Betafaktor

Die Bewertung muss laut Gesetzeswortlaut die Verhältnisse der Gesellschaft abbilden. Trotzdem wird nur selten der unternehmenseigene Betafaktor herangezogen. Stattdessen wird auf fremde Peers zurückgegriffen. Mit deren Auswahl wird, ebenso wie mit der Berechnungsmethode des Betafaktors (insbesondere Analysezeitraum, Betrachtungsintervall, Regressionsindex), Einfluss auf den Kapitalisierungszinssatz genommen. Das gilt erst recht, wenn man der These folgt, dass faktisch beherrschte Gesellschaften durch den "Schutz" der Muttergesellschaft tendenziell ein niedrigeres Risiko aufweisen; in diesem Fall müssten auch die Peers faktisch beherrscht werden, um nicht "Äpfel mit Birnen zu vergleichen". Streit entbrennt auch darüber, ob aus statistischen Gütemerkmalen auf die Verwendbarkeit von Betafaktoren geschlossen werden kann und ob Betafaktoren "adjustiert" werden dürfen. Wie soll der Betafaktor des Bewertungsobjekts bestimmt werden? Diskutieren Sie mit!

These: Da der Kapitalisierungszinssatz die Rendite einer äquivalenten Alternativinvestition reflektiert, ist der Betafaktor grundsätzlich anhand des durchschnittlichen Betafaktors einer Gruppe von Vergleichsunternehmen (Peer Group) abzuleiten.

Langfristige Untersuchungen haben gezeigt, dass Betafaktoren gegen 1,0 tendieren. Aus diesem Grund hat eine Adjustierung zu erfolgen, entweder nach Blume (= ⅔ Raw-Beta + ⅓ von 1,0) oder nach Vasicek (= Anpassung Richtung 1,0 umso stärker vor, je größer der Standardfehler der Schätzung ist).

Antithese: Die Ableitung des künftigen systematischen Risikos des Bewertungsobjekts auf Basis des historischen Betafaktors des Bewertungsobjekts ist immer dann vorzuziehen, wenn der historische Betafaktor des Bewertungsobjekts verlässlich ermittelt werden kann.

Bei dem Adjusted Beta handelt es sich um einen gewichteten Mittelwert zwischen dem ermittelten Betafaktor und der Zahl 1, wobei 1 dem Beta des Marktportfolios entspricht. Begründet wird diese Gewichtung damit, dass sehr hohe Betas zur Überschätzung und sehr niedrige Betas zu einer Unterschätzung des wahren Betas führen sollen. Dies kann aber nur dann zutreffend sein, wenn alle wahren Betas relativ nahe bei dem Wert 1 liegen. Eine plausible ökonomische Begründung hierfür ist jedoch nicht ersichtlich. Zugleich wird mit einer derartigen Mittelwertbildung das theoretische Konzept des CAPM insgesamt in Zweifel gezogen, obwohl man sich dessen weiterhin zur Ermittlung des unternehmensindividuellen Risikos bedient.

 

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