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Investoren verhandeln mit Wirecard

Der deutsche Internet-Zahlungsabwickler hat das Interesse von Investoren auf sich gezogen. Wirecard spricht wohl mit mehreren Interessenten. Zu denen soll das chinesische Unternehmen Alipay zählen.

Kommt der nächste Firmenkauf aus China? Nach Angaben der Bild am Sonntag erwägt Chinas Online-Bezahldienst Alipay eine Beteiligung in Höhe von 25 Prozent an Wirecard; das deutsche Unternehmen aus Aschheim bei München ist ein Software- und IT-Anbieter beispielsweise für Zahlungsverkehre via Internet. Wirecard hat bisher nicht dazu Stellung bezogen.

„Wir äußern uns nicht zu Gerüchten. Wir können jedoch bestätigen, dass wir strategische Gespräche mit verschiedenen Partnern führen“, sagte eine Wirecard-Sprecherin der Nachrichtenagentur Reuters.

© Wirecard

Dass es Gespräche mit möglichen Investoren gibt, hatte Wirecard-Chef Markus Braun allerdings bereits auf der Hauptversammlung des Unternehmens am 16. Juni 2016 in München bestätigt. „Unser Geschäftsmodell hat sicher zu einer verstärkten Aufmerksamkeit von großen Strategen geführt“, sagte Braun. Wirecard sei offen für Gespräche, benötige allerdings für die Ausweitung seines Geschäfts keinen Ankerinvestor.

Nach dem Bericht der Bild am Sonntag könnte das nun Alipay werden. Denn mit einer Beteiligung von 25 Prozent würde sich das chinesische Unternehmen bereits eine Sperrminorität an Wirecard sichern. Allerdings blieb bisher eine Bestätigung für das Interesse der Chinesen aus, auch Wirecard selbst vermied auf Mediennachfrage eine Bestätigung.

Sofern Alipay dennoch zu den möglichen Investoren in Wirecard zählen, sollte das Unternehmen das nötige Kleingeld dafür aufbringen können. Alipay gehört dem chinesischen Internetgiganten Alibaba.

Die Wirecard-Aktionäre freuten sich nach dem Bild-am-Sonntag-Bericht dann auch nur kurz über den steigenden Aktienkurs ihres Unternehmens. Am Vormittag des 27. Juni 2016 kletterte die Wirecard-Notierung um 3,75 Prozent auf 40,66 Euro; alleine damit war das kurzfristige Brexit-Minus vom 24. Juni 2016 bereits mehr als ausgeglichen. An jenem Junitag erschütterte das Ausstiegsvotum der Briten aus der EU die Börsen weltweit, und auch der Wirecard-Aktienkurs ging vorübergehend in die Knie.

Schon am Nachmittag des 27. Juni 2016 drehte die Wirecard-Notierung aber ins Minus, womöglich aufgrund der fehlenden Bestätigung für das vermeintliche Alipay-Interesse an Wirecard. Bis 16 Uhr entstand ein Minus von 2,5 Prozent auf 38,21 Euro.

Kurzfristige Rückschläge sind die Wirecard-Anleger allerdings gewohnt.

Deutlich bergab ging es beispielsweise im Februar 2016. Damals stürzte der Wirecard-Aktienkurs kurzfristig ab, nachdem anonyme Betrugs- und Geldwäschevorwürfe gegen das Unternehmen erhoben worden waren. Sie hatten allerdings bisher keine anhaltende Wirkung auf die Notierung. Im Gegenteil.

Besser als der kurzfristige Blick auf den heutigen Kursverlauf ihres Investments fällt für die Wirecard-Investoren die mittelfristige Bilanz aus. In der Dreijahresperiode steht ein dickes Plus von 97,95 Prozent und auf Fünfjahressicht sogar ein starker Zuwachs um 244,44 Prozent.


Das angebliche Interesse von Alipay an Wirecard fällt in eine Zeit, in denen die Investitionspläne chinesischer Firmen in deutsche Konzerne mehr und mehr Politikern in der Bundesrepublik zu weit gehen. Zuletzt sorgte das Übernahmeangebot des chinesischen Hausgeräteherstellers Midea für den Augsburger Roboterproduzenten Kuka für Aufsehen.

© Kuka

Mehr noch: Die chinesische Investition in Kuka schien eine Untersuchung der Technischen Universität München zu bestätigen, wonach chinesische Investoren hierzulande vor allem ein Auge auf den deutschen Mittelstand geworfen haben. Kleinere Technologieführer hätten es ihnen besonders angetan. Unternehmen also, die oft als „Hidden Champions“ bezeichnet werden.

Ein regionaler Schwerpunkt der Zukäufe liegt nach Informationen von „Invest in NRW“ in Nordrhein Westfalen. Ansiedlungen von Unternehmenszentralen gäbe es insbesondere in Düsseldorf. Weitere regionale Schwerpunkte liegen nach einer Analyse des Beratungshauses EY in Bremen, Berlin und Stuttgart. EY hat dann auch ermittelt, dass China etwa im Jahr 2014 immerhin 38 Prozent seiner Investitionen in Europa auf Deutschland konzentriert habe.

Deutschlands Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) war vielleicht auch deshalb schon auf Distanz zu dem chinesischen Übernahmeangebot für Kuka gegangen.

„Minister Sigmar Gabriel würde es begrüßen, wenn es eine deutsche oder europäische Alternative aus der Wirtschaft selbst heraus gäbe und die Eigentümer sich dann entscheiden könnten, welches Angebot das bessere für das Unternehmen oder den Wirtschaftsstandort Deutschland ist“, sagte eine Sprecherin des Ministers noch nach dem China-Besuch der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Juni 2016. Und auch dort spielten Chinas Übernahmepläne für Kuka offenbar eine Rolle.

Das Thema Kuka dagegen sei nur „nicht direkt“ angesprochen worden, sagte Merkel auf einer Pressekonferenz nach dem Gespräch mit Chinas Ministerpräsident am 12. Juni 2016.