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M&A-Triebkräfte für 2015: Zinsen, Dollar und Gesetze

Übernahmen waren im Jahr 2014 eine der wichtigsten Firmenstrategien, um Wachstum zu erzeugen, sagen Beratungshäuser. Ob das auch im Jahr 2015 so bleiben wird? Die Notenbanker werden wohl mit entscheiden.

Kurz vor dem Jahresende 2014 wird Bilanz gezogen. Das Ergebnis: 2014 bot dank gefüllter Firmenkassen beste Voraussetzungen für Beteiligungen und Übernahmen. Allein die USA zogen in den ersten neun Monates des Jahres 2014 circa 44 Prozent des globalen Realvolumens an. Diese Zahlen hat das Beratungshaus PricewaterhouseCoopers in einer neuen Studie veröffentlicht. Firmen aus der Eurozone waren im dritten Quartal an „rund einem Viertel der globalen Deals beteiligt", was dem Niveau der beiden vergangenen Jahre entspricht.

Chinesische Unternehmen feierten 2014 ein Rekordjahr, was auch auf die gelockerten Übernahmebestimmungen chinesischer Firmen in Übersee zurückgeht. Sie müssen seit Jahresbeginn 2014 erst ab einem Deal-Volumen von einer Milliarde Dollar die Genehmigung der Behörden einholen, zuvor war dies schon bei 100 Millionen erforderlich.

Insgesamt ist das Geschäft mit Übernahmen und Transaktionen also wieder deutlich erholt von den Tiefständen nach der Finanzkrise. Und das könnte aus Sicht der Konzernlenker auch einen strategischen Grund haben.


Dem jüngsten M&A-Bericht der KPMG zufolge sind Übernahmen jetzt wieder eine der wichtigsten Firmenstrategien, um Wachstum zu erzeugen. Für das Jahr 2014 dokumentieren die Wirtschaftsprüfer unter dem Titel „Der Boom meldet sich zurück", dass sich das weltweite M&A-Volumen erstmals wieder auf Vorkrisenniveau befindet.

Die Branchen mit dem größten Volumen waren Industriemaschinen, Metallverarbeitung und Elektronik. Im Maschinenbau, der vom M&A-Volumen her derzeit deutlich über dem Schnitt der vergangenen drei Jahre liegt, gibt es im laufenden Jahr laut PWC „die meisten Deals mit chinesischer Beteiligung seit zehn Jahren."

Auch die Transaktionen in der Chemie sind auf einem mehrjährigen Hoch. Asien war im dritten Quartal an mehr als 50 Prozent der Transaktionen beteiligt, angefeuert von China, wo die Führung in Peking auf eine rasche Konsolidierung der Industrie drängt.

Die treibende Kraft bleiben in der Chemie dennoch die USA, wo sich die anziehende Konjunktur als starker Treiber bemerkbar macht. „Bei wachsender Zuversicht der Konsumenten, günstigen Kreditkonditionen und begrenzten Möglichkeiten der Firmen für organisches Wachstum ziehen die US-Firmen ihr Cash heran, um Wachstum durch Akquisitionen zu erzielen", erklärt der Restrukturierungsexperte Dan Tiemann bei der KPMG.

Zwar sind noch nicht alle Deals in der Statistik berücksichtigt, doch bis Ende des dritten Quartals zeichnete sich mit weltweit mehr als 5800 angekündigten Übernahmen und Beteiligungen ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 7 Prozent ab. Gesamtvolumen: fast einer Billion Dollar.

Auffallend war in den vergangenen Monaten verschiedenen Beratungsgesellschaften zufolge die große Zahl von Megadeals, darunter die 71 Milliarden Dollar umfassende Konsolidierung bei Kinder Morgan, mit mehr als 100.000 Kilometer Pipelines das größte Energieinfrastruktur-Unternehmen Nordamerikas.


Viele Schlagzeilen verursachten auch die teilweise Übernahme von Alstom durch General Electric im April für 17,1 Milliarden Dollar sowie der Erwerb des führenden Kompressorenherstellers für die Energiebranche, Dresser-Rand, für 6,7 Milliarden Dollar durch Siemens im September.

Der jüngste Paukenschlag in der Topliga ist die Anfang Dezember 2014 bekannt gewordene Übernahme des US-Pharmakonzerns Cubist für 8,4 Milliarden Dollar durch Merck. Cubist erforscht und produziert Arznei gegen Bakterien, die gegen Antibiotika resistent sind.

Für das kommende Jahr 2015 wird kein Abflauen des jüngsten M&A-Booms erwartet. Aus der Umfrage, die der KPMG-Prognose für 2015 zugrunde liegt, geht hervor, dass 82 Prozent der Topmanager in den USA im kommenden Jahr mindestens eine Akquisition planen. Jeder fünfte hat mindestens zwei M&A-Deals in Vorbereitung. Doch diese Vorhersage ist auf der Zielgeraden ins kommende Jahr mit mehreren Unsicherheiten behaftet. Eine davon ist die in den USA erwartete Zinswende nach oben.

In der KPMG-Umfrage geben 46 Prozent der Vorstände im Gespräch an, dass es „zu früh" sei, für die beiden kommenden Jahre eine Vorhersage über den möglichen Einfluss steigender Zinsen zu machen. Möglicherweise wird der Effekt steigender Zinsen durch die gefüllten Kassen vieler Unternehmen aufgefangen. Die Firmen im S&P 500 beispielsweise sitzen auf 1,2 Billionen Dollar Cash. Das ist fast ein historischer Rekord. So geht auch aus der KPMG-Studie hervor, dass gefüllte Firmenkassen und Übernahmechancen in den großen Schwellenländern zu den zwei wichtigsten Treibern anhaltender M&A-Aktivität im kommenden Jahr zählen dürften.

„Der fortgesetzte Anstieg des Dollar-Kurses könnte ausländische Investoren mit Blick in die USA vorsichtiger stimmen."
Phil Isom, Chef für das weltweite M&A-Geschäft bei der Beratungsgesellschaft KPMG

Ein zweiter Unsicherheitsfaktor mit Blick auf die nächsten zwölf Monate ist der starke Dollar. Der US-Dollar-Index hat im Verlauf seines Höhenflugs seit Juni 10 Prozent zugelegt. Akquisitionen in den USA werden für europäische und asiatische Firmen dadurch teurer. „Der fortgesetzte Anstieg des Dollar-Kurses könnte ausländische Investoren mit Blick in die USA vorsichtiger stimmen", sagt Phil Isom, der Chef für das weltweite M&A-Geschäft bei der KPMG.

Die Energiewirtschaft könnte sich sogar als die heißeste Industrie im weltweiten M&A-Geschäft erweisen, denn die Ölpreise (WTI) sind im Dezember des ausklingenden Jahres 2014 auf unter 60 Dollar je Barrel (159 Liter) abgerutscht. Die Folge: Manche Übernahmekandidaten sehen wieder attraktiver aus, weil sie günstiger bewertet sind als noch vor zwei Monaten.

So klopft beim kanadischen Öl- und Gasförderer Talisman, dessen Aktie seit September 55 um Prozent eingebrochen ist, wieder der spanische Ölkonzern Repsol an. Repsol hatte nach eingehender Prüfung der Talisman-Bücher im ersten Anlauf in diesem Sommer einen Rückzieher gemacht. Seitdem ist der Preis für Talisman indes um 4,2 Milliarden Dollar gefallen.

In der Pharmabranche ist Insidern zufolge die Gesundheitsreform von Barack Obama ein Treiber. Sie drückt Kosten und übt daher Konsolidierungsdruck aus. Im IT-Bereich kaufen große Unternehmen kräftig bei aufsteigenden Firmen im Mobilsegment, in der Cloud und in der Datenaufbereitung zu. Auch Technologie und Talente stehen auf der Prioritätenliste der Manager. Bei den Finanzdienstleistern sorgen die vorangetriebene Regulierung und die Erschließung neuer Kundengruppen für eine intensivere Suche nach Übernahmekandidaten.