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Verluste im Investmentbanking der Deutschen Bank

Deutschlands größtes Geldhaus kommt nicht auf die Beine. Das Investmentbanking der Bank meldet einen Milliardenverlust. Zudem musste zuletzt wieder Geld für Rechtsstreitigkeiten zurückgelegt werden.

Es ist eine Art Zusammenbruch auf Raten. Die Investoren der Deutschen Bank sehen wieder und wieder rote Minuszeichen vor der Notierung ihrer Aktien, von Kursen um 100 Euro im Mai 2007 sind Ende Januar 2016 nur noch rund 17 Euro übrig geblieben. Und genau in dieser Schwächephase hat der neue Bankchef John Cryan seinen Anteilseignern einen weiteren Rückschlag berichten müssen.

Offenbar ist das Investmentbanking des größten hiesigen Bankhauses in die roten Zahlen gerutscht. Nach Angaben des Frankfurter Instituts machte diese Sparte im Schlussquartal 2015 einen Vorsteuerverlust von 1,2 Milliarden Euro, der Umsatz sank in diesem Bereich um 30 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Lange her also die Zeiten, als die selbstbewussten Investmentbanker für den Großteil des Konzerngewinns verantwortlich waren – und entsprechende Macht in den Zwillingstürmen der Deutschen Bank hatten.

© istock / Meinzahn

Nach der Meldung, am heutigen 28. Januar 2016, stehen die Titel der Deutschen Bank vorbörslich dann auch wieder in den roten Zahlen, mit minus 1,6 Prozent bei 16,70 Euro.

Mehr noch: Neben der langjährigen Ertragsperle, dem Investmentbanking, ist in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres 2015 offenbar auch das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank in Schwierigkeiten geraten. Vor Steuern lief hier nach Bankangaben ein Verlust von 675 Millionen Euro auf, allerdings hatte es diese Sparte schon im Vorjahr mit einem Gewinn von acht Millionen Euro nur vergleichsweise knapp in die schwarzen Zahlen geschafft.

Zudem spielt dieser Bereich in den Planungen des Bankchefs Cryan künftig eine weniger wichtige Rolle, soll doch die Tochter Postbank über die Börse verkauft werden – und das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank auch dadurch schrumpfen. Um so gewichtiger erscheinen deshalb aber auch die Verluste des Investmentbankings, das ja auch in Zukunft eine tragende Säule des Geldhauses sein soll. „Wir sind entschlossen, in unsere Mitarbeiter in Research und in Sales zu investieren, um Marktanteile zurückzugewinnen“, sagte Cryan dann auch laut Redetext heute.

Zugleich kämpft er allerdings mit den fast legendären Rechtsstreitigkeiten der Bank. Riesige Rückstellungen mussten dafür schon in den vergangenen Jahren gebildet werden. Und die Probleme sind offenbar nicht abzustellen: Im Schlussquartal des Jahres 2015 hat die Bank nach eigenen Angaben dafür neue Rückstellungen über 1,2 Milliarden Euro bilden müssen. Insgesamt summiert sich das Polster für Forderungen aus den Rechtsstreitigkeiten nunmehr auf 5,2 Milliarden Euro. Das ist unter dem Strich nur unwesentlich weniger als im Vorjahr.

Fast schon kein Wunder bei solch einem Klotz am Bein, dass das Geldhaus in 2015 insgesamt einen Verlust in Höhe von 6,8 Milliarden Euro einstecken musste, wie Bankchef Cryan heute präzesierte.

Und noch eine schlechte Nachricht hatte John Cryan am heutigen 28. Januar 2016 für die Aktionäre des Geldhauses: Es wird offenbar keine schnelle Wende geben. „Wir arbeiten weiter hart daran, unsere Altlasten zu bereinigen“ sagte er. „Wir werden über das ganze Jahr hinweg kontinuierlich am Umbau der Bank arbeiten und Investitionen vornehmen.“

© Deutsche Bank

Dass die Bank im Bereich Handelsfinanzierung und Zahlungsverkehr in 2015 einen Gewinnsprung schaffte, machte bei vielen Beobachtern bei der Gesamtbilanz der Deutschen Bank dann auch kaum Eindruck. Und zu den Beobachtern gehört auch die Europäische Zentralbank (EZB) als Bankenwächterin.

Sie hat dem Geldhaus nach Angaben der Deutschen Bank vom 28. Januar 2016 bereits mitgeteilt, nunmehr einen höheren Sicherheitspuffer von den Frankfurtern zu fordern. Das Geldhaus müsse in diesem Jahr nach den aktuell geltenden Basel-III-Übergangsregeln eine Mindestkernkapitalquote von 10,75 Prozent erreichen. Zuvor seien 10,25 Prozent gefordert worden.

Immerhin müssen die Aktionäre offenbar zumindest deshalb keine neue Kapitalerhöhung der Deutschen Bank fürchten. Nach eigenen Angaben lag die Kapitalquote der Deutschen Bank zu Jahresbeginn 2016 mit 12,52 Prozent klar über der geforderten neuen Pufferquote der EZB.

Dennoch: Seit John Cryans Amtsantritt im Sommer 2015 fiel der Aktienkurs der Bank bis Januar 2016 um 40 Prozent. Zudem hat es im Jahr 2015 keine Dividende für die Anteilseigner gegeben, ebenso wenig wird es eine im neuen Jahr 2016 geben. Auch das dürfte ein Grund dafür sein, warum die Aktien der Deutschen Bank zum Jahresstart 2016 noch schlechter dastehen, als die ebenfalls gebeutelten Titel der Bankenkonkurrenz.

Analysten urteilen teils noch drastischer: Eine immer noch zu große Bilanzsumme, dazu Verluste in der Kernsparte Investmentbanking sowie die weiterhin hohen Rückstellungen für Gerichtsverfahren machten die einst stolze Deutsche Bank zu einem Sanierungsfall für John Cryan.

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