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Die letzte Metro...

Der amtierende Metro-Chef Olaf Koch hat unter Beweis gestellt, dass er Bilanzen analysieren, mit Finanzkennzahlen umgehen und gut Gitarre spielen kann – aber von den Erfolgsfaktoren im Handel versteht er offenkundig wenig. Wie lange schaut der Aufsichtsrat noch zu?

Erinnern Sie sich noch an die Ankündigungen des Metro-Lenkers, als er vor gut einem Jahr bei seinen Aktionären um die Zustimmung für die Aufspaltung des Handelskonzerns warb? Auf der Hauptversammlung im Februar 2017 versprach Koch mehr Power für die „neuen“ Unternehmensbereiche. Diese würden durch die Trennung besser und schneller werden. Schließlich gebe es für beide Bereiche künftig weniger Ablenkung durch eine gemeinsame Konzernstruktur, so Koch. Durch die Aufspaltung sollten Investoren und Analysten auch besser erkennen können, für welche Geschäftsmodelle die jeweiligen Unternehmen stehen.

Zweifel an Kochs Aufspaltungskalkulation gab es schon damals. Aktionärsvertreter Elsmann etwa mahnte, dass die Aufspaltung kein Allheilmittel für bestehende Baustellen sei. Doch Wortmeldungen kritischer Kleinaktionäre vermochten den Metro-Primus nicht aufzuhalten. Seit Eintragung des aufgespalteten Handelskonzernes in das Handelsregister operieren Lebensmittel mit den Metro-Großmärkten und Real sowie Elektrohandel mit Media Markt und Saturn in zwei selbstständigen Aktiengesellschaften. Letztere firmieren seither unter der Ceconomy AG. Wahrscheinlich war Koch tatsächlich von der Sinnhaftigkeit seiner Aktion überzeugt. Er war sicher, „eine neue Episode zu schaffen“.

Wunsch und Realität fallen auseinander

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Gut ein Jahr nach der Aufspaltung zeichnet sich das Ausmaß von Kochs einseitiger Kalkulation aus. Die Teilung des Konzerns entpuppt sich in Anbetracht des harten Wettbewerbes und der geringen Margen bestenfalls als Symptombehandlung.

Das Russlandgeschäft ist ein weiteres Sorgenkind des Konzerns. Eine schlechte Konjunktur und mangelnde Konsumausgaben sorgten für schwache Umsätze in der früheren Gewinnbringer-Region. Besonders hart traf es die unabhängigen Händler als größte Zielgruppe der Metro. Diese gingen geschwächt aus der Krise vor knapp vier Jahren hervor. Seitdem hat in Russland die Konkurrenz durch lokale Händler zugenommen.

Nächstes Problem ist die Tarifsituation mit der Metro-Tochter Real. Die zähen Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi hatten dem Konzern bis kürzlich zugesetzt.

Zusätzlich wachsen dem Handelsunternehmen die Kosten über den Kopf. Neben dem Umbauaufwand für die Teilung von knapp 100 Millionen Euro sind auch potentielle Sanierungskosten ein weiterer Grund für Negativprognosen.

Gewinnwarnung im April

Dann kam die Gewinnwarnung für das Geschäftsjahr 2017/18 und sorgte für massive Verkäufe. Die Metro korrigierte ihre Prognose im Rahmen dieser Ankündigung weiter nach unten. Die Warnung hängt seither wie ein Damoklesschwert über dem Unternehmen.

Manch einer sieht eine dramatische Entwicklung in dieser jüngsten Unternehmensgeschichte und so gab es schnell ein Bauernopfer. Pieter Boone räumte seinen Posten als COO Anfang Mai.

Es hat sich seit der Aufspaltung der alten Metro somit einiges ereignet – aber leider wenig zum Besseren. Vor allem hat sich keines der vollmundigen Versprechen bewahrheitet.

Das eigentliche Problem sitzt im Vorstand

Koch wurde in seiner Annahme, alles Erforderliche zur Neupositionierung des Konzerns getan zu haben, bitter enttäuscht. Ob die Teilung als Antwort auf die wahren Probleme des Unternehmens genügt, bleibt angesichts der Tatsachen wage. Die Kette Real verdient operativ auch weiterhin kaum Geld. Andere, zukunftsweisende Umstrukturierungen gibt es nicht.

Das eigentliche Problem war weniger das verschiedene Angebot, als vielmehr die Ignoranz des Managements, wichtige Impulse im Handelssegment zu setzen.

Und so heißt es weiterhin – abwarten. Doch worauf wartet der Aufsichtsrat? Der Konzern wird nicht von selbst wettbewerbsfähig. Wäre dies der Fall, müssten keine Vorstandsgehälter in Millionenhöhe gezahlt werden. Alleine für die Metro-Aufspaltung kassierte Koch angeblich mehr als zehn Millionen Euro - zusätzlich zu seinem Jahressalär von mehr als vier Millionen Euro.

Das noch größere Problem ist, dass 22,5% Metro-Großaktionär Haniel zusammen mit der Meridian Stiftung (14,19%) und der Beisheim-Holding (6,56 %) die Hauptversammlung kontrollieren. Auch sie ziehen keine personellen Konsequenzen aus der fortlaufenden Misere. Sollten sie die kontrollierte Talfahrt nicht als Strategie des Unternehmens befürworten, wären diese angesichts des jahrelangen Niedergangs mehr als geboten. Und die übrigen Aktionäre? Die schauen in die Röhre.

Die Aktie zeigt was alle bereits wissen

Analysten senkten flächendeckend ihre Kursziele für die Metro. So hat die Metro-Aktie nach Veröffentlichung der Zahlen für das erste Quartal 2018 erneut deutlich an Wert verloren. Zu Beginn der Aufspaltung im Juli 2017 stand die Aktie noch bei 18,30 Euro. Dann nahm die Talfahrt seinen Lauf. Während sie in diesem Jahr noch bei 17,70 Euro stand, sank die Metro-Aktie Mitte Mai auf 11,01 Euro.

Die Aufspaltung des Konzerns sollte die Aktionäre reicher machen, hatten Koch und seine Vorstandskollegen versprochen. Tatsächlich sind die Aktionäre ärmer geworden.

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