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Abgespaltene Osram will neue Abspaltung

Erst 2013 wurde Osram von Siemens abgespalten, jetzt will die Firma sich selbst aufspalten: Das klassische Lampengeschäft soll weg. Osram setzt nun auf die Autobranche, Displays und leuchtende Halbleiter.

Rund hundert Jahre lang waren Glühbirnen ein Umsatzgarant für den Leuchtstoffhersteller Osram. Selbst der Konzernname, der sich aus den beiden für die ersten Glühbirnen verwendeten Metalle Osmium und Wolfram zusammensetzte, verweist bis heute auf diese Geschichte. Die Geschwindigkeit, mit der jetzt die Lichter der alten Werke ausgeknipst werden, sucht indes seines gleichen.

Erst vor zwei Jahren, 2013, wurde Osram von der damaligen Konzernmutter Siemens als Spin-off an die Börse gebracht. In kommenden Jahr 2016 soll nun das komplette Lampen- und Leuchtstoffgeschäft abgespalten werden. Nach Angaben von Osram sagte Konzernchef Olaf Berlien bei der Veröffentlichung seines Quartalsergebnisses im Mai 2015, für ihn gebe es „keine Anzeichen, dass dieses Vorhaben noch kippen sollte.“

Es ist die größte Zäsur der Firmengeschichte. Und sie soll den Weg in die Zukunft bahnen.

Zugrunde liegt eine Strategie, die der Aufsichtsrat am 28. April 2015 genehmigt hat. Das Programm sieht vor, das bisherige Massengeschäft auszugliedern und stattdessen die Technologiemärkte zum neuen Kerngeschäft zu erklären. Hightech und Spezialanwendungen bieten nicht nur das größere Wachstum, sondern auch die attraktiveren Renditen - so die Theorie.

„Die Entscheidung des Konzerns, das Lampengeschäft abzuspalten, könnte den Unternehmenswert von Osram deutlich steigern.“ (Peter Reilly, Analyst, Jefferies, 30.04.2015)

Geht die Strategie auf, dann wird der Automarkt künftig mit rund 40 Prozent Anteil an den Verkaufserlösen größter Umsatzbringer sein. Schon heute bezeichnet sich Osram als Marktführer in diesem Segment. Mit den selbstfahrenden Autos, die derzeit aus der Konzept- und Experimentierphase herauswachsen, tut sich ein immenser Markt auf, in dem es nicht nur um Lampen, sondern mindestens ebenso um zukunftsweisende Infrarot-Technologien geht.

Hinzu kommt der Mobilboom mit seinem rasant wachsenden Markt für immer anspruchsvollere und raffiniertere Displays sowie Laser, Leuchtfolien und leuchtende Halbleiter. Auch Großprojekte sind Teil des Plans, darunter die Beleuchtung von öffentlichen Plätzen, etwa der Porta Venezia in Mailand, von Museen und Kirchen. So wird beispielsweise seit 2014 die Sixtinische Kapelle mit Osram-Dioden ausgeleuchtet. Und neben Tourismus-Hghlights setzt Osram mittlerweile auch TV-Shows ins rechte Licht.

Computergesteuerte Spots und Strahler der Osram-Tochter Clay Paky sollen bei der 2015-Ausgabe des Musikwettbewerbs "Eurovision Song Contest" in Wien für eine beeindruckende Bühnenathmosphäre sorgen.

© Osram


Der seit Januar amtierende Osram-Chef Olaf Berlien sieht das traditionelle Geschäft mit Glühbirnen und LED-Lampen für den privaten Gebrauch als eines von zwei Segmenten, in die sich der Lichtmarkt künftig aufteilt. Eines davon sei der Massenmarkt. Dort entschieden nicht nur Qualität, sondern mehr und mehr die Kosteneffizienz. Hier hätten neue Wettbewerber aus den großen Schwellenmärkten vor allem in Asien Vorteile.

„Unser Geschäft mit traditionellen Lampen und Vorschaltgeräten ist im Jahr 2015 um 15 Prozent geschrumpft.“
Olaf Berlien, Vorstandschef Osram

Im anderen Bereich entscheiden dem Konzernchef zufolge Innovationen, die bessere Technologie und das führende Know-how. Dies gilt vor allem für Automobilindustrie, Kommunikationstechnik und Industriebedarf. Dort herrschten oft kundenspezifische Wünsche vor. Dies wiederum bringe höhere Margen mit sich.

„Allein unser Geschäft mit traditionellen Lampen und Vorschaltgeräten ist im vergangenen Jahr um 15 Prozent geschrumpft“, hatte Berlien auf der Hauptversammlung im Februar 2015 eingeräumt. Er hatte auch erklärt, dass der Technologiewandel hin zu Leuchtdioden sowie der Preisverfall schneller voranschreiten als erwartet.

Dass bei Osram, das 2013 an die Börse ging und immer noch zu knapp 20 Prozent Siemens gehört, Wachstumsgeschäft weiter entwickelt und maues Wachstum ausgegliedert werden, trifft dennoch nicht uneingeschränkt zu. So sanken die Verkaufserlöse für klassische Lampen einerseits um 16 Prozent, der Absatz von LED-Lampen für die Allgemeinbeleuchtung nahm andererseits um 42 Prozent zu. Auch dieses Geschäft wird Teil der ausgegliederten Osram sein.

© fotolia / Mischa Krumm

Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita-Marge) dürfte dem Unternehmen zufolge 2015 mehr als 9 Prozent erreichen. Damit hat Osram die Latte für das laufende Jahr leicht höher aufgelegt. Im Vorjahr wurden 8,7 Prozent erreicht.


Für das ausgegliederte Massengeschäft gibt es mehrere Optionen. Denkbar ist ein mehrheitlicher Verkauf an ein Industrieunternehmen oder einen großen Investor. Auch ein Börsengang ist möglich.

Osram schlägt somit im Vergleich zum niederländischen Wettbewerber Philipps einen umgekehrten Weg ein. Im Massenmarkt rangieren die Münchener hinter dem Konkurrenten an zweiter Position. Anders als Osram, hat Philips allerdings seine Lichtsparte für den Automobilsektor inzwischen ausgegliedert. Die Niederländer wollen sich auf den Massenmarkt und das LED-Geschäft konzentrieren.

Welches der beiden europäischen Traditionsunternehmen im globalen Wettbewerb den vielversprechenderen Weg verfolgt, darüber wird es erst in ein paar Jahren Gewissheit geben. Zumindest die Anleger scheinen vom Konzept der Osram-Führung überzeugt zu sein:

Die Aktie der Münchener hat im laufenden Jahr 2015 bis Anfang Mai rund 55 Prozent zugelegt und bereits im April das vorherige Zwischenhoch vom März 2014 bei 50 Euro übertroffen. Und ein bisschen Phantasie entwickeln Aktionäre auch mit Blick auf das Massengeschäft von Osram, das abgespalten werden soll: Osram sucht offenbar einen Partner dafür.

„Zu zweit sind wir deutlich stärker, als wenn wir den Abschwung alleine managen“, sagte Berlien Ende April 2015.

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Osram-Chef Berlien entgeht Putschversuch
von

Osram-Großaktionär Siemens hat auf der Hauptversammlung versucht, Osram-Chef Olaf Berlien loszuwerden. Doch er hat die Attacke überstanden – dank der Unterstützung der Mehrheit aller Aktionärsstimmen.