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Chinas Geely stielt Daimler die Patent-Show

Daimler hat mit Innovationen wie dem Airbag Standards gesetzt. Doch vor der Markteinführung des neuen S-Klasse Coupés wird Daimler auf Patenten-Hitlisten nach hinten durchgereicht. Selbst gegen Geely aus China.

Wer sich mit seinem Auto immer schon einmal schräg wie ein Motorradfahrer in die Kurve legen wollte, hat mit dem neuen Mercedes-S-Klasse-Coupé ab der zweiten Jahreshälfte 2014 die Möglichkeit dazu – sofern dann das Kleingeld für den Kauf des neuen Sterns in der Daimler-Fahrzeugflotte ausreicht. Und diese Neigetechnik ist nicht die einzige technische Innovation, die Mercedes-Benz mit diesem Auto präsentiert.

Doch wie lange bleibt Daimler noch mit vorn im Technikduell mit der Konkurrenz? Denn plötzlich kommen die Chinesen auf.

Nach einer Untersuchung des Center of Automotive Management (CAM) spurtete der zuvor unscheinbare chinesische Autohersteller Geely bei der Zahl der Patentanmeldungen in der Autobranche an den Schwaben vorbei; über diese Studie hatte zuerst das Handelsblatt berichtet.

Nach CAM-Angaben schafften die bisher namenlosen Chinesen im Vorjahr 2718 Patente, Daimler kam nur auf gut 2500 Patente, wie das Handelsblatt schrieb; Geely dürfte den meisten Autointeressierten nur durch den Kauf der schwedischen Volvo in Erinnerung sein.

Wie weit Daimler in der Patenthitliste zurückgefallen ist, mag auch ein anderer Vergleich beleuchten: Der CAM-Studie zufolge kommt Patentweltmeister Toyota im Jahr 2013 auf 14.000 veröffentlichte Patente.


Freilich, nicht jede Patentanmeldung birgt auch eine technologische Revolution. Und erst recht keine, die den Herstellern einen kräftigen Verkaufserfolg ihrer Fahrzeuge garantiert. Speziell die japanischen Autohersteller sind unter Patentexperten bekannt dafür, auch weniger bedeutsame Errungenschaften ihrer findigen Ingenieure bei den Patentbehörden anzuzeigen.

Wie groß die zahlenmäßige Differenz zwischen Daimler und Toyota und selbst Geely aktuell ist, überrascht indes Experten.

Zugleich allerdings baut Daimler durchaus in innovativen Bereichen aus, auf die Deutschlands Auto-Öffentlichkeit so sehnlich starrt: die Elektromobilität.

So haben die Stuttgarter in dieser Woche die bisher von Evonik gehaltenen Anteile an der Li-Tec Battery GmbH (50,1 Prozent) und Deutsche ACCUmotive GmbH & Co. KG (10 Prozent) gekauft; in den vergangenen Jahren hatten Daimler und Evonik gemeinsam die industrielle Serienproduktion von Lithium-Ionen-Batteriezellen für Elektrofahrzeuge in Kamenz bei Dresden aufgebaut. Im Vorjahr wurde die Fabrik erweitert.


Der Achtungserfolg von Geely gegenüber Daimler mag auch eine Momentaufnahme sein, er passt aber in einen generellen Trend: China kommt mit Macht. Laut Europäischem Patentamt haben chinesische Organisationen 2012 mehr als 18.000 Patentanmeldungen für europäische Patente eingereicht.

Damit kamen in diesem Jahr 7,3 Prozent aller europäischen Patentanmeldungen aus China, womit das Land laut dieser Aufschlüsselung auf Rang vier steht, nach den USA (24,6 Prozent), Japan (20,1 Prozent) und Deutschland (13,3 Prozent).

Dem im März 2014 von der in Genf ansässigen Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) veröffentlichten Jahresbericht zufolge hat China sogar Deutschland bei den Patentanmeldungen von Platz drei verdrängt. Insgesamt kein guter Trend für die hiesige Industrie.

„Eine hohe Innovationskraft ist in Zeiten paradigmatischen Technologiewandels der Autobranche eine wichtige Erfolgs- und Überlebensbedingung“, erläutert CAM-Chef Stefan Bratzel jüngst. Daimler wird seine Schlüsse daraus ziehen.

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