLink auch große Player wie Verizon sein, vermutet der Herausgeber des Branchendienstes Spin-Off Research, Joe Cornell, der die Spinoffs systematisch analysiert.

Laut Cornell wurden im laufenden Jahr bereits so viele Firmen aufgesplittet wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Bei den Telekomfirmen vermutet Cornell als Treiber die Absicht, Anlagen in Immobilien-Trusts einzubringen und damit die Ausschüttung zu erhöhen. Welche Wucht die Spinoff-Serie hat und wie stark Investoren davon profitieren, lässt sich am Spin-Off-ETF von Guggenheim ablesen.

as Papier, das an der New York Stock Exchange gehandelt wird, legte seit Ende 2012 satte 60 Prozent zu. In den vergangenen zwölf Monaten betrug der Kurszuwachs immerhin 9 Prozent.


Welche Rolle die Aktivisten in den Hedgefonds bei diesem Trend spielen, zeigt am besten das Beispiel Ebay. Dort schlug Carl Icahn - mit 2,48 Prozent der sechstgrößte Investor – zuerst einen Verkauf und später die Abspaltung von 20 Prozent an PayPal durch ein IPO vor. Ebay-CEO John Donahoe hielt diese Trennung zunächst für „keine gute Idee.“ Doch unter dem wachsenden Druck der Aktivisten besann sich das Unternehmen eines Besseren.

Eine Rolle dürfte laut Beobachtern bei diesem strategischen Schwenk auch gespielt haben, dass Apple mit seinem neuen Bezahldienst Apple Pay die Kreditkartengiganten Visa und MasterCard ins Boot nimmt und den Wettbewerb in diesem Segment drastisch erhöht.

© istock / Jason Doiy

„Die Investoren ziehen einfach wendige und fokussierte Firmen vor“, sagt Cornell. Er sieht bis Ende des Jahres an die fünfzig Spinoff-Ankündigungen vorher. Das wären für 2014 mehr als in jedem Jahr seit den frühen 90ern. Mark Foster, der Chief Investment Officer beim Vermögensberater Kirr Marbach in Columbus, sieht aber nicht nur Treibjagd-Investoren am Werk.

„Wir haben es auch mit einer langsam wachsenden Wirtschaft zu tun“, sagt er, „die Firmen versuchen, Mehrwert für ihre Aktionäre zu erzeugen, und mit Spinoffs funktioniert das ganz gut.“

Studien wie die von der größten US-Bank JP Morgan und der Pennsylvania State University beweisen das. Demnach legen die Spinoffs trotz vorübergehender Schwäche in der Startphase, wenn sie bei den Aktionären noch nicht so gut eingeschätzt werden können und noch nicht überall bekannt sind, schon nach 18 Monaten im Schnitt 10 Prozent stärker zu als der Gesamtmarkt.

Aber nicht alle abgetrennten Firmen starten mit Verzögerung durch. Synchrony Financial, Ende Juli als GE-Ableger an der Börse eingeführt, hat seitdem knapp 9 Prozent zugelegt. Die ehemalige GE-Tochter war laut Wall Street Journal bis August das größte US-IPO im laufenden Jahr.

Wie lange der Spinoff-Boom anhält, vermag niemand genau zu sagen. Manche Beobachter sind vorsichtig mit Prognosen, weil sie bei nachlassender Konjunktur erwarten, dass auch dieser Trend einen oder zwei Gänge zurückschalten wird.

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