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Aktivistische Großaktionäre in der Kritik

Apple, Ebay, Hewlett-Packard: Aktivistische Großaktionäre haben in diesem Jahr für Diskussionen an den Börsen gesorgt. Ihrem Anlagevermögen hat dies nicht geschadet. Noch nicht.

Es war das Jahr, in dem Carl Icahn über den IT-Giganten Apple sagte, er werde an der Börse nur zum „halben Preis“ gehandelt. Es war auch das Jahr, in dem der Hedgefonds-Aktivist Bill Ackman seine Pershing Square Holdings an der Börse von Amsterdam in den Handel einführte. Und 2014 war das Jahr, in dem Daniel Loeb mit seinem Third-Point-Fonds nach sechs Monaten Agitation dem CEO von Sotheby's, William Ruprecht, die rote Karte zeigte.

Treibjagd-Aktionäre mit dicken Scheckbüchern und schroffen Forderungen waren noch nie so aktiv, noch nie so erfolgreich, noch nie so angriffslustig wie 2014.

© fotolia / Péter Mács

Es war auch das Jahr, in dem größere Publikumsfirmen attackiert wurden als je zuvor. „Neben den üblichen Branchentrends ist dies das neue Thema Nummer eins in den Vorständen der Firmen, die wir beraten“, sagt Steve Gill bei Vinson & Elkins in Houston, einer der weltweit führenden Kanzleien für die Energiewirtschaft.

Die Zunahme der Kampagnen von Aktivisten „sprengt die Vorstellungen“, sagt John Coffee an der Jura-Fakultät der Columbia University. Die Zahlen bestätigen, was er sagt: Satte 1115 Attacken von Aktivisten wurden seit 2010 der Studie „Die Wirkungen des Hedgefonds-Aktivismus“ zufolge gezählt, davon 148 im ersten Halbjahr 2014. Das entspricht auf das ganze Jahr 2014 hochgerechnet einer Zunahme von rund 20 Prozent.

Aber es war nicht nur die Schlagzahl, die sich im laufenden Jahr erhöhte. Ein Drittel aller Vorstöße von Aktivisten hatte seit Januar Firmen mit einer Kapitalisierung von mehr als zwei Milliarden Dollar zum Ziel.

Die Angriffe auf Unternehmen mit mehr als zehn Milliarden Dollar haben sich seit dem Jahr 2011 sogar verdoppelt. Und verhoben haben sich die „C-Suite-Agitatoren“, wie die Invasoren in den USA unter Anspielung auf die attackierten Vorstände und deren Strategien gerne genannt werden, auch nicht.

Der Beweis: In den ersten sechs Monaten erzielten Hedgefonds im Schnitt 3,1 Prozent Rendite, die Aktivisten schnitten jedoch mit plus 6,5 Prozent doppelt so gut ab.


Die Erfolgsrate bei ihren Vorstößen hat dem Branchendienst Activist Insight zufolge rund 80 Prozent erreicht. Eher selten waren dagegen Pleiten wie die von Bill Ackman bei seinem Auftritt vor drei Monaten, als er „die wichtigste Rede seines Lebens“ über Herbalife hielt, den Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln.

Der Aktienkurs von Herbalife rauschte danach allerdings in die Höhe statt in den Keller zu sausen - und Ackman stand mit seinen Put-Positionen alleine da.

© istock / EdStock

Inzwischen hat sich jedoch einiges geändert: Seit Jahresbeginn 2014 hat sich der Herbalife-Aktienkurs dann doch fast halbiert, und Ackman kann sich die Hände reiben. Die Zeitschrift Forbes hat ihn darauf sogar zum Hedgefonds-Manager des Jahres gekürt, weil er 2014 einfach glänzend beendet. Nicht zuletzt aufgrund eines weiteren Deals von Ackman, den Botox-Hersteller Allergan betreffend.

Der hat sich zwar nicht mit der kanadischen Valeant verbündet – wie Aktionär Ackman wollte – doch Allergan wurde von Actavis gekauft und das bescherte Ackman 2,2 Milliarden Dollar Gewinn. Denn Allergan war das größte Aktienpaket in seinem Portfolio, und der Kurs der Allergan-Titel legte im Jahr 2014 um satte 89 Prozent zu

Erfolgsstories wie diese lassen das Anlagevermögen der Aktivisten anschwellen. Es lag der New Yorker Research-Firma Evestment zufolge bis Ende Oktober summa summarum bei rund 90,6 Milliarden Dollar; im Vorjahr waren es noch 74,5 Milliarden Dollar. Peter Laurelli, Analyst bei Evestment, beobachtet jetzt 90 große Aktivistenfonds. Vor fünfzehn Jahren waren es weniger als 20, sagt er.


Die Aktivisten setzen auch zunehmend Trends. Das Jahr 2014 ist dank ihrer Mitwirkung zu einem Jahr des Spaltpilzes in großen Publikumsfirmen geworden.

Zu den Schlagzeilen der vergangenen Wochen und Monate gehörte der Spinoff bei Hewlett-Packard und die Ankündigung von Ebay, seinen Bezahldienst PayPal in die Unabhängigkeit zu entlassen. General Electric, Time Warner und die Publishing-Gruppe Gannett hatten zuvor den Trend schon angeheizt.

Der Boom bei den „Firmenscheidungen“, wie Experten die Splits nennen, wird erkennbar von der Suche nach Mehrwert für die Aktionäre in einer langsamer wachsenden Wirtschaft angeheizt, Auch der wachsende Druck aktivistischer Hedgefonds, die Mehrwert in stärker fokussierten und schlagkräftigeren Firmen suchen, spielt eine Rolle. Bei Hewlett-Packard hatte der Chef von Elliott Management, Paul Singer, die Fäden gezogen.

Im Falle der in den USA bekannten Restaurantkette Darden war es der Hedgefonds Starboard Value mit seinem Gründer Jeffrey Smith, der nach Monaten des Drängens half, den gesamten Aufsichtsrat abzulösen; zu Darden gehört auch die Restaurant-Kette 'The Capitol Grille'. Darden hatte unter Missachtung der Aktivisten-Forderung seine 'Red Lobster'-Kette unmittelbar vor einer brisanten und emotionsgeladenen Hauptversammlung abgespalten.

© Darden

Weniger gute Noten bekommt für das laufende Jahr Nelson Peltz, der sowohl beim Management von PepsiCo als auch bei DuPont mit seiner Forderung nach einer Aufspaltung abblitzte. Anfang Dezember konnte Peltz dann jedoch erstmals im laufenden Jahr einen größeren Erfolg verbuchen, als sein Trian-Partners-Fonds einen Sitz im Aufsichtsrat der Bank of New York Mellon bekam.


Wer so viel Einfluss ausübt wie die Aktivisten, setzt sich auch Kritik aus. Die kam zuletzt von dem Management-Professor Bill George von der Harvard Business School. Er hatte in den 90er Jahren das Medizintechnik-Unternehmen Medtronic als CEO geführt.

George bescheinigt den Aktivisten „eine heiße Hand“ und fragt sich, warum die von wachsenden Anlagevermögen und intensiver Berichterstattung ermutigten Hedgefondsmanager immer öfter gut laufende Unternehmen attackieren, anstatt sich ausschließlich auf die weniger erfolgreichen zu stürzen.

„Weil sie schnelles Geld machen wollen“, beantwortet George seine eigene Frage, und beklagt, „dass durch dieses Verhalten die Wettbewerbsfähigkeit von Amerikas großen, global aufgestellten Firmen riskiert wird.“

Seine Kritik belegt George mit mehreren Beispielen, darunter dem Soda-Giganten PepsiCo. Dort habe, so George, die Vorstandschefin Indra Nooyi schon Jahre vor der Konkurrenz auf gesündere Nahrung und Getränke gesetzt. Die Ausdehnung des Produktportfolios in diese Richtung habe seit 2011 zu einem doppelt so großen Kurszuwachs der Aktie geführt als beim Erzrivalen Coca-Cola.

Dennoch agitiere Nelson Peltz für eine Aufspaltung von PepsiCo, so wie er es zuvor beim Nahrungshersteller Kraft getan habe. Doch Kraft und dessen Spinoff Mondelez würden nun kämpfen. Zudem habe Daniel Loeb versucht, Amgen aufzuspalten, obwohl der Arzneimittelhersteller im laufenden Jahrzehnt 185 Prozent Kursgewinn verzeichnet, dazu eine Nettogewinnmarge von 27 Prozent und sechs Milliarden Dollar freien Cashflow im Jahr.