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Gildemeister-Deal: Elliott durchkreuzt Plan von DMG Mori Seiki

Der US-Hedgefonds Elliott hat sich mehr als 5 Prozent am Werkzeugmaschinenbauer DMG Mori Seiki - ehemals Gildemeister - gesichert. Das Übernahmeangebot, das der japanische Konzern DMG Mori den Aktionären geboten hat, halten die Amerikaner für zu niedrig.

In deutschen Fondsgesellschaften spitzen die Manager dieser Tage ihre Ohren. Der vom Milliardär Paul Singer geführte Hedgefonds Elliott Management sichert sich mehr als 5 Prozent am Werkzeugmaschinenbauer DMG Mori Seiki - und fordert einen Nachschlag für das Übernahmeangebot, das die Japaner am 21. Januar unterbreitet hatten.

Die japanische DMG Mori Seiki bietet 27,50 Euro je Aktie für den früher unter Gildemeister firmierenden Werkzeugmaschinenbauer. Das entspricht 2,2 Milliarden Euro. Damit wollen die Japaner ihren Anteil von 26,5 Prozent auf über 50 Prozent anheben. Die Deutschen halten an ihrem Partner etwa 10 Prozent. Analysten, nicht nur hierzulande, haben den Kaufpreis als zu niedrig bemängelt, obwohl DMG-Konzernchef Rüdiger Kapitza ihn  offenbar für ausreichend hält. „Ich werde dafür plädieren, nicht einen Cent draufzuschlagen", hat Kapitza in einem Interview mit Reuters versichert.

Analysten wie Thomas Rau beim Analysehaus Montega haben das Angebot jedoch angesichts der ehrgeizigen Pläne und des guten Geschäfts bei dem MDax-Unternehmen  als einen „Witz" bezeichnet. Rau beziffert den fairen Wert der Offerte mit deutlich mehr als 30 Euro pro Aktie.

Deutsche Fondsgesellschaften wie Union Investment und Deka, die zahlreiche MDax-Firmen im Portfolio haben, sind eher zögerlich, wenn es darum geht, vom Käufer in einem M&A-Deal eine Zugabe zu verlangen. Elliott Management hat dagegen schnell und beherzt auf die Offerte der Japaner für DMG Mori Seiki reagiert. Elliott gehört jetzt nach eigenen Angaben zu den fünf größten Aktionären bei DMG Mori Seiki.

Ausgangspunkt war eine Überkreuzbeteiligung

Die ehemalige Gildemeister und ihr japanischer Partner starteten im März 2009 eine Überkreuz-Beteiligung mit jeweils 5 Prozent aneinander. Die Verzahnung trieben sie durch eine Serie von Joint Venture-Vereinbarungen voran. Außerdem teilten sie auch die Distributionsnetzwerke. Im Mai 2013 schließlich vereinbarten beide Seiten, unter dem gemeinsamen Namen DMG Mori Seiki zu firmieren.

Die vor wenigen Tagen bekannt gegebene Offerte der Japaner ist Teil eines ehrgeizigen Plans. Das integrierte Unternehmen würde mit 11.600 Beschäftigten und rund 3,5 Milliarden Euro Umsatz zum weltweit größten Unternehmen seiner Branche aufsteigen. Die Produktionsstandorte und Arbeitsplätze sollen erhalten werden, das Management wird hingegen zusammengefasst und integriert.

Im Visier hat die Konzernführung eine Expansion in asiatische Märkte wie Südkorea, Indonesien und Thailand. Darüber hinaus sollen das Wachstum in Japan und Amerika vorangetrieben werden. Laut Kapitza wird dabei angepeilt, nach aktuell 8 bis 9 Prozent mittelfristig einen Weltmarktanteil von 10 bis 15 Prozent zu erreichen. Bis Ostern will das neue Führungsteam die Übernahme abwickeln.

Währungskapriolen erschweren das Geschäft

Das Jahr 2015 stellt aber auch aus einem anderen Grund eine Herausforderung für DMG Mori Seiki dar. Nach dem Rekordjahr 2014 wird vor allem wegen der Rubel-Schwäche, des starken Schweizer Franken und des sinkenden Euro-Kurses ein eher schwieriges Geschäft erwartet. Laut Kapitza sind „neue Rekordwerte im Konzern 2015 eher unwahrscheinlich."

In den Augen der Analysten bei Baader Helvea sind diese Äußerungen zu den Geschäftsaussichten im laufenden Jahr allerdings zu pessimistisch. Demnach müsste das Unternehmen von der Schwäche des Euro und zusätzlichen Synergien eher profitieren, was die Prognose für einen Margenrückgang im laufenden Jahr „seltsam aussehen" lasse. Auch die Synergien des kombinierten deutschen und japanischen Unternehmens würden sich im aktuellen Übernahmepreis nicht widerspiegeln. Das ist Wind auf die Mühlen von Elliott Management.

Zudem würden in einer Präsentation auf der Webseite der japanischen Mori Seiki „exzellente Geschäftsaussichten" betont. Von japanischer Seite würde bis 2019 eine deutliche Steigerung für Umsatz und Gewinn ins Auge gefasst. Die Baader Helvea-Analysten errechnen aus diesen Details eine Verbesserung der Ebit-Marge um mehr als die Hälfte auf 13,2 Prozent.

Elliott fordert auch bei Vodafone einen Nachschlag

Elliott sieht im Übrigen nicht nur bei dem Werkzeugmaschinenbauer Raum für einen Nachschlag. Der Hedgefonds will auch beim Kauf von Kabel Deutschland durch Vodafone einen höheren Preis rausschlagen. Paul Singer drängt zudem beim vom US-Konzern Terex übernommenen Kranbauer Demag Cranes und bei der Übernahme des Pharmagroßhändlers Celesio durch McKesson auf eine Zugabe.

Bei Kabel Deutschland, wo Elliott mit 13,5 Prozent engagiert ist, wurde Mitte Januar eine außerordentliche Hauptversammlung verlangt. Das Unternehmen soll sich zu einem Prüfbericht äußern, demzufolge die Akquisition zu niedrig bewertet wurde. In einer Mitteilung von Elliott hieß es dazu, „die Ergebnisse des Sonderprüfungsberichts beinhalten schwerwiegende Vorwürfe, welche die angemessene Bewertung von KDG und Pflichtverletzungen durch Vorstand und Aufsichtsrat betreffen."