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Deutsche Bank vermeidet Quartalsverlust

Die Erwartung war gedämpft, das Ergebnis ist entsprechend: Die Deutsche Bank hat im ersten Quartal 2016 deutlich weniger Geld verdient. Und Investoren halten sie noch immer für ein riskantes Investment.

Die Deutsche Bank hat in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres unter dem Strich 236 Millionen Euro verdient, wie Deutschlands größtes Geldhaus am 28. April 2016 bekannt gab. Das ist deutlich weniger als in der entsprechenden Vorjahresperiode. Damals waren es noch 1,5 Milliarden Euro.

© Deutsche Bank

Analysten hatten im Vorfeld allerdings mit noch weitergehenden Einschnitten und einem daraus resultierenden Vorsteuerverlust von 172 Millionen Euro gerechnet.

„Die Finanzmärkte waren im ersten Quartal schwierig“, sagte Vorstandschef John Cryan zur Begründung. Die Kunden zweifelten an der Entwicklung der Weltwirtschaft und hielten sich deshalb zurück. „Unsere Erträge waren im Vergleich zum Vorjahr rückläufig, vor allem im Wertpapierhandel und bei Unternehmensfinanzierungen.“ Insgesamt fielen die Erträge um 2,5 Milliarden Euro auf 8,0 Milliarden Euro, wie das Geldhaus mitteilte.

Investoren schauen weiterhin kritischer auf die Deutsche Bank als auf andere Geldhäuser, die mit den gleichen Bedingungen auf den Kapitalmärkten zu kämpfen haben. Das zeigt beispielsweise ein Blick auf die Kosten für Kreditausfallversicherungen.


Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg liegen die für die Deutsche Bank noch immer im Schnitt um hohe 70 Prozent über dem, was die zwölf größten Wettbewerber des Frankfurter Instituts etwa als Absicherung gegen den Ausfall von Anleihen berappen müssen.

Noch vor wenigen Monaten war die Deutsche Bank gar international ins Gerede gekommen, sie könne womöglich den Schuldendienst für manche ihrer Bonds nicht pünktlich leisten. Selbst Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gab deshalb damals ein stützendes Statement zur Lage der Bank ab. Die Deutsche Bank reagierte schließlich mit dem vorzeitigen Rückkaufangebot für die Bonds, um die Marktspekulationen zu stoppen.

© Flickr / CC BY 2.0 / Carsten Frenzl / https://goo.gl/fm2WSN

Noch immer hohe Lasten muss die Bank auch für ihre Rechtsstreitigkeiten tragen. Sie drücken weiter mit Milliardensummen auf die Bilanz. Als Erfolg meldete die Deutsche Bank heute, dass die Kosten daraus immerhin um 1,2 Milliarden Euro niedriger als vor Jahresfrist seien.

Die Aufklärung dieser Fälle vom Libor-Skandal bis hin zu möglichen persönlichen Fehlern einzelner Deutsche-Bank-Manager hat nun auch Risse im Aufsichtsrat des Geldhauses hervorgerufen. Alfred Herling, Vize von Aufsichtsratschef Paul Achleitner, ist erst am 24. April 2016 den Chefaufklärer dieser Fälle öffentlich angegangen. Nach Meinung Herlings würde Aufklärer Georg Thoma zu viel Ehrgeiz in eben diese Aufklärung stecken; Thoma ist Chef des Integritätsausschusses des Deutsche-Bank-Aufsichtsrats.

„Er überzieht, wenn er immer breitere Untersuchungen fordert und immer noch mehr Anwälte aufmarschieren“, attackierte Herling seinen Aufsichtsratskollegen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS). Thomas' Arbeit sei gekennzeichnet von „Übereifer“ und „juristischer Selbstverwirklichung“.

Die Aktionäre der Deutschen Bank werden das öffentliche Zerwürfnis des Deutsche-Bank-Aufsichtsrats in dieser zentralen Frage der Aufklärung von Rechtsstreitigkeiten mit neuer Sorge sehen. Auf mehreren Hauptversammlungen hatten sie gerade die Aufarbeitung gefordert – und das Ende immer neuer Prozesse gegen das Geldhaus. Bei der nächsten Hauptversammlung am 19. Mai 2016 wird der öffentliche Zwist nun wohl eine Rolle spielen.

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