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Daimler-Vorstände trotzen Boni-Bremse

Der Rekordgewinn im Jahr 2013 hat dem Daimler-Vorstand höhere Saläre gebracht, jetzt wurde eine Boni-Bremse beschlossen. Doch die wird wohl ohne schnelle Folgen für die Manager bleiben.

Das hat Dieter Zetsche, den Vorstandsvorsitzenden der Daimler AG, sicher gefreut. Der Lenker des Sterne-Konzerns hat für das Jahr 2013 nach Stand des Geschäftsberichts Ende Februar rund 8,25 Millionen Euro kassiert – genau 100.000 Euro mehr als im Jahr 2012, als Rückschläge in der Pkw-Sparte sein Salär immerhin um 500.000 Euro verhagelten.

© Daimler

Doch nicht nur Zetsche ist für die Investoren ein vergleichsweise teurer Angestellter, ihnen lastet vielmehr der gesamte Daimler-Vorstand recht schwer auf der Firmenkasse.

Das siebenköpfige Führungsteam von Daimler, sechs Herren und eine Dame, hat zuletzt insgesamt mehr als 30,2 Millionen Euro Gehalt kassiert. Und dafür zumindest in den Vorjahren nicht immer gehalten, was sich die Investoren und Aktionäre des schwäbischen Autobauers gewünscht hatten:

Die Aktionäre kritisieren scharf, dass die Performance der Stuttgarter hinter ihren Nobel-Rivalen wie BMW aus München und Audi in Ingolstadt deutlich hinterherhinkt. Im vierten Quartal erreichten die Stuttgarter zwar immerhin 8 Prozent Umsatzrendite, im Vergleich zu 5,3 Prozent im Vorjahreszeitraum.

Das reicht aber weiterhin nicht an die Profitabilität der Rivalen heran, die im selben Zeitraum 9 beziehungsweise 9,4 Prozent Rendite meldeten.


Mit diesen Zahlen im Hinterkopf dürfte den Investoren der Blick auf ihren Aufsichtsrat leichter fallen: Das Entgelt des 30-köpfigen Aufsichtsrats ist mit knapp 2,97 Millionen Euro im Vergleich eher karg zu nennen. Doch auch für diese Summe sind offenbar Fachaufseher zu bekommen. So beispielsweise der neu Nominierte für den Aufsichtsrat, Ex-VW-Chef Bernd Pischetsrieder.

Er verfügt über die Mengen von Erfahrung in der Branche, auf die seit der Zertifizierung zum „qualifizierten Aufsichtsrat“ durch die Deutsche Börse erhöhten Wert gelegt wird, wie die Automobilexperten Norbert Helbig und Harald Proff von der Unternehmensberatung Kienbaum zu Papier gebracht haben.

© Daimler AG

Zudem hat zuletzt eben dieser Aufsichtsrat die Zügel für das Erreichen von Erfolgsboni, die einen großen Teil der Honorierung der Führungskräfte bei Daimler ausmachen, auch noch angezogen.

Dicke Schecks gibt es künftig nur, wenn der Gewinn des Sterne-Konzerns 5 Prozent über dem Durchschnitt einer neu konstruierten Vergleichsgruppe von Autobauern liegen – bisher musste der nur gleich hoch sein, und die Vergleichsgruppe war auch weniger herausfordernd als künftig.

Im Klartext: Der Konzern vergleicht sich bald nicht mehr mit ertragsschwächeren Unternehmen der Automobilbranche wie Renault oder Fiat. Und was für den ganzen Konzern gilt, gilt auch für die Vergütung der Führungskräfte.

Die wird künftig nicht mehr im Vergleich zu den Ergebnissen von Fiat, Honda, Volvo, Renault oder Toyota bemessen, sondern mit einer Zielgruppe, die sich auch allen börsennotierten Automobilkonzernen zusammensetzt, die mindestens von einer Rating-Agentur bewertet wurden.


Wie genau diese Vergleichsgruppe zusammensetzt wird, hat der Konzern noch nicht preisgeben wollen. Aber es gibt Hinweise:

Da ja die Ratings von Agenturen künftig über die Listenzusammenstellung entscheiden sollen, werden wohl Unternehmen wie Volvo oder Peugeot nicht infrage kommen, da sie aktuell nicht über ein derartiges Rating verfügen. Mögliche Kandidaten wären Hyundai oder Ford, beide geratet.

© Daimler

Allerdings kann die neue Vergleichsgruppe nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der Vergangenheit das Management von Daimler im Vergleich zu dem mageren Aktienkursergebnis ein teures Führungsgeschwader war.

Dass nun dann also doch alle schwachen Vergleichskandidaten zur Bemessung der Bonihöhen aus dem Vergleichstopf geworfen werden sollen, hat nach Expertenmeinung einen einfachen Grund: Die lang anhaltende und teils scharfe Kritik der Investoren an den Salären in den Daimler-Führungsetagen.

Manche Kritiker meinen freilich, dass die Einsicht in die Kurskorrektur reichlich spät kommt – und, Zufall oder nicht, in einer Zeit, in der die Anpassung vielleicht weniger Schmerzen hervorrufen muss. Denn der Aktienkurs der Stuttgarter hat in den vergangenen zwölf Monaten bereits um rund 30 Prozent besser abgeschnitten als der Durchschnitt aller Dax-Unternehmen.

Im Vergleich mit den vier Autowerten im Dax liegt Daimler immerhin noch bei etwa 4,5 Prozentpunkten – sicherlich auch ein Erfolg des Managements. Die Gefahr von Boni-Kürzungen aber infolge der verschärften Regeln dürfte für die Daimler-Führungsetage deshalb zumindest in naher Zukunft überschaubar sein.

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