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Hat VW seine Adhoc-Pflicht verletzt?

Ex-VW-Chef Martin Winterkorn hat früher als bisher gedacht von den Dieselgate-Täuschungen wissen können. Sollten die Risiken daraus klar gewesen sein, hätte VW die Anleger informieren müssen, sagen Experten.

Diese Bestätigung könnte Volkswagen noch länger beschäftigen: Nach Konzern-Angaben hat der ehemalige Volkswagen-Chef Martin Winterkorn bereits im Mai 2014 erste Hinweise erhalten, dass VW manche Abgasgrenzwerte bestimmter Dieselmotorenmodelle nur mit einer täuschenden Software auf den Prüfständen erreicht. Jetzt stellen sich für Anleger neue Fragen.

Hätte der Konzern schon zu diesem frühen Zeitpunkt die Investoren auf den möglichen Schaden für VW hinweisen müssen, der aus der Motorenmanipulation entstehen könnte? Experten verweisen darauf, dass Deutschlands Aktienrecht den Unternehmen vorschreibt, eine entsprechende Mitteilung immer dann zu geben, wenn das Management potenziell aktienkursbewegende Erkenntnisse erhalten hat.

VW-Anleger zielen nun genau auf diese Vorschrift ab. Und fordern Schadenersatz für Kursverluste ihrer Volkswagen-Aktien.

Volkswagen selbst bestreitet entsprechend, schon im Mai 2014 über Dieselgate informiert haben zu müssen. Denn erst am 18. September 2015 habe der Vorstand wesentliche Informationen zum Ausmaß des Skandals erhalten und damit auch zu den entsprechenden, möglichen Folgen für Volkswagen; an jenem 18. September 2015 hatte die US-Umweltbehörde den Dieselgate-Skandal publik gemacht.

© Volkswagen AG

Erst infolge dieser Entwicklung und den dann aufkommenden Schadenersatzforderungen gegen Volkswagen sei der potentiell hohe Schaden in Milliardenhöhe für VW selbst absehbar gewesen. Entsprechend habe Volkswagen auch nicht früher darüber informieren müssen und können.

Zuvor sei Volkswagen davon ausgegangen, dass rund 500.000 Fahrzeugbesitzer von den Motormanipulationen betroffen sein könnten. Das befürchtete Bußgeld daraus hätte deshalb im zweistelligen oder unteren dreistelligen Millionenbereich gelegen – und sei deshalb eben nicht potentiell kursrelevant gewesen.

Das Eingeständnis des Skandals erfolgte indes am 20. September 2015, der auf einen Sonntag fiel. Mit Start des Börsenhandels am folgenden Montag sackte der VW-Aktienkurs dann um hohe 20 Prozent ab. Rund zwölf Milliarden Euro Börsenwert gingen an diesem Tag verloren.

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