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Deutsche Bank wird zum Verlustgaranten

Die schlechten Nachrichten für die Aktionäre der Deutsche Bank reißen nicht ab. Nach dem Milliardenverlust droht nun eine weitere Milliardenklage. Eine Kapitalerhöhung ist aus Sicht mancher Analysten absehbar.

„Die Bank, die ich gerne führen würde, ist Wells Fargo“, sagte John Cryan, als er Ende Januar 2016 den Jahresverlust der Deutschen Bank von 6,8 Milliarden Euro verkündete. Er würde liebend gerne 400 Basispunkte im Retail Banking machen und so ein vergleichsweise einfaches Leben haben. „Unglücklicherweise gibt es da viele Dinge, die nicht so eintreten werden, wie ich sie mir wünsche. “

Diese Aussage machte einmal mehr deutlich, was der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank von der Arbeit seiner Vorgänger hält.

© Deutsche Bank

Die Aufräumarbeiten des Briten sind jedoch schmerzlicher als von vielen erhofft. Hätte Cryan seinen Job als Sanierer nicht erst im Juli 2015 angetreten, er müsste angesichts der Börsenentwicklung des Finanzinstituts wohl bald seinen Hut nehmen. Denn seit einem kurzen Willkommenshoch für den neuen Vorstandsvorsitzenden im August 2015 hat sich der Aktienkurs des Geldhauses bis zum Februar 2015 halbiert.

Für 14,61 wurde die Aktie der Deutschen Bank am 3. Februar gehandelt – weniger als zum Tiefpunkt der Finanzkrise, und meilenweit entfernt vom Kurshoch im Mai 2007.

Damals wurde die Deutsche Bank bei einem Kurs von 103 Euro an der Börse mit fast 140 Milliarden Euro bewertet. Heute sind es bei einem Kurs von rund 15 Euro gerade noch mehr als 20 Milliarden. Die Marktkapitalisierung der Deutschen Bank liegt derzeit unter dem Volumen der drei Kapitalerhöhungen seit dem Jahr 2010. Die beliefen sich zusammen auf 21,7 Milliarden Euro.

Die Wertvernichtung von Anlegergeldern geht einher mit immer neuen Problemen und Skandalen, mit der sich die Bank einst kurzfristig Rendite erkauft hatte. Jüngstes Beispiel: Die drohende Hypothekenklage in den Vereinigten Staaten.

In New York ließ ein Gericht am Mittwoch die Klage der belgische Bank Royal Park Investments zu. Diese wirft der Deutschen Bank vor, für Verluste von 3,1 Milliarden Dollar (2,77 Milliarden Euro) verantwortlich zu sein. Die Deutsche Bank habe im Zuge der Subprime-Krise treuhänderische Pflichten verletzt, so der Vorwurf der Kläger. So hätte die Deutsche Bank darauf drängen müssen, dass notleidende Kredite zurückgekauft worden wären.

Die Klage reiht sich nahtlos in die vielen anderen Verfahren ein, in die Banker der Deutschen Bank inzwischen verstrickt sind. Seien es die im Juni 2015 bekannt gewordenen Geldwäschevorwürfe in Russland, mögliche Verstöße gegen US-Sanktionen im Iran, die Manipulation wichtiger Referenzzinssätze wie Euribor und Libor oder die mutmaßliche Hilfe zur Steuerhinterziehung, wegen der das US-Justizministerium gegen die Bank ermittelt.


Damit nicht genug. Zumindest nach Marktmeinung drohen der Deutschen Bank nunmehr auch noch eine Menge vielleicht platzender Kredite: Die Notierungen der Credit Default Swaps der Deutschen Bank, an denen sich das verbriefte Ausfallrisiko von Krediten und Anleihen ablesen lässt, sind alleine seit Mitte Januar 2016 um weit mehr als 50 Prozent in die Höhe geschossen. Nach Ansicht vieler Börsianer ein untrügliches Zeichen, dass die Probleme der Deutschen Bank auch mit säumigen Schuldnern zugenommen haben könnten.

Grund dafür könnte der niedrige Ölpreis sein. Seit 2013 hat etwa die Notierung für die Nordseeölsorte Brent bis zum heutigen 5. Februar 2016 fast exakt 70 Prozent ihres vorherigen Niveaus eingebüßt, 30 Prozent davon allein in den vergangenen drei Monaten. Entsprechend unter Druck geraten ist die Ölindustrie.

© Deutsche Bank

Der Gewinn des Ölkonzerns Shell beispielsweise ist im vergangenen Jahr 2015 um fast 90 Prozent gesunken, auf nur noch 1,9 Milliarden Dollar. Andere Konzerne der Branche sind sogar in Existenzschwierigkeiten geraten. Sollte die Deutsche Bank beispielsweise vergleichsweise viele Kredite an Unternehmen der Ölindustrie vergeben haben, könnte das den Ausschlag der Credit Default Swaps der Deutschen Bank mit erklären.

Aktionäre und Analysten lässt diese Entwicklung aufhorchen. Sollte nun doch auf die Anteilseigner zukommen, was der Vorstand um Deutsche-Bank-Vormann John Cryan noch Anfang 2016 ausgeschlossen hatte – eine weitere Kapitalerhöhung der Deutschen Bank?

„Die Eigenkapitalsituation des größten deutschen Geldhauses wird herausfordernder“, urteilte zumindest Analyst Mohamed Souidi von der Schweizer Bank Credit Suisse am 2. Februar 2016. Und Analyst Amit Goel von der französischen Investmentbank Exane BNP Paribas hält eine weitere Kapitalerhöhung beim größten deutschen Geldinstitut für immer wahrscheinlicher, auch wenn der Bankvorstand die Eigenkapitalsituation aktuell als ausreichend ansehe.

Immer mehr gerät nun auch der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank in die Krise des Geldhauses. Investoren fragen, ob er nicht hätte früher gegensteuern können oder müssen. Ob er die Aufarbeitung der Skandale wie Libor-Gate oder die erheblichen juristischen Streitigkeiten energisch genug angegangen sei.

Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung stehen die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Deutschen Bank zwar geschlossen hinter Paul Achleitner. Im Frühjahr 2017 läuft Achleitners Vertrag an der Spitze des Kontrollgremiums allerdings ohnehin regulär aus.

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