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Fresenius offenbar an US-Zukauf interessiert

Fresenius bietet nach Presseangaben 1,3 Milliarden Euro für eine Sparte des US-Konzerns Pfizer. Das Geschäft reiht sich ein in eine aktuell immer länger werdende Liste von Firmenkäufen und Verkäufen.

Bahnt sich der nächste milliardenschwere Zukauf eines deutschen Unternehmens an? Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters ist der Dax-Konzern Fresenius an dem Erwerb einer Sparte des US-Pharmariesen Pfizer interessiert, der mit seinen Viagra-Pillen bekannt geworden ist.

© Fresenius

Fresenius bietet umgerechnet rund 1,3 Milliarden Euro für das Pfizer-Geschäft mit Spritzenpumpen zur intravenösen Verabreichung von Medikamenten, berichtet Reuters. Allerdings sei der Deal alles andere als sicher: Noch habe sich Fresenius nicht gegen einen zweiten Bieter durchgesetzt, den britischen Medizintechnikkonzern Smiths Group.

Der Grund für den möglichen Verkauf des Spritzpumpengeschäfts durch Pfizer könnte darin liegen, dass der US-Pharmariese diese Unternehmenssparte nicht zu seinem Kerngeschäft zählt.

Am 3. September 2015 hatte Pfizer nämlich den US-Konkurrenten Hospira geschluckt, einen der weltweit führenden Hersteller von injizierbaren Medikamenten und Infusionstechnologien. Der Preis: 15 Milliarden Dollar. Doch die Infusionstechniken interessierten Pfizer dabei nur am Rande, die Amerikaner waren insbesondere an den Arzneimitteln von Hospira interessiert.

Entsprechend versucht das Unternehmen nun, dieses Spritzpumpengeschäft loszuwerden – nach Angaben von Reuters unter tätiger Mithilfe der US-Investmentbank Goldman Sachs. Fresenius wiederum betreibt dieses Geschäft bereits mit seiner Tochterfirma Kabi, die durch den möglichen Zukauf stärker auf dem US-Markt würde.


Kabi ist neben FMC, Helios und Vamed eine von derzeit vier Konzerntöchtern der Fresenius-Holding, und mit einem Umsatz von rund 5,95 Milliarden Euro im Jahr 2015 die zweitgrößte Sparte des Unternehmens. Das Geschäft mit Medikamenten und Medizinprodukten zur Infusion, Transfusion und klinischen Ernährung brachte im vergangenen Geschäftsjahr ein Ebit (Gewinn vor Steuern und Zinsen) von 1,189 Milliarden Euro ein.

© Fresenius

Übernahmen haben die Konzerntochter schon in der Vergangenheit geprägt. So entstand Kabi erst, nachdem die Bad Homburger der schwedischen Firma Pharmacia & Upjohn im Jahr 1999 das internationale Infusionsgeschäft aufgekauft hatten. Zum weiteren Wachstum haben dann zahlreiche zusätzlichen Übernahmen beigetragen.

So beispielsweise 2008 die Akquisition des nordamerikanischen Unternehmens APP Pharamceuticals, für das Fresenius umgerechnet rund 4,5 Milliarden Euro auf den Tisch legte. Damit eignete sich der Konzern Know-how im Geschäft mit Nachahmermedikamenten an, die nicht per Tablette oder in Wasser aufgelöst verabreicht, sondern injiziert werden müssen.

2013 gab Fresenius rund 900 Millionen Euro für die Übernahme von Fenwal aus, eines US-amerikanischen Klinik-Zulieferer, der das Kabi-Geschäft mit Bluttransfusionsgeräten stärkte.

Zuletzt kam die Übernahmemaschine Kabi allerdings etwas ins Stocken. So konnte sich Fresenius beispielsweise 2014 mehrfach nicht mit dem französischen Lebensmittelkonzern Danone über die Akquisition dessen Sparte für medizinische Ernährung einigen. Der potenzielle Wert dieser Sparte wurde damals auf bis zu fünf Milliarden Euro geschätzt.

Die jüngsten Spekulationen um Fresenius und Pfizer zeigen jedoch, dass wieder Bewegung in den Markt kommt.


Das sich abzeichnende Bietergefecht zwischen Fresenius und der Smiths Group reiht sich überdies ein in eine Reihe großer Übernahmen und Übernahmeversuche mit Beteiligung deutscher Unternehmen, die in der ersten Jahreshälfte 2016 bekannt geworden sind.

Angeführt von der 62 Milliarden Dollar schweren Offerte von Bayer für seinen US-Konkurrenten Monsanto, über das bis zu 4,5 Milliarden Euro schwere Gebot des chinesischen Unternehmens Midea für den Augsburger Roboterhersteller Kuka. Oder der Verkauf des deutschen Haushaltsgeräteherstellers WMF an den französischen Konkurrenten SEB für rund 1,5 Milliarden Euro.

Der aktuelle Übernahmeboom verdeckt den Blick dafür, dass hierzulande schon seit geraumer Zeit historisch hohe Summen für Firmenübernahmen ausgegeben werden. Im Jahr 2015 waren es beispielsweise 189 Milliarden Euro, hat die Beratungsgesellschaft Angermann ermittelt; sie ist auf das Übernahmegeschäft spezialisiert. Das sei der zweithöchste Wert seit dem Boomjahr 2000 gewesen.

Ein ähnliches Bild ergibt der Blick auf die Anzahl der Firmenkäufe und Verkäufe hierzulande. Nach Angaben des Beratungshauses PwC verzeichnete Deutschland im Jahr 2015 insgesamt 2648 Transaktionen, das habe einer Rekordsteigerung von 57 Prozent verglichen mit dem Vorjahr entsprochen. Dabei seien hierzulande 54 Prozent der Deals mit ausländischen Investoren realisiert worden.

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