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Alarmphase für Anleger

Die Kurse der Bank-Aktien schwanken nervös, Rohstoffnotierungen werden mit Argusaugen beobachtet und Investoren kaufen lieber sichere deutsche Bundesanleihen als Aktien. Kommt die nächste Finanzkrise?

Die Börse scheint am Rande einer neuen Krise zu balancieren. Aktienkurse weltweit notierten in den ersten Februarwochen des Jahres 2016 tiefrot, um dann eine Erholung zur Monatsmitte zu starten. Aber selbst dieser Aufschwung nach vorherigem Abschwung ist für nicht wenige Marktbeobachter ein Zeichen des Krisenhaften dieses Moments.

© istock / hxdbzxy

Die Schwankungen der Kurse an den Aktienmärkten, die so genannte Volatilität, ist markant in die Höhe geschossen. Das gilt insbesondere für Anteilsscheine der Banken, wie sich an entsprechenden Aktienindizes ablesen lässt.

So hat der Stoxx Europe 600 Banks, in dem die Titel der 45 bedeutendsten europäischen Geldhäuser gelistet sind, seit Jahresbeginn nahezu 30 Prozent seines vorherigen Indexstands verloren. Einzelne Werte dieses Indexes, etwa die Deutsche Bank, haben dabei geradezu Achterbahnfahrten in ihrer Entwicklung hingelegt.

Die Anteilsscheine des bedeutendsten deutschen Geldhauses hatten in der Woche zwischen dem 8. Februar und dem 12. Februar 2016 Kurseinbrüche von zwischenzeitlich 15 Prozent aufgewiesen, um in der zweiten Hälfte dieser Handelswoche wieder um nahezu diesen Wert in die Höhe zu schießen.

Zudem verzeichnen auch die Notierungen wichtiger Rohstoffe ähnlich kräftige Schwankungen. Die Preise für Rohöl der Nordseesorte Brent etwa hüpften in den ersten Wochen des Jahres 2016 zwischen 27 und 37 Dollar pro 159-Liter-Fass (Barrel) hoch und runter. Und dieses Preisniveau wiederum macht manchen Banken indirekt zu schaffen.

© Bankenverband

Einige Geldhäuser haben erhebliche Kredite auch an jene US-Ölfirmen vergeben, die amerikanisches Schieferöl nur zu höheren Preisen lukrativ fördern können. Zwar ist nicht gleich die gesamte so genannte US-Fracking-Industrie betroffen; zwei Drittel dieser Firmen fördern nach Expertenmeinung weiterhin mit Gewinn. Doch ein Drittel eben nicht, und in der aktuellen Börsenphase schlagen sich potentiell negative Meldungen stärker nieder als besänftigende.

Diese Börsennervosität lässt sich mittlerweile auch an den Marktseismographen der Profianleger ablesen. So ist beispielsweise der Marktindex des Dortmunder Fondshauses Apano im Februar 2016 erstmals seit mehreren Jahren wieder in bedenkliche Lagen gesackt.

„Unser Apano-Stimmungsindex war bereits seit Anfang Dezember 2015 neutral und nie weit weg vom pessimistischen Zustand. Dem entsprechend waren wir seitdem schon defensiv positioniert“, sagt Martin Garske, Portfoliomanager bei Apano, gegenüber IRX.eu. „Dann aber wurde der pessimistische Zustand tatsächlich am 11. Februar 2016 erreicht, als weitere Parameter unseres Indexes Alarm schlugen.“

Die Folge: Apano hat Aktien Long only und Aktien Long/Short im Bestand reduziert zu Gunsten von Trendfolgesystemen und der Kasse.


Dass ausgerechnet die Banken die aktuelle Kippelphase an der Börse eingeleitet zu haben scheinen, macht Börsianer zusätzlich nervös. Schlagartig wird deutlich, wie schwierig die Lage der Geldhäuser weiterhin ist – und der Bankensektor womöglich weit weniger stabil, als viele Anlegerinnen und Anleger das zuletzt wahrhaben wollten. Und dazu hat wohl auch die Europäische Zentralbank beigetragen.

Auf der einen Seite haben die Frankfurter Bankenaufseher und Notenbanker die Kapitalanforderungen an die Geldhäuser verschärft, um Finanzkrisen wie 2008 für die Zukunft zumindest weniger wahrscheinlich werden zu lassen.

© fotolia / tom

Auf der anderen Seite haben sie die Banken aber mit ihrer Nullzinspolitik selbst wieder in Schwierigkeiten gebracht: den Kreditinstituten brechen tendenziell Erträge weg. Und alles das, um wankende europäische Staatshaushalte mit Hilfe der Nullzinsen vor der Überschuldung und dem Kollaps zu retten.

Mittlerweile wird auch klar: Die aktuelle Folge der Banken- und Aktiennervosität geht einher mit einem erstaunlichen Wandel zurück zum Verhalten der Anleger während der Finanzkrise. Erstmals seit dem Jahr 2008 flüchten Investoren in den Februarwochen 2016 wieder vermehrt in Staatsanleihen, und wie zu Finanzkrisenzeiten sind deutsche Schuldtitel dabei wieder besonders gefragt.

Kein Wunder eigentlich, schafft der Bund doch als einer der wenigen großen Industriestaaten eine schwarze Null im Bundeshaushalt, so dass die Rückzahlung deutscher Bundesanleihen aus Sicht nicht weniger Investoren wahrscheinlicher ist als die Tilgung von Anleihen anderer Staaten.

Entsprechend rentierten beispielsweise Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit in der Woche vom 8. Februar bis zum 12. Februar 2016 zwischenzeitlich nur noch bei 0,14 Prozent.

Auch „daran erkennt man die augenblickliche hohe Unsicherheit. Von daher riecht es ein wenig nach 2008“, sagte Robert Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank, dem Handelsblatt am 15. Februar 2016.

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